TURIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die italienische Krisenbank Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) legt mit Banco BPM und Banca Generali gleich zwei Übernahmeangebote vor. Das Gebot für Banco BPM wird mit 25,3 Milliarden Euro beziffert, für Banca Generali kündigt MPS ein Paket im Volumen von 8,7 Milliarden Euro an. Zudem soll eine Sonderdividende von vier Milliarden Euro die MPS-Aktionäre beteiligen. Damit versucht der MPS-Chef Luigi Lovaglio nach eigenen Plänen, die drohende Übernahme durch Intesa Sanpaolo zu verhindern.

Die Ausgangslage ist ungewöhnlich klar: MPS versucht nicht nur, den strategischen Kurs in Richtung Wachstum zu drehen, sondern stellt zugleich die eigene Übernahme durch Intesa Sanpaolo infrage. Die einstige Krisenbank aus Siena legt dafür ein doppeltes Kaufangebot vor und setzt dabei ausdrücklich auf eigene Aktien als Finanzierungsmittel. Im Zentrum steht ein Paket, das laut Ankündigung rund 34 Milliarden Euro wert ist und den Konzernring über zwei Zielgesellschaften hinweg schließen soll.
Technisch betrachtet ist die Transaktionslogik vor allem kapitalmarktgetrieben: MPS bietet nicht bar, sondern in eigenen Aktien, um die Kaufpreise für Banco BPM und Banca Generali abzudecken. Banco BPM wird dabei mit 25,3 Milliarden Euro bewertet, während für Banca Generali ein Angebot über 8,7 Milliarden Euro auf den Tisch kommt. Für die Aktionäre von MPS ist entscheidend, wie sich diese Stückelung auf Bewertungslogik und Stimmberechtigungen auswirkt, denn der Plan sieht zugleich eine Sonderdividende vor, die die Eigentümer unmittelbar entlasten soll.
Ein weiterer Hebel ist die angekündigte Sonderdividende in Höhe von vier Milliarden Euro. MPS will diese Zahlung laut Plan teilweise aus Bargeld und teilweise aus Aktien des Versicherers Generali finanzieren, die der Bank aus Siena gehören. Damit verändert sich die Angebotsrechnung an zwei Stellen: Zum einen entsteht für Aktionäre ein Mix aus Liquidität und potenzieller Werthaltigkeit über Beteiligungswerte, zum anderen wird der Anteil an Generali-Aktien in eine neue Verwendungslogik überführt. Genau diese Konstruktion kann für die Zustimmung in der Eigentümerschaft relevant sein, weil sie die unmittelbaren Kosten der Strategie teilweise in eine Ausschüttung übersetzt.
Dass das Ganze unter Zeitdruck steht, hängt mit der Beteiligung von Intesa Sanpaolo zusammen, die MPS verhindern will. Luigi Lovaglio, der das Institut aus Siena führt, versucht nach Angaben aus dem Umfeld der Transaktion mit allen Mitteln, den Kontrollverlust an die Großbank abzuwenden. Bereits vor gut zwei Monaten hatte MPS selbst Intesa-Angebotslogik in Richtung des Marktes geöffnet, indem eine Offerte für MPS vorgelegt wurde, und auch der Versuch, eine Fusion auf Augenhöhe mit Banco BPM anzustoßen, ist gescheitert. Die jetzt adressierten Zielbanken und die gleichzeitige Eigentümeraktivierung deuten darauf hin, dass MPS den Deal nicht mehr nur als Investition betrachtet, sondern als taktisches Gegengewicht in einem Übernahmepoker.
Marktseitig ist besonders auffällig, dass MPS die Zustimmung nicht über den „normalen“ Hauptversammlungsmodus sucht, sondern eine außerordentliche Hauptversammlung ansetzt. Diese soll am 29. Oktober stattfinden, und die Anteilseigner sollen dem Vorhaben dort zustimmen. Damit wird das Timing zum wirtschaftlichen Faktor: Die Aktionäre sollen innerhalb eines begrenzten Zeitfensters zwischen der Risiko-Perspektive einer möglichen Gegenstrategie gegen Intesa und dem unmittelbaren Ausschüttungsversprechen abwägen. Solche Abstimmungsfenster sind in der Praxis oft entscheidend, weil sie die Finanzierung, die Struktur der Gegenleistungen und die rechtliche Umsetzung eng an konkrete Fristen koppeln.
Für die Branche ergeben sich daraus mehrere Implikationen. Erstens zeigt der Plan, wie schnell Banken bei gleichzeitiger Bedrohung durch einen Großinvestor die Kapitalstruktur und die Transaktionsarchitektur umbauen können, um Handlungsspielräume zu schaffen. Zweitens verknüpft MPS die Strategie zur Expansion mit einem Aktionärsmechanismus über Sonderdividenden und damit direkt mit der Unternehmensführung; das ist mehr als nur „Corporate Finance“, es ist eine Form von Eigentümerkommunikation. Daneben bleibt offen, wie Intesa Sanpaolo auf die Offensivschritte reagiert und ob der Markt die Bewertungsschritte für Banco BPM und Banca Generali als glaubwürdiges Gegenargument zur Übernahme akzeptiert. Bis zur Abstimmung am 29. Oktober dürfte sich in den Kursreaktionen vor allem widerspiegeln, ob die Kombination aus Akquisitionsangeboten und Ausschüttung die Eigentümerseite überzeugt.
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