WHITE PLAINS / LONDON (IT BOLTWISE) – Das ehemalige Sommerhaus der Broadway- und Vaudeville-Stars Rosie und Jenny Dolly ist für 2,795 Millionen US-Dollar zum Verkauf auf dem Markt. Die in Ungarn geborenen Zwillinge ließen die Residenz 1924 auf ihrem Karrierehöhepunkt errichten. Das Anwesen verbindet historische Architekturdetails wie Kassettendecken und markante Kamine mit einer durchdachten Außenanlage und einem außergewöhnlichen Grundriss. Besonders auffällig: Originale Elemente aus ihrer Zeit sind nach mehr als einem Jahrhundert weiterhin erhalten.

Wer in den New Yorker Speckgürtel blickt, findet selten ein Objekt, das so klar zwischen Showbusiness-Mythos und gebauter Substanz vermittelt. Das hier angebotene Sommerhaus der Dolly Sisters liegt in White Plains, New York, und wechselt nun für 2,795 Millionen US-Dollar den Besitzer. Ursprünglich hatten Rosie und Jenny Dolly, beide in Ungarn geboren, die Residenz 1924 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erbauen lassen. Als Rückzugsort von Manhattan diente es ihnen nicht nur als Bühne hinter der Bühne, sondern auch als Wohnumgebung, die den damaligen Prominentenalltag mit Privatsphäre ausbalancierte.
Schon die Eckdaten verraten, dass es sich nicht um eine typische „historische Ecke“ handelt, sondern um eine durchdimensionierte Privatresidenz: 1,12 Hektar Grundstücksfläche, eine Wohnfläche von 6.254 Quadratfuß und ein Raumprogramm mit sieben Schlafzimmern sowie fünfeinhalb Badezimmern. Solche Zahlen sind bei Immobilien aus den 1920er-Jahren wichtig, weil sie zeigen, dass der Stil nicht nur dekorativ war, sondern in ein klares Nutzungskonzept eingebettet. Laut Beschreibung wurde das Haus im Geist der großen Newport-“Cottages” entworfen, die besonders bei der Gesellschaftselite Anklang fanden. Genau dort setzt die Qualität an: Das Anwesen wirkt „prachtvoll“, bleibt aber so konzipiert, dass der Alltag abgeschirmt stattfinden kann.
Architektonisch dominiert ein kreisförmiger Fahrweg, der sich um einen zentralen Garten herum zum Haupteingang zieht. Diese Art der Erschließung war in der Zeit um 1920 ein Signal: Sie inszeniert Ankunft, bevor überhaupt eine Person das Haus betritt, und sie passt zur öffentlichen Rolle der Schwestern. Der Weg führt weiter unter einem steinernen Porte-Cochère, der ursprünglich groß genug für eine Pferdekutsche gewesen sein soll. Außen finden sich Schindelfassaden, abgerundete Steinbuchten und hohe Schornsteine; zusammen mit dem Umfeld aus hohen Bäumen entsteht eine klare Bildwelt der 1920er-Jahre – aber eben nicht als Museum, sondern als bewohnbares Gesamtkunstwerk. Für Käufer ist das auch deshalb interessant, weil die Gebäudehülle und die Raumlogik späteren Umbaustandards folgen müssen, statt sie von Grund auf zu akzeptieren.
Innen setzt sich die Historie über Details fort, die in der Praxis häufig der erste Härtetest bei Sanierungen sind. Beim Betreten empfängt ein großer zentraler Flur mit originalen Parkettböden, getäfelten Wänden und einer Kassettendecke. Eine breite Treppe steigt mitten im Haus auf und fungiert als räumlicher Anker zwischen den Hauptwohnbereichen; daneben liegt ein Kamin, der frühere Wohn- und Heizkultur greifbar macht. Die Palette reicht von dunklen Holzverkleidungen und originalen Holzarbeiten bis hin zu einem roten Treppenläufer, der den Charakter des frühen 20. Jahrhunderts visuell festnagelt. Das formale Wohnzimmer rechts der Treppe arbeitet wiederum mit kleinen Sitzbereichen, einem Flügel sowie schweren roten Vorhängen. Dazu kommen eine grüne, getuftete Couch, zwei holzgerahmte Sessel und gestreifte Armlehnstühle – eine Mischung, die eher an „repräsentativen Alltag“ erinnert als an leere Kulissen.
