SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Career-Expertin von LinkedIn beschreibt, warum viele Jobsuchende durch massenhafte Bewerbungen ins „Doomjobbing“ rutschen. Sie kritisiert, dass KI-Tools oft nur Texte erzeugen, die sich wie Standardprofile anfühlen. Stattdessen empfiehlt sie eine Strategie aus gezielter Vorauswahl, aktiver Vernetzung und messbaren Erfolgen. Entscheidend seien außerdem die Pflege von Soft Skills sowie bewusst geplante Pausen, um die Motivation stabil zu halten.

Doomjobbing stoppen: LinkedIn-Career-Expertin rät zu Strategie im Bewerbungsprozess
Doomjobbing stoppen: LinkedIn-Career-Expertin rät zu Strategie im Bewerbungsprozess (Foto: IT BOLTWISE)
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Wenn Bewerbungen gefühlt in einem endlosen Strom versickern, liegt das selten am reinen Zufall, sondern meist an einer unscharfen Vorgehensweise. In einem Gespräch mit der Career-Expertin Catherine Fisher, die bei LinkedIn tätig ist und in San Francisco arbeitet, wird genau dieses Problem adressiert: Viele Jobsuchende bewerben sich mittlerweile massenhaft und nutzen KI-Tools, um schneller Texte zu formulieren. Das steigert zwar die Anzahl der Versuche, senkt aber häufig die Wiedererkennbarkeit im Recruiting-Prozess. Gleichzeitig wählen Unternehmen nach Angaben im Umfeld der Diskussion selektiver aus, weil die Zahl ähnlich klingender Bewerbungen wächst.

Der Kern der Empfehlung lautet deshalb nicht „mehr bewerben“, sondern „besser eingrenzen“. Fisher rät, zunächst Parameter festzuzurren: Standort, Branche und die konkrete Rolle. Erst wenn klar ist, worauf man sich fokussiert, sollte das Profil die relevanten Kompetenzen sichtbar machen. Ein konkretes Beispiel in der Argumentation: Unternehmen suchen zunehmend nach „AI Literacy“, also einer grundlegenden Fähigkeit, KI-Umgebungen zu verstehen und sinnvoll einzusetzen. Statt nur zu hoffen, dass der Lebenslauf passt, wird vorgeschlagen, gezielt Wissenslücken zu schließen – etwa über kurze Online-Lernpfade, die sich mit der angestrebten Funktion verbinden lassen.

Daneben verschiebt sich der Schwerpunkt von der Bewerbung hin zur Beziehungspflege. Fisher betont, dass Networking nicht erst im letzten Moment beginnen sollte, sondern früh und kontinuierlich. Dabei geht es nicht um tägliche Abendessen, sondern um kleine, wiederholbare Schritte: Kommentare zu relevanten Beiträgen, das Reagieren auf Fachinhalte und das sichtbare Mitdenken. Wer die richtigen Kontakte in einer Zielbranche sucht, soll zudem nach „Second-Degree Connections“ schauen, also nach Personen, die mit einem bestehenden Bekanntenkreis verbunden sind. Wichtig ist auch die Art des Erstkontakts: Statt direkt nach einem Job zu fragen, sollen drei konkrete Fragen zu Rolle oder Branche gestellt werden und um eine kurze Zeitspanne gebeten werden – etwa um das Gespräch für 15 Minuten, und entsprechend eben auch eine kürzere Zusage für 30 Minuten, falls das Gegenüber flexibel ist. So wird der Einstieg leichter, weil der Nutzen für beide Seiten klarer wird.

Ein weiterer Hebel betrifft die Darstellung eigener Leistungen. Fisher rät, im Lebenslauf und im Profil messbare Erfolge stärker in den Vordergrund zu rücken und die allgemeine Rhetorik zu vermeiden, die Recruiter häufig in fast identischer Form sehen: „Ich habe ein Team geführt“ oder „Ich kommuniziere stark“. Entscheidend ist der Bezug zur Wirkung im Unternehmen. Wenn exakte Zahlen nicht verfügbar sind, geht es trotzdem darum, eine nachvollziehbare Geschichte zu erzählen: Welche Aufgabe lag vor, welche Schritte wurden unternommen, und welcher Effekt ergab sich daraus? Gerade in technischen Kontexten hilft das, Kompetenzen in Handlungsfähigkeit zu übersetzen – nicht nur in Schlagworte, sondern in Entscheidungen, Trade-offs und Ergebnisse, die der Leser rekonstruieren kann.

Auch Soft Skills dürfen laut Fisher nicht als „weicher“ Zusatz am Rand stehen. In der Begründung spielt Künstliche Intelligenz zwar eine Rolle, weil viele Rollen inzwischen Grundverständnis für KI erwarten. Gleichzeitig verweist die Expertin auf die menschlichen Fähigkeiten, die Recruiting-Entscheidungen oft erst rund machen: Kommunikation, Führung und die Fähigkeit, Zusammenarbeit strukturiert zu gestalten. Als Ansatz schlägt sie vor, gezielt Personen zu beobachten, die in dem gewünschten Bereich als Vorbild gelten. Wer deren Inhalte liest, verfolgt oder in Formaten ansieht, kann sich ein Muster erarbeiten, wie man Ideen verständlich strukturiert, wie man Verantwortung formuliert und wie man im Ton bleibt, auch wenn Themen komplex sind.

Ein Punkt, der im Bewerbungsalltag häufig untergeht, ist die mentale Belastung. Fisher empfiehlt keine feste Stundenzahl für das Bewerben, sondern Orientierung an der eigenen Motivation: Gibt es Aufgaben, die Energie geben, und andere, die dauerhaft entmutigen? Wer Networking als unangenehm empfindet, sollte vorab mit Personen aus dem eigenen Umfeld üben. Außerdem: Das Suchen kann schnell überwältigend werden, vor allem wenn es sich über den ganzen Tag zieht. Anstatt täglich „durchzudrücken“, sollen Zeiten zum Reset eingeplant werden – etwa mit einem Tag pro Woche für Lernziele oder einer monatlichen Verabredung, während im Alltag kleinere Interaktionen stattfinden. So bleibt die Aktivität planbar, und die emotionale Achterbahnfahrt durch lange Funkstille wird weniger stark.

Am Ende läuft alles auf eine Neubewertung des Erfolgs hinaus. Fisher stellt klar, dass ein „perfektes“ Zieljob-Szenario nicht immer innerhalb des gewünschten Zeitfensters gelingt. Dann hilft es, weniger an Jobtitel als an den Kompetenz- und Beziehungsaufbau zu denken. Erste Schritte können auch in Teilzeit, als befristeter Vertrag oder in Rollen erfolgen, die wie Übergänge wirken. Entscheidend ist, welche Fähigkeiten dabei entstehen, welche Netzwerke man erweitert und wie die nächste Bewerbung darauf aufbaut. Selbst wenn ein Angebot nicht sofort verlockend ist, empfiehlt die Expertin, Calls anzunehmen, um die eigene Story zu üben und Verbindungen zu vertiefen – denn genau diese Praxis reduziert die Distanz, die „doomjobbing“ oft erst erzeugt.


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