LONDON (IT BOLTWISE) – Lari Pittman treibt sein Serienwerk mit großformatigen Tableaus zwischen Ornament und politisch aufgeladener Ikonografie weiter voran. In „The Remedy of Analog Space & Time“ entsteht seit 2025 eine dichte Bildsprache ohne vorbereitende Skizzen, aufgebaut aus vielen Schichten Acryl- und Sprayfarbe. „Magic Realism“ führte 2024 im Long Museum in Shanghai mehr als 30 Arbeiten aus rund zwölf Jahren erstmals als umfassende Museumsschau in Asien zusammen. Der Fokus auf wiederkehrende Motive wie Schrift, Logos, Pflanzen und Stadtansichten zeigt, wie Pittman Identität und gesellschaftliche Ordnung seriell hinterfragt.

Lari Pittman ist weniger für einzelne „Hauptwerke“ bekannt als für die Konsequenz, mit der er sein Serienprinzip als Denkform ausarbeitet. Seit den frühen 1980er-Jahren verknüpft der Maler aus Los Angeles dichte Ornamentik mit Ikonografie, die sich nicht auf Dekoration reduzieren lässt. Wer seine Werkgruppen zusammen betrachtet, merkt schnell: Die Oberfläche wirkt gleichzeitig wie ein visuelles Archiv und wie ein Experimentierfeld. In dieser Spannung liegt der Kern seines Ansatzes – Ornament ist bei ihm nicht Schmuck, sondern Träger von Bedeutung, häufig bis zur politischen Schärfe aufgeladen.
Besonders greifbar wird das in „The Remedy of Analog Space & Time“. Laut Angaben zur Werkgruppe verdichtet Pittman seit 2025 Schriftzüge, Logos, Pflanzenmotive und architektonische Fragmente zu großformatigen Tableaus, die wie Kartenblätter funktionieren: nicht als Abbild einer realen Stadt, sondern als Verdichtung städtischer Erfahrung. Ein zentrales Gemälde aus dieser Serie wird mit einem Format von rund 244 x 203 Zentimetern beschrieben. Bemerkenswert ist dabei die Arbeitsweise: Die Kompositionen entstehen ohne vorbereitende Skizzen, und der Bildaufbau erfolgt direkt auf der Fläche.
Technisch betrachtet ist das vor allem eine Frage von Schichtung und Kontrolle. Pittman arbeitet in einem bewusst analogen Verfahren und legt zahlreiche Lagen aus Acryl- und Sprayfarbe übereinander. Erst diese wiederholte Überarbeitung macht die charakteristische Tiefenwirkung möglich, die so viele seiner Bilder prägt – Text, Ornament und Figurenfragmente greifen dabei ineinander, statt sauber getrennte Ebenen zu bilden. Dass Zwirner die Arbeiten in diesem Zusammenhang als Übersetzung der sozialen Komplexität des Alltagslebens in Los Angeles beschreibt, passt ins Bild: Die Serie versucht offenbar nicht, „Realität“ abzubilden, sondern ihr Gewimmel, ihre Vielfalt und ihre widersprüchlichen Bedeutungen in eine dichte, fast kartografische Bildsprache zu überführen.
Auch „Magic Realism“ lässt sich als serielle Erweiterung lesen, nur mit anderer Gewichtung. In dieser Werkgruppe verschränken sich Realismus, Fantastik und politisches Bewusstsein. Für die Wahrnehmung dieser Entwicklung war die Schau „Magic Realism“ im Long Museum in Shanghai 2024 zentral: Dort wurden über 30 Gemälde und Arbeiten gezeigt, die über etwa zwölf Jahre entstanden sind. Kuratiert wurde die Ausstellung von Rochelle Steiner. Wichtig ist dabei weniger die reine Größe als die dramaturgische Entscheidung, mehrere Serien in einen direkten Dialog zu stellen – darunter „Thought-Forms“ (2012) und „Nocturnes“ (2015) sowie jüngere Arbeiten wie „Sparkling City With Egg Monuments“ (2023).