Auch die Funktionszonen sind in einer Weise gegliedert, die man aus heutiger Perspektive als „living-ready“ bezeichnen würde. Die Küche startet mit einem legeren Essbereich neben zwei Fenstern und setzt dann auf lange Arbeitsplatten sowie weiße Schränke entlang der Wände. Ein professioneller Edelstahlherd unter einer übergroßen Dunstabzugshaube sowie ein großer Kühlschrank sind in die gegenüberliegende Wand integriert; zusätzlich gibt es eine separate Speisekammer mit offenen Regalen und einem Bauernhaus-Waschbecken. Formal schließt ein Esszimmer an, das Platz für acht Personen bietet und mit Kronleuchter und einer dunklen Holzkassettendecke arbeitet. Eine lange Fensterfront bringt Sonnenlicht und betont Einbauschränke sowie Fischgrätböden. Für entspannte Nutzung ist das Familienzimmer als Alternative zu den formalen Räumen gedacht: Zwei grüne Sofas ordnen sich um einen gepolsterten Ottoman vor dem Kamin, und an der Wand ist ein Fernseher vorgesehen. Gerade diese Zwischenräume sind für moderne Käufer relevant, weil sie sich meist am leichtesten in „multifunktionale“ Zonen überführen lassen – ohne den Charakter zu verlieren.
Im Obergeschoss öffnet sich die Master-Suite in ein größeres Schlafzimmer mit Sitzbereich vor den Fenstern, von dem aus sich das Gelände überblicken lässt. Gegenüber dem Bett rahmen Kleiderschränke und ein Schminktisch den Raum; eine weiß gekachelte Kaminsituation mit klassischen Details unterstreicht die ästhetische Kontinuität. Das Bad der Suite beschreibt einen langen Doppelwaschtisch mit dunkler Steinplatte, großen Spiegelpaneelen und messingfarbene Armaturen. Ein Fenster bringt Tageslicht; geflieste Wände und ein Kieselsteinboden verleihen dem Bereich eine spürbar strukturierte Oberfläche. Neben der Master-Suite gibt es mehrere weitere Schlafzimmer, darunter eines mit vertikal gestreiften Tapeten und ein weiteres in einem der abgerundeten Erker. Dazu kommen dedizierte Büroräume, darunter ein blumig tapeziertes Büro mit Gartenblick sowie ein Bibliotheksbüro.
Was sich bei solchen Objekten aus Investorensicht an den Randbedingungen entscheidet, ist weniger der Stil als die technische und energetische Weiterentwicklung. Historische Gebäude wie dieses bringen typischerweise Herausforderungen mit: Leitungswege, Dämmkonzepte, die Integration moderner Heiz- und Lüftungstechnik und die Frage, wie sich Netzwerkinfrastruktur für Smart-Home-Use-Cases sinnvoll verlegen lässt, ohne originale Oberflächen zu zerstören. Umso bemerkenswerter ist, dass das Haus laut Beschreibung gerade im Inneren viele Originalelemente erhalten hat. Das schafft einerseits eine hohe Design- und Wertstabilität, erhöht aber andererseits die Anforderungen an spätere Upgrades: Wer heute ein Anwesen dieser Größenordnung erwirbt, plant in der Regel mit Umrüstungen, bei denen Eingriffe präzise gesteuert werden müssen. In der Praxis heißt das: Käufer und Projektteams bewerten zunächst, welche Bereiche (etwa Küchen-, Bad- oder Technikzonen) flexibel modernisierbar sind, und welche Details zwingend geschützt bleiben.
Für den Markt bedeutet ein Verkaufspreis von 2,795 Millionen US-Dollar vor allem eines: Hier treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite steht die Nachfrage nach Wohnraum, der sich nicht nur repräsentiert, sondern eine dokumentierte Geschichte trägt – gebaut 1924, erhalten durch viele Jahrzehnte. Auf der anderen Seite zählt die Realisierbarkeit für den Alltag: Ein Grundriss mit sieben Schlafzimmern, 1,12 Hektar Grundstück und klarer Raumhierarchie bietet zwar viel Potenzial, verlangt aber ein umsichtiges Modernisierungsprogramm. Für Interessierte ist deshalb auch die Kontaktstelle relevant: In der Angebotsbeschreibung werden Stacey Pinkas und John Oliveira von Douglas Elliman Real Estate als Ansprechpartner genannt. Ob am Ende eine klassische Nutzung als Privatresidenz steht oder eine zeitgemäße Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Gastgeberrollen entsteht, wird sich daran entscheiden, wie gut sich historische Substanz mit heutiger Technik zusammenführen lässt.
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