VEREINIGTE STAATEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Responsible Online Gaming Association (ROGA) hat einen freiwilligen Marketing- und Werbekodex für US-Online-Glücksspiel veröffentlicht. Zentrales Element ist die Anforderung, dass mindestens 75 Prozent der erwarteten Zielgruppe volljährig sind. Zudem untersagt der Kodex irreführende Aussagen wie „risikofrei“ und verlangt bei Influencer-Kooperationen eine klare Offenlegung bezahlter Partnerschaften. Die Vorgaben sollen den Spielerschutz in einem Umfeld stärken, in dem digitales Targeting und Social-Media-Werbung schneller wachsen als klassische Kontrollmechanismen.

ROGA setzt Werbe-Kodex für US-Online-Glücksspiel mit 75%-Alterszielgruppenregel
ROGA setzt Werbe-Kodex für US-Online-Glücksspiel mit 75%-Alterszielgruppenregel (Foto: IT BOLTWISE)
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Im US-Online-Glücksspiel verschiebt sich die Debatte über Marketing von klassischen Werbezeiten und Sendeplänen hin zu präzisen Zielgruppenfiltern, Content-Regeln und Influencer-Transparenz. Genau an dieser Stelle setzt die Responsible Online Gaming Association (ROGA) an und verabschiedet einen neuen freiwilligen Marketing- und Werbekodex, den Mitglieder „übernommen“ haben. Das Ziel wird dabei nicht nur mit „besserer Kommunikation“ umschrieben, sondern mit messbarerem Verbraucherschutz: Wer Ansprache und Inhalte für reguliertes iGaming gestaltet, soll nach einheitlichen Standards handeln, die insbesondere minderjährige Zielgruppen ausklammern und irreführende Versprechen unterbinden.

Technisch betrachtet liegt der Kern der neuen Anforderungen im Zusammenspiel aus Zielgruppenmessung und Ausspiellogik. ROGA fordert von Betreibern, dass Werbung nur auf Plattformen ausgespielt wird, bei denen sichergestellt ist, dass mindestens 75 Prozent des erwarteten Publikums das gesetzliche Mindestalter für Glücksspiel erreicht haben. Damit wird aus einer werblichen „Schätzung“ ein konkretes Schwellenkriterium, das die Betreiber bei Kampagnenplanung und Budgetallokation praktisch in ihre Modellierung integrieren müssen. Zusätzlich untersagt der Kodex Werbung auf dem Gelände von Hochschulen oder Universitäten sowie die Nutzung von minderjährigen College-Athleten als Werbegesichter. In der Umsetzung bedeutet das: Werbeplätze und Creatives werden nicht nur nach Reichweite, sondern nach Kontext- und Altersfit kuratiert.

Neben der Alterskomponente adressiert der Kodex die inhaltliche Darstellung von Gewinnchancen und die Gefahr semantischer Fehlinterpretation. ROGA verlangt, dass Quoten und mögliche Ergebnisse wahrheitsgemäß abgebildet werden; außerdem gilt ein striktes Verbot für Formulierungen wie „risikofrei“. Solche Begriffe wirken aus Sicht des Verbraucherschutzes wie eine Umdeutung des Angebots: Glücksspiel wird damit nicht als Unterhaltung eingeordnet, sondern als Plan zum Geldmehrung ohne relevanten finanziellen Verlust. Der Hintergrund ist ebenso handfest wie digital relevant, denn Kampagnenformate im Netz arbeiten oft mit kurzen Hooks, Visuals und Claims, die schnell verbreitet werden und sich schwerer nachträglich „geradeziehen“ lassen. Werbebotschaften werden damit zu einem Bestandteil der Risiko-Kommunikation, nicht nur zu einem Vertriebskanal.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft moderne Werbewege, also Influencer-Kooperationen und die Grenze zwischen redaktioneller Meinung und bezahlter Promotion. Der Kodex verlangt, dass Influencer, die mit ROGA-Mitgliedern zusammenarbeiten, selbst volljährig sind. Gleichzeitig muss die bezahlte Partnerschaft klar offengelegt werden. Damit reagiert ROGA auf die Dynamik in sozialen Medien: Dort verschwimmen bezahlte Inhalte häufig mit persönlicher Empfehlung, wodurch Transparenzanforderungen im Alltag der Nutzer oft untergehen. Inhaltlich und organisatorisch führt das zu zusätzlichen Prüf- und Freigabeschritten, weil sowohl Vertragsgestaltung (wer darf mitmachen, ab wann) als auch Creative-Kontrolle (wie wird eine Zusammenarbeit gekennzeichnet) genauer abgestimmt werden müssen.

