LONDON (IT BOLTWISE) – POET Technologies meldet für das zweite Quartal 2026 ein starkes Plus: Die Erlöse steigen um 112 Prozent auf knapp 570.000 US-Dollar. Gleichzeitig sinkt der Nettoverlust auf 11,3 Millionen US-Dollar. Mit einem strategischen Lieferabkommen mit Lumilens sichert sich der Photonik-Spezialist potenzielle Abnahmen von bis zu 500 Millionen US-Dollar. Für den weiteren Hochlauf sind bereits Investitionen und ein Produktionsziel von einer Million optischen Engines pro Monat bis Ende 2027 im Blick.

POET Technologies baut den Weg Richtung Serienproduktion spürbar aus – und die jüngsten Quartalszahlen liefern dafür die finanzielle Bodenhaftung. Für das zweite Quartal 2026 weist das Unternehmen Erlöse von knapp 570.000 US-Dollar aus, was einem Anstieg von 112 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Interessant ist dabei vor allem die Glättung im Zeitverlauf: Es ist das sechste Quartal in Folge, in dem POET Wachstum gegenüber dem jeweils vorangegangenen Dreimonatszeitraum meldet. Parallel dazu verkleinert sich die Ergebnisbelastung spürbar, denn der Nettoverlust sinkt auf 11,3 Millionen US-Dollar (0,07 US-Dollar je Aktie) nach 12,3 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 und 17,3 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal.
Der operative Kern der Entwicklung liegt in dem Schritt von Forschung zur Produktreife. POET beschreibt, dass die Forschungs- und Entwicklungskosten auf 5,8 Millionen US-Dollar steigen, aber mit Blick auf den geplanten Übergang von der Technologieentwicklung hin zur kommerziellen Umsetzungsfähigkeit einzuordnen sind. Solche Phasenverschiebungen sind in der Photonik häufig der Engpass: Aus Laborresultaten wird erst dann planbare Stückzahlproduktion, wenn Ausbeute, Prozessstabilität und Testabdeckung im Fertigungsmaßstab zusammenpassen. Zusätzlich zu den finanziellen Kennzahlen nennt POET einen Auftrag über 2,4 Millionen US-Dollar von einem Bestandskunden nach Abschluss des zweiten Quartals sowie eine Vereinbarung mit einem Tier-1-Laserhersteller zur Entwicklung einer externen Lichtquellen-Einheit. Damit verbindet das Unternehmen die Wertschöpfung über zentrale Subsysteme, statt nur einzelne Module zu liefern.
Die strategische Reichweite der Skalierung wird durch das neue Lieferabkommen mit Lumilens unterstrichen. Der im Mai abgeschlossene Rahmenvertrag sieht über mehrere Jahre kumulierte Abnahmen im Wert von bis zu 500 Millionen US-Dollar vor. Konkret nennt POET einen ersten Festauftrag in Höhe von 50 Millionen US-Dollar für auf Optical Interposer basierende Engines. Technisch ist der Optical Interposer dabei mehr als ein Bauteil: Er ist ein strukturierendes Element, das optische Funktion und elektrische Anbindung im Systemverbund effizienter macht, weil er Schnittstellen, Signalkopplung und Layout-Integration in einem Baustein zusammenführen kann. Genau solche Integrationsdetails entscheiden später darüber, ob sich die Produktionskosten wirklich senken lassen – oder ob in der Serienfertigung wieder zusätzliche Anpassungen nötig werden.
Für das Marktbild nennt das Management über zehn aktive Kundenprojekte. Die Erwartung: Daraus sollen perspektivisch jährlich wiederkehrende Umsatzerlöse von über 100 Millionen US-Dollar entstehen. Außerdem plant POET den weiteren Rollout nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch: Auf der Hauptversammlung am 26. Juni wurde entschieden, den Unternehmenssitz vorerst nicht in die USA zu verlegen. In der Praxis hat so ein Schritt zwar keinen direkten Effekt auf Photonik-Parameter wie Kopplungswirkungsgrad oder Testdurchsatz, kann aber die Planbarkeit für Personal, Lieferketten und vertragliche Strukturen beeinflussen – gerade, wenn Hochlaufprogramme über mehrere Quartale laufen. Parallel dazu treibt POET die Partnerschafts- und Entwicklungsarbeit voran, etwa durch die genannte Laser-Lichtquellen-Einheit, die für optische Engines im Zusammenspiel mit dem Gesamtsystem entscheidend sein dürfte.
Auch die Kosten- und Cashflow-Seite bleibt ein zentrales Thema, denn Serienproduktion verlangt Kapital nicht erst am Ende, sondern schon während der Ramp-up-Phase. Für das späte Jahr 2026 nennt POET Investitionen von rund 50 Millionen US-Dollar für Produktionsanlagen. Ergänzend könnten Optionsscheine dem Unternehmen weitere hunderte Millionen US-Dollar zuführen, falls sie ausgeübt werden. Um die Umsetzung des Hochlaufs operativ zu tragen, soll die weltweite Belegschaft um etwa 50 Mitarbeiter aufgestockt werden. Solche Personalaufstockungen sind typischerweise nicht nur „zusätzliche Köpfe“, sondern zielen auf konkrete Rollen wie Fertigungsengineering, Testautomatisierung, Supply-Chain-Planung und Qualitätsmanagement. Am Markt zeigt sich die Erwartung an diese Phase bereits im Kursbild: Das Papier notiert an diesem Montag bei 7,08 Euro, etwa 1,4 Prozent über dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage von 6,98 Euro; das 52-Wochen-Tief aus dem November liegt damit hinter dem Unternehmen.
Für 2026 und darüber hinaus setzt POET auf einen klaren Zeit- und Kapazitätsrahmen. Der Hochlauf der Produktion für optische Engines ist für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen, bis Ende 2027 peilt das Unternehmen eine Kapazität von einer Million Einheiten pro Monat an. Entscheidend wird dabei, wie schnell die Fertigungsprozesse die nötige Ausbeute erreichen und wie belastbar die Lieferkette bleibt, wenn Rahmenverträge wie der mit Lumilens in konkrete Stückzahlen übersetzt werden. POET hat laut eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt 830 Millionen US-Dollar an Eigenkapital aufgenommen, um diesen Ausbau zu finanzieren. Wer die Branche der optischen und photonikgetriebenen Komponenten verfolgt, weiß: Der Übergang in die Serienfertigung ist oft der Moment, in dem sich Entwicklungsrhythmen, Produktionszyklen und Kundenabnahmepläne erstmals wirklich messen lassen – und genau dort entscheidet sich, ob Skalierung nur „geplant“ ist oder tatsächlich funktioniert.
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