ATLANTA / LONDON (IT BOLTWISE) – Home Depot hat im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen, weil Kunden trotz hoher Hypothekenzinsen weiter in kleinere Heimprojekte investieren. Die Quartalsumsätze stiegen auf 47,9 Milliarden US-Dollar, während der durchschnittliche Warenkorb auf 92,50 US-Dollar kletterte. Gleichzeitig bleibt der Immobilienmarkt wegen hoher Kaufpreise und teurer Finanzierung angespannt. Der Konzern kündigt zudem einen Personalabbau im Atlanta-Stützpunkt an und bestätigt seine Prognose für 2026.

Home Depot: Nachfrage bleibt bei kleineren Projekten, Baukosten bremsen große Umbauten
Home Depot: Nachfrage bleibt bei kleineren Projekten, Baukosten bremsen große Umbauten (Foto: IT BOLTWISE)
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Im US-amerikanischen Heimwerker- und Renovierungsmarkt zeigt sich gerade eine klare Verschiebung: Nicht der große Umbau steht im Vordergrund, sondern die Summe vieler kleiner Maßnahmen. Genau diese Tendenz spiegelt sich in den Zahlen von Home Depot für das zweite Quartal 2026 wider. Der Händler meldete einen Anstieg der Verkäufe um 5,7% auf 47,9 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahr; parallel dazu stiegen die vergleichbaren Umsätze um 1,7%. Besonders auffällig ist dabei, dass die Kunden in den USA ihre Käufe noch stärker ausweiteten: Dort kletterten vergleichbare Verkäufe um 1,3%. Dahinter steckt eine Nachfrage, die zwar vorhanden ist, aber in kleineren Paketen umgesetzt wird.

Technisch betrachtet ist das weniger eine Frage einzelner Produkte als eine Logik in der Beschaffung und in der Warenverfügbarkeit entlang typischer Renovierungszyklen. Wenn Finanzierungskosten die Einstiegshürde für größere Vorhaben erhöhen, verschieben sich Projektgrößen in Richtung schneller umsetzbarer Maßnahmen: Farben, Bodenbeläge, kleinere Elektro- und Sanitärarbeiten, Reparaturen oder Ersatzbeschaffungen. Home Depot beschreibt diese Dynamik in seiner Ergebnislogik ausdrücklich: Laut CFO Richard McPhail habe es „breit angelegte Nachfrage“ gegeben, während Kunden „kleinere Projekte“ weiter angegangen seien. Auch der zweite Teil der Entwicklung passt ins Bild, denn die durchschnittliche Transaktion stieg um 2,8% auf 92,50 US-Dollar, während die Anzahl vergleichbarer Kundenumsätze um 1% zurückging.

Die Marktrelevanz der Zahlen entsteht dort, wo die Projektskala auf das Finanzierungsumfeld trifft. Die Quelle für diese Engstelle ist das Zusammenspiel aus hohen Eigenheimpreisen und teuren Krediten. Bestandsimmobilien in den USA gingen im Juli um 1,7% gegenüber dem Vormonat zurück, gemessen am saisonbereinigten Jahresabsatz, auf 4,06 Millionen Einheiten. Gleichzeitig stieg der Median-Preis für bestehende Häuser um 2% auf 434.100 US-Dollar. Für viele Haushalte bedeutet das: Selbst wenn ein Renovierungswunsch besteht, lässt sich nicht jede Maßnahme so leicht „finanzieren“, wie es in einem Umfeld mit günstigeren Kreditkosten möglich wäre. Die Hypothekenzinsen bleiben dabei ein dominanter Hebel. Nach Angaben von Freddie Mac lag der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Festhypothek am 13. August bei 6,67%, nach 6,58% ein Jahr zuvor.

