WASHINGTON/TEHERAN / LONDON (IT BOLTWISE) – US-Präsident Donald Trump will den Iran mit einem „Wirtschaftskrieg“ zum Einlenken bringen. Er fordert, dass jedes Land und dessen Finanzinstitute, Unternehmen, Flughäfen und Behörden „gewaltige wirtschaftliche Konsequenzen“ für eine Unterstützung des Irans erwarten müssen. Teheran begegnet der Drohung mit Spott und verweist auf hohe eigene Schulden. Während Washington Sanktionen weiter verschärfen will, bleibt offen, wie schnell und über welche Kanäle ein echter Druckeffekt entstehen soll.

US-Präsident Donald Trump setzt im Konflikt mit dem Iran auf eskalierende Wirtschaftssanktionen und verbindet das Ziel der politischen Einlenkung mit einem neuen Drucknarrativ: Nicht nur Washington, sondern auch Verbündete sollen die Isolation des Irans in „nie dagewesenem Ausmaß“ mittragen. Im Kern geht es um die Idee, wirtschaftliche Abhängigkeiten und Zahlungswege so stark zu verengen, dass Teheran seine Handlungsfähigkeit im Alltag spürbar verliert. Trump spricht dabei ausdrücklich von „wirtschaftlicher Kriegsführung“ und versucht, das Vorgehen als gemeinsame Front darzustellen, die über Diplomatie hinausgeht.
Für die praktische Wirkung ist entscheidend, welche Kanäle dabei getroffen werden sollen. Trump nennt in seiner Drohung mehrere Kategorien, die in der Sanktionspraxis oft den Unterschied machen: Öl- und Schmuggelströme, Währungstausch, Geldtransfers, Wechselstuben, Schiffsregister sowie Tarnfirmen. Damit verschiebt sich der Fokus von klassischen Exportkontrollen hin zu einem breiteren Netz aus Finanz- und Handelsinfrastruktur, das Zahlungsabwicklung, Identität von Marktteilnehmern und die Nachverfolgbarkeit von Schiffen betrifft. Dass Trump die Teilnahme „aller“ Verbündeten verlangt, deutet zugleich darauf hin, dass die USA nicht mehr nur eigene Compliance-Rahmen nutzen wollen, sondern eine internationale Mitwirkung als Voraussetzung sehen.
Teheran stellt die Drohkulisse jedoch in einen anderen Kontext: Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi ordnet die Ankündigung als Ablenkung von Problemen in den USA ein und verweist auf einen historisch hohen Schuldenstand. In den iranischen Medien wird Trumps Rhetorik zudem als wiederkehrendes Muster beschrieben, das frühere Behauptungen über den angeblich unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Irans fortschreibt. Fachlich lässt sich diese Reaktion als Hinweis lesen, dass der Iran Sanktionen nicht nur erträgt, sondern seine Beschaffungs- und Abwicklungswege systematisch umstellt – genau dort, wo Trump nun mit Tarnfirmen, Registerdaten und Finanzintermediären ansetzt.
Neben der Wirkung in Teheran rückt auch der innenpolitische Takt in den Blick. Knapp zweieinhalb Monate vor den Zwischenwahlen steht Trump unter Druck, weil sich weder auf diplomatischer noch auf militärischer Ebene ein klarer Erfolg zeigt. Besonders anschaulich ist dabei die Perspektive auf die Verhandlungen über eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus: Handelsschiffe konnten vor Kriegsbeginn ungehindert passieren, doch die fortlaufenden Drohgebärden haben in den Verhandlungen offenbar nicht zu einer spürbaren Wende geführt. Gleichzeitig ist die Drohstrategie mit Superlativen wie „Maßnahmen historischen Ausmaßes“ und einem „wirtschaftlichen D-Day“ so angelegt, dass sie Wirkung verspricht – aber genau diese Symbolik macht es für Washington politisch riskant, wenn die erhoffte Beschleunigung ausbleibt.
Während die USA offenbar weitere Schritte vorbereiten, wächst auch der Widerstand in internationalen Handelsbeziehungen. Peking warnte vor einer Fortsetzung des Sanktions- und Druckansatzes und verwies darauf, dass Sanktionen und Druck nicht zur Lösung beitragen. Für die Einordnung ist relevant, dass die Volksrepublik als größter Handelspartner des Irans gilt und einen beträchtlichen Teil des Ölexports abnimmt; wenn Öl die wichtigste Einnahmequelle des iranischen Machtapparats ist, dann hängt die Wirksamkeit der Strategie stark davon ab, ob Umgehungs- und Ausgleichswege funktionieren. Entscheidend ist damit weniger die Ankündigung als die Frage, ob die getroffenen Maßnahmen wirklich die monetäre Verfügbarkeit und die Lieferkette durchdringen.
Auch innerhalb der Debatte um Sanktionsfolgen gibt es Skepsis. Robert Malley, Yale-Forscher und ehemaliger Berater von Präsident Barack Obama, stellt die Logik „Druck führt nicht zum Erfolg, also noch mehr Druck“ infrage und argumentiert, dass die Vorstellung trügerisch sei, durch zusätzliche Verschärfung doch noch ein Ergebnis zu erzwingen. Aus dieser Perspektive sind zwei Szenarien plausibel: Der Iran könnte Zeit gewinnen und auf eine Kehrtwende warten, oder er könnte selbst operativ werden, etwa indem er seine Handels- und Finanzwege weiter konsolidiert. Dass in den vergangenen Wochen gegen die Waffenruhe und andere Punkte des Abkommens wiederholt verstoßen wurde, verschärft zusätzlich das Risiko, dass ökonomischer Druck ohne politischen Durchbruch ins Leere läuft.
Mit Ablauf einer Frist, in der US- und iranische Vertreter zentrale Streitfragen wie das iranische Atomprogramm abschließen wollten, bleibt zudem ein Spannungsfeld offen: Der diplomatische Prozess scheint zu keinem nennenswerten Fortschritt geführt zu haben, während die militärische und politische Eskalationsdynamik zugleich anhält. Für Unternehmen und Handelspartner bedeutet das, dass Compliance nicht nur „eigene“ Risiken adressiert, sondern auch Bewertungsarbeit für Sekundärfolgen erfordert: Wenn Sanktionslogik auf Finanzintermediäre, Schiffsregister und Tarnstrukturen zielt, wird die Prüfung von Lieferanten, Zahlungsrouten und Dokumentationsketten zum operativen Dauerauftrag. Wie schnell sich ein wirtschaftlicher Hebel tatsächlich einstellt, bleibt offen, aber die Richtung ist klar: Washington will die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Iran nicht nur begrenzen, sondern nach außen in eine gemeinsame Abschottungsstrategie übersetzen.
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