AUCKLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Der neuseeländische Startup Vessev hat 27 Mio. A$ in einer Series-A-Runde eingesammelt. Das Kapital soll die Produktion seiner elektrischen Hydrofoil-Passagierfähren VS-9 und VS-12 beschleunigen. Zudem baut das Unternehmen ein globales Go-to-Market-Team auf und investiert weiter in Onboard-Software sowie eine Telemetrie-Plattform. Der Rollout startet parallel in Australien mit Bestellungen in Sydney, Perth und Hobart sowie ersten US-Demos auf dem Lake Tahoe.

Vessev setzt mit der aktuellen Series-A-Runde auf ein für die Seeschifffahrt ungewöhnlich direktem Ansatz: statt auf klassische Propeller- und Verdrängungslogik setzt der Startup auf voll elektrische Hydrofoil-Fähren. Konkret hat das Unternehmen 27 Mio. A$ eingesammelt, um die Fertigung der VS-9 und die Entwicklung der VS-12 zu skalieren. Die Finanzierung zielt damit weniger auf eine einzelne Pilotstrecke ab, sondern auf die wiederkehrende industrielle Umsetzung eines wiederholbaren Produktbaukastens – einschließlich der digitalen Ebene, die bei autonahmen oder datengetriebenen Flottenentscheidungen oft unterschätzt wird.
Technisch betrachtet nutzt die Vessev-Flotte Kohlefaser-Foil-Strukturen, die den Rumpf über das Wasser anheben. Dadurch sinken Widerstand und Heckwellen deutlich, was sich in der Praxis vor allem als Kombination aus Effizienz und Fahrkomfort bemerkbar machen soll. Die VS-9 ist für 10 Passagiere ausgelegt und erreicht laut den Angaben eine Reisegeschwindigkeit von 25 Knoten (46 km/h). Als Reichweite nennt Vessev 50 Seemeilen (93 km) – ein Wert, der für kurze bis mittlere Linienverkehre auf Binnengewässern und Hafenabschnitten besonders relevant ist. Die VS-12 befindet sich noch in der Entwicklung, soll aber bis zu 30 Passagiere aufnehmen können und damit das Potenzial erhöhen, auch stärker nachgefragte Routen wirtschaftlich abzudecken.
Für die Geschwindigkeit des Rollouts ist entscheidend, dass Vessev nicht nur Hardware fertigen will. Der Plan beinhaltet ausdrücklich den Ausbau der Onboard-Software und einer Telemetrie-Plattform. Damit verschiebt sich der Fokus von reinen Bauzahlen hin zu Betriebsdaten: Welche Leistungsaufnahme zeigt sich im realen Fahrprofil? Wie reagieren Foils und Antrieb bei wechselnden Wind- und Seegangsbedingungen? In vielen Flottenprojekten entsteht der Engpass später im Betrieb – etwa bei Wartungsfenstern, Ersatzteilplanung oder der Frage, wie sich Lade- und Energiezustände zuverlässig in den Fahrplan integrieren lassen. Vessev adressiert diese Themen über Software und Messdaten, statt sie erst nach dem ersten Linienstart zu lösen.
Auch organisatorisch wirkt die Runde wie ein Schritt in Richtung „Industrialisierung“ statt nur Unternehmenswachstum. Mit der Finanzierung soll die globale Go-to-Market-Organisation erweitert werden; gleichzeitig nennt Vessev als Ziel, ab 2027 jede VS-9 etwa im Fünf-Wochen-Takt zu produzieren. Aktuell arbeiten 58 Mitarbeitende in Auckland. Dass die Produktentwicklung parallel läuft, sieht man daran, dass die VS-12 noch nicht fertig ist – und trotzdem wird die Markteinbindung in mehreren Regionen vorangetrieben. Investoren auf der Cap-Table-Seite umfassen unter anderem ANZ VC Blackbird, GD1 und Rypples, zusätzlich zu bestehenden Geldgebern wie K1W1, Icehouse Ventures, Shasta Ventures, NZVC sowie bestehenden Angel-Investoren.
Der Marktplan stützt die These, dass elektrische Hydrofoiling nicht nur ein Ingenieursprojekt bleibt, sondern eine Infrastrukturfrage. In Sydney gibt es eine Vereinbarung zur Lieferung von VS-12-Fähren, um einen künftigen Wassertransport auf dem Hafen zu unterstützen. In Perth sollen VS-9-Schiffe 2027 auf dem Swan River eingesetzt werden. In Hobart arbeitet Fly Derwent an der Weiterentwicklung einer bestehenden Nachfragebasis: Das Unternehmen hat die Bestellung bereits verdoppelt und will nun 10 Fahrzeuge; außerdem prüft Fly Derwent gemeinsam mit Vessev die Fertigung von Vessev-Schiffen in Tasmanien. Solche lokalen Fertigungs- und Betriebsbezüge sind besonders wichtig, weil Betreiber neben Technik auch Genehmigungswege, Liegeplatzlogistik und Servicekapazitäten in ihre Wirtschaftlichkeitsrechnung einpreisen müssen.
Für den US-Fußabdruck reicht Vessev derweil nicht bloß „Marketing“: Der Startup hat den ersten US-Kunden gewonnen, mit Demonstrationen auf dem Lake Tahoe in Kalifornien noch in diesem Jahr. Dort dürfte die Kombination aus Sichtbarkeit der Technologie und klar definierbarer Streckencharakteristik helfen, um Leistungsversprechen wie Geschwindigkeit, Effizienz und Reichweite unter realen Bedingungen zu validieren. In der Führung begründet Eric Laakmann den Fokus auf Australien als Markt mit besonderer Dynamik. In den vorliegenden Aussagen sagt er, dass Australien mehr geplante Netze für elektrisches Hydrofoiling habe als jedes andere Land; auch die Nachfrage nach „quiet, efficient, sustainable and commercially practical“ Transportlösungen wird als Treiber beschrieben. Gleichzeitig verweist Laakmann darauf, dass die Finanzierung das Skalieren der Produktion und das schnellere Weiterbauen von Schiff und Technologie ermöglichen soll.
Auch Fly Derwent bringt einen konkreten Nutzungsfall in die Diskussion: Cameron McCulloch betont den Wunsch, mehr Communities in Hobart anzubinden und Tourismus zu unterstützen, und ordnet das Ganze in das Bild „low-impact transport“ ein, gestützt durch den Vorteil erneuerbarer Energien in Tasmanien. Auf Investorenseite positioniert Blackbird-Partner Phoebe Harrop Meadows Vessev als Beispiel für „Kiwi ingenuity“ und stellt heraus, dass die Kombination aus Foiling-Technologie und Software Betriebskosten senken sowie das Passagiererlebnis verbessern könne. Für Unternehmen und Betreiber ist das zentrale Signal dabei weniger die Herkunft einzelner Technologien als die Annahme, dass sich digitale Überwachung und standardisierte Flottenlogik mit einem neuartigen Antriebs- und Hydrodynamikansatz verknüpfen lassen.
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