BERLIN-SCHÖNEBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Berliner Startup hat eine schachtlose Aufzugslösung entwickelt, die sich laut Angaben für Nachrüstungen im Gebäudebestand eignet. Der erste Prototyp in Berlin-Schöneberg kommt mit einer Leichtbaukonstruktion aus zwei Säulen aus. Die Anlage wird ohne Kran und Gerüst innerhalb weniger Wochen montiert und nutzt eine Servohydraulik mit Backup-Batterie. Ziel ist es, das Erscheinungsbild zu bewahren und den Lichteinfall in den Innenräumen kaum zu beeinträchtigen.

Nachrüstungen im Bestand sind für Aufzüge oft die teuerste und genehmigungsintensivste Phase: Je nachdem, wie viel Bausubstanz entfernt werden muss, verschiebt sich schnell nicht nur der Zeitplan, sondern auch die Frage, ob Denkmalschutz- und Milieubezüge überhaupt mitgespielt werden. Genau an diesem Punkt setzt das Berliner Startup Hoogen mit einer schachtlosen Konstruktion an. Laut Projektbeschreibung verzichtet das System auf einen klassischen Aufzugsschacht und wurde daher so konzipiert, dass es sich auch dort nachrüsten lässt, wo eine vollständige Schachtbildung nur schwer durchsetzbar wäre.
Technisch rückt dabei die Leichtbau-Mechanik in den Vordergrund: Der Prototyp in Berlin-Schöneberg fährt entlang einer Leichtbaukonstruktion mit zwei Säulen. Für die Praxis ist entscheidend, dass das modulare System in diesem Fall ohne Kran und ohne Gerüst innerhalb weniger Wochen montiert wurde. Das adressiert gleich mehrere typische Baustellenprobleme – von der logistischen Einbindung bis zur Dauer der Sperrungen. In der Kabine- und Führungszone sorgt die Reduktion auf wenige tragende Elemente zudem für eine kompaktere Bauform, was wiederum die spätere Integration in bestehende Grundrisse erleichtern kann.
Auch bei der „Bestandsoptik“ geht es nicht nur um Ästhetik, sondern um messbare Auswirkungen auf den Alltag der Nutzer. Bodentief verglaste Zugangstüren sollen den Lichteinfall in den Innenräumen maximieren; gleichzeitig werden sie als wärme- und schalldämmend beschrieben. Betrieben wird die Anlage mit einer Servohydraulik, die in einem kleinen Maschinenraum unter dem System sitzt. Für Betriebssicherheit im Alltag nennt das Projekt zudem eine Backup-Batterie, auf die die Servohydraulik bei Stromausfall zurückgreifen kann – damit ist ein zentraler Ausfallmodus zumindest überbrückbar, ohne dass sofort externe Ressourcen nötig sind.
Spannend ist die Mischung aus Kosten- und Wartungsperspektive: Weil das schachtlose Modell auf Funktion reduziert bleibt und optisch eher zurückhaltend ausgeführt ist, wird weniger Material eingesetzt. Das soll sich laut Angaben auch in den Kosten niederschlagen. Gleichzeitig wurde am Prototyp bereits gezeigt, dass einzelne Bauteile des modularen Systems unkompliziert austauschbar sind. Für Betreiber bedeutet das im Kern eine potenziell planbarere Instandhaltung: Wenn Komponenten im Austauschfall schneller verfügbar sind und der Eingriff vor Ort begrenzt bleibt, sinkt die Zeit, in der der Aufzug außer Betrieb ist – und damit oft auch der organisatorische Aufwand.
Ein weiterer Hebel liegt in der Genehmigungslogik, weil schachtlose Lösungen nicht zwangsläufig denselben Umfang an Eingriffen verursachen wie klassische Bauvarianten. Laut Projektbeschreibung haben die oberste Denkmalschutzbehörde sowie das für Milieuschutz zuständige Stadtentwicklungsamt Berlin den Aufzug bereits in ihren Dienststellen vorstellen lassen. Parallel signalisierten auch Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften, Architekten, Eigentümergemeinschaften und Hausverwaltungen Interesse an einer Zusammenarbeit. Für den nächsten Schritt Richtung Serienfertigung sucht Hoogen Experience derzeit nach strategischen Partnern und Investoren, was vor allem für die Industrialiserung relevant ist: Vom Lieferkettenaufbau bis zur Standardisierung der Montageabläufe muss ein Prototyp in ein skalierbares Produkt überführt werden.
Für den Markt kann das Vorhaben deshalb auf zwei Ebenen wirken: Erstens liefert die Kombination aus Leichtbau-Montage ohne Kran und Gerüst sowie bodentief verglasten, dämmenden Zugangstüren einen klaren Ansatz für Gebäudetypen, bei denen Bauhöhe, Eingriffsfläche oder Nutzerakzeptanz besonders sensibel sind. Zweitens verändert ein wartungsfreundliches Modulsystem die Diskussion über Lifecycle-Kosten, weil nicht nur der Einbau zählt, sondern auch der Betrieb über Jahre. Unterm Strich zeigt die Entwicklung, wie stark der Aufzugsbereich inzwischen von Produktarchitektur und Bauprozess her gedacht wird – nicht nur von Antriebstechnik, sondern auch von Integration, Austauschlogik und Energieeffizienz im Alltag.
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