Auch die technische und organisatorische Perspektive kommt im Kodex nicht zu kurz. ROGA nennt als Teil der Pflichten, dass Mitglieder ihren Kunden Ressourcen für verantwortungsbewusstes Spielen bereitstellen müssen. Dazu zählt die Möglichkeit, den eigenen Zugang zu Plattformen einzuschränken oder zu widerrufen. Zusätzlich fordert der Kodex, keine Personen gezielt zu bewerben, bei denen Anzeichen für problematisches Spielverhalten vorliegen oder bei denen Bedenken hinsichtlich des Spielerschutzes bestehen. Die Logik dahinter ist deutlich: Werbetargeting soll nicht nur „werbeoptimiert“ sein, sondern daten- und prozessbasiert auch Risiken aus dem Spielverhalten heraus berücksichtigen. Dr. Jennifer Shatley, Exekutivdirektorin der ROGA, ordnet den Schritt entsprechend ein: „Technologie, digitale Plattformen und die Art und Weise, wie Spieler mit Online-iGaming interagieren, verändern sich ständig, und verantwortungsbewusste Marketingpraktiken müssen sich ebenfalls weiterentwickeln, um diesem Moment gerecht zu werden.“

Für deutsche Spieler ist die US-Entwicklung besonders interessant, weil Deutschland im regulierten Online-Glücksspiel bereits einen strengeren Rahmen aufspannt. Seit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) sind Regeln hierzulande keine freiwillige Selbstverpflichtung, sondern gesetzliche Pflicht. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt eine Whitelist lizenzierter Anbieter; zudem profitieren Nutzer von harten Limits wie dem 1-Euro-Einsatzlimit pro Spin an virtuellen Automaten oder einem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg. Zentral wird das durch das Überwachungssystem LUGAS unterstützt, das sicherstellen soll, dass kein paralleles Spielen bei mehreren Anbietern möglich ist. Der entscheidende Punkt für die Werbe- und Schutzdebatte: Während ROGA in den USA auf Freiwilligkeit setzt, werden vergleichbare Schutzanforderungen in Deutschland staatlich überwacht.

Für GGL-lizenzierte Anbieter bedeutet das gleichzeitig, dass der ROGA-Vorstoß in Teilen bereits bestehende deutsche Praxis reflektiert und international sichtbar macht. So sind etwa Werbebegrenzungen im Zeitfenster bei Online-Glücksspiel im Rundfunk und Internet zwischen 6 und 21 Uhr teilweise stark eingeschränkt. Auch der Umgang mit irreführenden Begriffen wie „risikofrei“ ist hierzulande durch das Verbot irreführender Werbung längst gelebte Praxis. Wer gegen Werberegeln verstößt, muss in der Regel mit empfindlichen Konsequenzen rechnen – bis hin zum Entzug der Lizenz. Damit liefert der ROGA-Kodex einen wichtigen Fingerzeig für den Markt: Wenn US-Betreiber sich auf ähnliche Leitplanken zubewegen, dann nicht nur aus PR-Gründen, sondern weil digitale Kanäle Werbeversprechen und Zielgruppenansprache schneller skalieren können als traditionelle Kontrollinstrumente.


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