Die Idee des Dialogs zeigt sich auch in den wiederkehrenden Motiven, die Pittman nicht abarbeitet, sondern neu kombiniert. Eier, tropische Pflanzen, Architekturen und typografische Elemente tauchen in verschiedenen Kontexten auf und verändern dabei ihre Funktion: mal wirken sie wie visuelle Markierungen, mal wie Chiffren. Daneben entwickeln seine Stadtansichten eine besondere Lesart. Sie verknüpfen dichte Stadtlandschaften mit Symbolfiguren und grafischen Markierungen, die an Werbegrafik, Volkskunst und digitale Interfaces erinnern. Entscheidend ist, dass Pittman diese Codes seriell einsetzt, um Vorstellungen von Identität, Begehren und gesellschaftlicher Ordnung zu hinterfragen – nicht als direkten Kommentar, sondern als irritierende Mischung aus vertrauten Zeichen und neuen Bedeutungsrichtungen.
Dass das in der Praxis funktioniert, hängt an den Materialien. Pittman ist vor allem als Maler auf großformatigen, mit Gesso grundierten Holzpanelen bekannt. Auf dieser Grundlage überarbeitet er Acryl- und Sprayfarbe in vielen Schichten. Laut Beschreibung aus der begleitenden Kontextlieferung verzichtet er dabei auf vorbereitende Skizzen und entwickelt die komplexen Kompositionen unmittelbar auf der Bildfläche. Gleichzeitig existiert parallel ein weiteres Arbeiten auf Papier und in kleineren Tableaus, sichtbar auf den Seiten der Galerie, die Serien mit Lack, Collageelementen und fein gesetzten Linienstrukturen dokumentieren. Der Materialmix trägt offenbar dazu bei, dass die formalen Variationen trotz wiederkehrender Bildbausteine hoch bleiben – Ornament ist damit nicht nur Thema, sondern auch Prozess.
Über den konkreten Werkbestand hinaus zeigt das Serienkonzept auch, wie Ausstellungen die Rezeption steuern. Eine Museumsschau, die viele Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen zusammenführt, macht sichtbar, dass Pittmans Serien nicht „Chronologie“ abbilden, sondern „Variationen“ in einer fortlaufenden Fragestellung. In diesem Sinne passt die Einordnung, dass „Magic Realism“ als erste umfassende Museumsschau in Asien beschrieben wurde und institutionelle Neuerwerbungen des Hauses mit Leihgaben kombiniert haben soll. Für Sammlerinnen und Sammler sowie für Kuratorinnen und Kuratoren ist das relevant, weil solche Zusammenstellungen erkennen lassen, wie Pittman politische und persönliche Motive an ornamentale Überfülle bindet – und wie er dabei eine Spannung erzeugt, die zwischen dekorativer Fülle und analytischer Präzision oszilliert.
Interessant ist daneben der mediale Kontext des aktuellen Beitrags: Der Text wurde als „a.i.-gestützt“ beschrieben und anschließend redaktionell geprüft. Das unterstreicht, wie sich auch in der Kunstberichterstattung KI-gestützte Textproduktion als Infrastruktur etabliert. Für das Publikum bedeutet das weniger, dass sich die Kunst selbst verändert, sondern dass die Zugänge – etwa über strukturierte Zusammenfassungen von Serien, Motiven und Ausstellungskontexten – schneller entstehen können. Für die weitere Einordnung bleibt dennoch der eigentliche Prüfstein: Wie konsistent die Serienmuster beim Anschauen wirken, wie stark die Schichtung der Farbflächen im Detail trägt, und ob die Kombination aus Schrift, Pflanzen und Stadtfragmenten tatsächlich mehr ist als ein dekoratives Vokabular. Genau diese Frage treibt Pittman seit Jahrzehnten an – und seine aktuellen Werkgruppen liefern dafür erneut belastbare Anhaltspunkte.
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