SÜDKOREA / LONDON (IT BOLTWISE) – Almonty hat den Start der Erzverarbeitung im Wolfsram-Projekt Sangdong in der Provinz Gangwon bestätigt. Das Unternehmen verarbeitet dabei bereits geliefertes Roherz aus Lagerbeständen und markiert damit den Übergang von der Bau- in die Durchsatzphase. Parallel genehmigt der Vorstand ein Aktienrückkaufprogramm mit bis zu 300 Millionen US-Dollar Volumen. Für Anleger verschiebt sich zudem der Handelsfokus weiter Richtung Nasdaq, nachdem frühere Börsenplätze ab Ende August auslaufen.

Der operative Betrieb rückt bei Almonty deutlich näher an die tatsächliche Förderleistung heran: Das Unternehmen berichtet, dass die Erzverarbeitungsanlage am Wolframstandort Sangdong in der südkoreanischen Provinz Gangwon im Juli den Start der Durchsatzverarbeitung aufgenommen hat. In der Praxis bedeutet das, dass nicht nur gebaut und getestet wurde, sondern dass Roherz aus bereits gelieferten Beständen tatsächlich in den Prozess zur weiteren Aufbereitung eingespeist wird. Damit wird ein zeitlicher Bruch zwischen Lieferlogistik und Anlagenbetrieb sichtbar, der in Rohstoffprojekten häufig vorkommt, wenn Lagerkapazitäten als Puffer genutzt werden, um stabile Produktionszyklen zu erreichen.
Damit der Takt stimmt, braucht die Anlage zwar technische Reife, aber auch eine saubere Materialbasis: Laut einer Einordnung des Analysehauses GBC AG begann die Verarbeitungsphase im Juli, nachdem die Anlage so weit war, den kontinuierlichen Durchsatz aufzunehmen. Die erste Erzlieferung an den Standort war bereits im Dezember 2025 erfolgt. Zwischen Dezember und Juli lag damit ein mehrmonatiger Zeitraum, in dem Roherz in Beständen aufgebaut wurde, bevor die Anlage den Betrieb hochfuhr. Diese Abfolge hilft, Produktionsunterbrechungen zu reduzieren, sie verschiebt aber zunächst auch den Zeitpunkt, an dem sich Lagerbestandsbewegungen und reale Prozessausbeute in den Quartalszahlen widerspiegeln.
Finanziell fällt die Nachricht in eine Phase, in der Almonty nach eigenen Angaben deutlich besser dasteht als vor einem Jahr. Für das zweite Quartal 2026 nennt das Unternehmen einen Umsatz von 43,0 Millionen US-Dollar, das entspricht einem Plus von 498 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Unter dem Strich steht ein Nettogewinn von 181,8 Millionen US-Dollar nach einem Verlust von 58,2 Millionen US-Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Als zentraler Treiber wird vor allem der starke Preisimpuls bei Wolfram genannt, der in der Regel direkt auf die Erlösseite wirkt, weil sich die Mineral- und Metallpreise häufig schneller im Umsatz als in der physischen Produktionsmenge niederschlagen.
Mit der operativen Fortschrittsmeldung koppelt Almonty zudem eine Kapitalmaßnahme: Am Montag, dem 24. August, startet ein vom Vorstand genehmigtes Rückkaufprogramm für bis zu 14,4 Millionen Stammaktien, was rund fünf Prozent der zum 14. August ausstehenden Aktien entspricht. Für diese Rückkäufe stehen bis zu 300 Millionen US-Dollar bereit; das Programm soll bis August 2029 laufen. Der Rückkauf soll über die Nasdaq oder über alternative Handelssysteme erfolgen. Solche Volumina sind für den Markt deshalb relevant, weil sie in der Regel nicht nur die Aktienkurswahrnehmung stützen, sondern auch die Frage berühren, wie das Management die eigene Kapitalstruktur mittelfristig ausrichten will.
Interessant ist dabei die zeitliche Nähe zu anderen Finanzierungs- und Liquiditätsthemen. Almonty hatte zuletzt eine überzeichnete Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar platziert und zudem einen Kassenbestand von 1,2 Milliarden kanadischen Dollar ausgewiesen. Vor gut einem Monat hatte das Unternehmen einen Kredit der KfW vollständig zurückgezahlt; seitdem habe die Aktie rund 21,3 Prozent an Wert verloren. Dass nun der Rückkauf startet, wird von Anlegern typischerweise als Signal gelesen, dass das Management das aktuelle Bewertungsniveau für nicht angemessen hält. Unabhängig von dieser Lesart unterstreicht das Gesamtpaket aus Liquidität, Finanzierung und Rückkauf, wie stark der operative Anlauf im Bergbau mit Kapitaldisziplin und Marktkommunikation verwoben ist.
Auch die Handelsarchitektur verändert sich parallel: Nach dem Delisting von der Toronto Stock Exchange Ende Juli sollen die CHESS Depositary Interests an der australischen Börse zum Handelsschluss am 28. August eingestellt werden; das vollständige ASX-Delisting wird für den 1. September erwartet. Für Marktteilnehmer verschiebt sich damit der Schwerpunkt weiter auf die Nasdaq, während die Projektstory weiterhin über Sangdong an Substanz gewinnt. Technisch und organisatorisch heißt das: Investoren, die ihre Positionen aktiv managen oder kurzfristige Liquidität nutzen, müssen Orderwege und Handelszeiten neu ausrichten, während Almonty wiederum seine Investor- und Analystenkommunikation stärker auf die Börsenmechanik in einem Standort konzentriert.
Für die weitere Bewertung der Aktie dürfte entscheidend sein, wie sich der Übergang von der Bauphase zur Durchsatzverarbeitung in messbare Kennzahlen übersetzt: Nicht jeder Projektfortschritt fällt sofort in Umsatz und Ergebnis, weil Anlaufkurven, Materialverfügbarkeit und Prozessstabilität Zeit brauchen. Gleichzeitig schafft die Kombination aus Rekord-Erlöserwartung durch Wolframpreise und dem Rückkaufprogramm ein Umfeld, in dem das Management aktiv an der Marktwahrnehmung arbeitet. Wenn die Verarbeitung die geplanten Durchsatzraten stabilisiert und die Preisvolatilität weniger stark durchschlägt, könnte der Markt den operativen Teil des „Sangdong-Takts“ künftig stärker in die Bewertung einpreisen als bisher. Für Unternehmen und Investoren mit Rohstofffokus bleibt damit vor allem die Frage: Wann folgt dem Produktionsstart die wiederkehrende Ertragskraft – und wie robust ist sie gegenüber Preisschwankungen?
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