Auch organisatorisch reagiert Home Depot auf diese Marktbedingungen, und zwar nicht nur in der Preis- oder Sortimentspolitik, sondern über Anpassungen in der Struktur. Der Händler bestätigte, dass im Zuge einer unternehmensweiten Umstrukturierung „hunderten“ Job Cuts im Atlanta-basierten Support Center entsprechen. Daneben nennt Home Depot für das Quartal Nettoerträge von 4,8 Milliarden US-Dollar bzw. 4,79 US-Dollar je verwässertem Anteil; bereinigt lag der Gewinn bei 4,92 US-Dollar je Aktie. Wichtig ist: Selbst in einem von Unebenheiten geprägten Umfeld will der Konzern nicht nur „durchhalten“, sondern die Profitabilität mit einem operativen Setup sichern, das zu kleineren, häufiger nachgefragten Projekten passt. Diese Projektskalierung wirkt zudem auf Service- und Support-Workflows, etwa bei Logistik, Bestandssteuerung und Kundendienstprozessen.

Für Investoren und Entscheider ist außerdem relevant, dass Home Depot trotz des angespannten Umfelds die Umsatzplanung für 2026 bestätigt hat. Das Unternehmen rechnet weiterhin mit einem Wachstum der Gesamterlöse um etwa 2,5% bis 4,5%. Beim Vergleichsumsatz sieht die Spanne im gleichen Jahr Wachstum von „flat bis 2%“ vor. Damit bleibt die Guidance inhaltlich konsistent mit der zuvor kommunizierten Erwartungslage. Der Zusammenhang zur Projektgröße liegt auf der Hand: Wenn ein größerer Teil der Nachfrage in kleinere Maßnahmen wandert, kann das zwar die Frequenz erhöhen, aber die Ticket-Höhe und die durchschnittliche Umsetzungsdauer pro Kunde verändern. Home Depot versucht offenbar, diese Mischung über Sortiments- und Einkaufsentscheidungen zu steuern, ohne das Ausblicksbild abrupt zu verschieben.

Aus Branchenperspektive zeigt sich hier ein wiederkehrendes Muster, das sich in vielen Phasen hoher Zinsen bestätigt: Die Nachfrage nach „Verbesserung des Bestands“ bleibt, während der Markt für größere Renovierungen erst dann wieder kräftiger anspringt, wenn Finanzierungskosten spürbar sinken oder Haushalte höhere Budgets riskieren. Für andere Player im Einzelhandel mit Schwerpunkt auf Bau- und Heimwerkerbedarf bedeutet das vor allem eins: Wettbewerb entsteht nicht allein über Werbung, sondern über die Fähigkeit, kurzfristige Projektgrößen sauber zu bedienen. Dazu zählen stabile Lieferketten für häufig nachgefragte Artikel, eine präzise Bedarfsplanung und ein Setup, das hohe Verfügbarkeit auch bei schwankender Nachfrage hält. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von digitalen Bestell- und Abwicklungsflüssen, weil Kunden häufiger in Etappen planen und nicht „in einem Rutsch“ renovieren. In der Praxis wird damit das Zusammenspiel aus Lagerumschlag, Servicezeiten und Warenkorbgröße zur entscheidenden Steuergröße.

Am Ende ist der Quartalsbericht damit weniger eine Momentaufnahme als ein Hinweis auf den Zustand des Wohnungsmarkts und die Reaktionsfähigkeit des Einzelhandels. Die Kombination aus 5,7% Umsatzwachstum, 1,7% vergleichbarem Anstieg und einem höheren durchschnittlichen Ticket zeigt: Home Depot findet Käufer, auch wenn der Immobilienmarkt insgesamt gebremst bleibt. Gleichzeitig liegt im Hintergrund der klare Kostendruck durch Hypothekenzinsen von 6,67% und Kaufpreise auf hohem Niveau, die größere Umbauten erschweren können. Für das weitere Jahr wird entscheidend sein, ob sich die Finanzierungsseite entspannt oder ob sich die „kleine Projekt“-Logik als neuer Normalzustand verfestigt. Dann müssten Händler und Dienstleister ihre Prozesse noch stärker darauf ausrichten, in kurzen Zyklen Wert zu liefern – und zwar mit Stabilität sowohl im Regal als auch in der Abwicklung.


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