LONDON (IT BOLTWISE) – Der Kardiologe Eiman Jahangir erzählt in seinem Buch, wie ihn ein MoonDAO-Spendenprojekt schließlich doch nach oben brachte. Der Flug mit Blue Origin am 29. August 2024 dauerte laut Schilderung 10 Minuten und 8 Sekunden. Jahangir erreichte die Grenze zum Weltraum über der Kármán-Linie und beschreibt den Blick auf die Erde als prägendes Erlebnis. Gleichzeitig zeigt sein Weg, wie lange Vorbereitungszeiten und Community-Mechaniken Träume in eine reale Mission verwandeln können.

Arzt Eiman Jahangir fliegt mit Blue Origin: der erste iranisch-amerikanische Mediziner im All
Arzt Eiman Jahangir fliegt mit Blue Origin: der erste iranisch-amerikanische Mediziner im All (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Weg von Eiman Jahangir ins All beginnt nicht mit einem Raketenstart, sondern mit Jahren voller Enttäuschungen. Der Kardiologe wurde in einer Kriegszeit in Teheran geboren und zog mit vier Jahren in die USA; aufgewachsen ist er in Nashville, Tennessee. Schon als Kind verband er den Wunsch, Arzt zu werden, mit dem Ziel, irgendwann selbst in den Weltraum zu reisen. In seiner Autobiografie A Heart for Space: An Astronaut’s Guide to Achieving the Impossible beschreibt er dabei besonders eindrücklich, wie lange es gedauert hat, bis sein Zugang zu einer großen Raumfahrtchance überhaupt wieder offen wurde.

Technisch betrachtet ist sein Flug zwar ein kommerzielles Unterfangen, aber die eigentliche Innovation liegt in der Kombination aus Missionszugang, Community-Finanzierung und der Rolle, die ein ziviler Pilotenkörper übernehmen kann. Jahangir schildert, dass zunächst kein direkter Einstieg über die klassische NASA-Pipeline gelang: Er habe 2017, 2021 und 2025 jeweils nicht einmal die Interviewstufe erreicht. Den Ticket-Knick für seinen Weg liefert schließlich MoonDAO, eine Gruppe von Menschen, die online Spenden sammelte, um einen Platz für eine Reise ins All zu erwerben. Innerhalb eines Monats seien genug Mittel zusammengekommen, um zwei Sitze auf Blue Orign’s New Shepard zu kaufen; der erste Platz ging an den ausgewählten Medien-Influencer Coby Cotton, der am 4. August 2022 flog, während der zweite Platz später über eine Verlosung vergeben werden sollte.

Gerade diese Verzögerung macht einen Kernpunkt seines Berichts aus: Ein Raumfahrttraum ist nicht nur eine Frage von Technik, sondern auch von Timing, Bedingungen und Zufall. Jahangir erklärt, dass der erste Verlosungsgewinner seinen Flug nicht antreten konnte, sodass MoonDAO den Prozess neu aufsetzen musste. Über ein Jahr hinweg blieb unklar, wann der zweite Platz tatsächlich besetzt würde; er nutzte die Zeit, um sich in die Community einzubringen und Kontakte zu knüpfen, ohne dabei den Glauben an seine eigene Chance ganz zu verlieren. Erst Ende 2023 wurde erneut ausgelost. Dann saß er mit Frau und Kindern am Küchentisch und verfolgte die Ziehung von zehn Tickets, bei der sein Platz zunächst nicht aufgerufen wurde – wie ein Countdown von 10 bis 1, der in diesem Moment jedoch nicht zu seinem Ergebnis führte.

Der entscheidende Wendepunkt fällt für Jahangir dann in einen sehr konkreten Alltag: Am 8. April 2024, auf dem Rückweg von Bloomington, Indiana, nach dem gemeinsamen Erlebnis einer totalen Sonnenfinsternis, erhielt er eine Nachricht auf dem Telefon von Pablo Moncada-Larrotiz aus dem MoonDAO-Umfeld. In dem Bericht heißt es, es sei nicht lange um den Rahmen gegangen; Jahangir habe beim Anruf direkt erfahren, dass er den Sitz gewonnen habe. Umso intensiver wird die unmittelbare Reaktion geschildert: Er informierte seine Frau und lief anschließend zu seinem Bruder, um die Nachricht direkt weiterzugeben. Von diesem Moment bis zum Flug am 29. August 2024 seien es laut seiner Darstellung vier Monate gewesen – genug Zeit, um den Traum immer wieder gegen den Zweifel abzugrenzen, dass sich eine Teilnahme jederzeit noch ändern könne.

Am Starttag wird die technische Erfahrung dann sehr greifbar, ohne dass der Bericht in bloße Zahlen abdriftet. Jahangir beschreibt, wie er zunächst am Astronaut Training Center den Ablauf mit dem Team bespricht und anschließend mit dem Aufzug zur Rampe fährt. Beim Einstieg in die Crew-Kapsel, im von ihm genannten Seat 6, setzt der Bericht auf Körperwahrnehmung: Sein Herz habe schnell geschlagen, der Atem sei hastig geworden – nicht aus Angst vor dem Rocket-Setting, sondern aus Vorfreude. Als später die Mission Control „go“ gegeben habe, beginnt der Countdown, und wenig später startet die Mission in den von ihm beschriebenen Moment der „Ignition“. Beim Antrieb spürt er den Schub über die kurze Phase bis zur ausreichenden Beschleunigung; seine Erinnerung verknüpft die Lautstärke, den orangefarbenen Schein und die Tatsache, dass die Beschleunigung für ihn überraschend „smooth“, aber deutlich schnell ist. Er nennt dabei als Geschwindigkeit 2.238 Meilen pro Stunde und schildert den Abstieg der Erde in seiner Perspektive, während die Altimeter-Zeit den Aufstieg begleitet.

Im Kern seines Raumfahrt-Erlebnisses steht für Jahangir die Schwelle zwischen Atmosphäre und Raum. Er setzt in der Schilderung Marker wie 30.000 Fuß und 100.000 Fuß als Vergleich zu typischen Flugrouten, bevor die bläuliche Schicht des Himmels für ihn „plötzlich“ in die schwarze Weite übergeht. Die Mission erreiche dabei 342.314 Fuß, was er als 104 Kilometer angibt – also oberhalb der Kármán-Linie, der international anerkannten Grenze des Weltraums bei 100 km. Danach, in der Schwerelosigkeit, löst er den Sicherheitsgurt und floatet Richtung Decke; er lässt einen selbst gehäkelten „zero-g indicator“ in Form eines Herzens schweben. Besonders bildhaft ist seine Beschreibung des Lichts der Erde: Das „earthlight“ sei für ihn heller und intensiver gewesen als alles, was er erwartet habe, in Analogie zu einer Erinnerung an Dr. Sian Proctor von Inspiration4. Gleichzeitig bleibt der Kontrast stark – oben dominiere ein tiefes Schwarz, das er mit „wie in einen Tintenfass“ vergleicht. Am Ende fasst er die Dauer der gesamten Flugzeit mit 10 Minuten und 8 Sekunden zusammen: zu kurz, um die Details des Universums auszukosten, aber lang genug, um eine persönliche Perspektive dauerhaft zu verändern.

Aus Industrie- und Markt-Sicht zeigt der Bericht, wie stark sich kommerzielle Suborbitals vom reinen Technikdemo-Charakter lösen und zugleich die Breite der Teilnehmerprofile erweitern. Für die Raumfahrt-Ökonomie bedeutet das: Zugangsmodelle über Communities und Verlosungen schaffen neue Formen von Aufmerksamkeit, aber sie produzieren auch reale Betriebsdaten und Trainingsroutinen für unterschiedliche Menschenrollen – vom zivilen Passagier bis zum medizinisch geprägten Blick auf Gesundheit, Stress und Körperreaktionen. Jahangir ordnet das in seiner Logik als „neuen Traum“ nach dem Flug ein: Er will seine Erfahrung nutzen, um Kinder und Erwachsene zu motivieren, schwierige Ziele konsequent anzugehen. Gerade deshalb wirkt die Mission nicht wie ein Ende, sondern wie der Start einer zweiten Karrierephase – nur eben mit dem ungewöhnlichen Vorteil, dass er den Weg über rund zwei Jahrzehnte Planungsarbeit und mehrere Rückschläge hinweg bis in eine echte Schwerelosigkeit geschafft hat. Sein Buch soll am 25. August 2026 verfügbar sein; der konkrete Erlebnisbericht bleibt dabei vor allem eines: eine nachvollziehbare Brücke zwischen persönlicher Biografie und einer klar datierten, technischen Suborbitalreise.


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