WIESBADEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Im vergangenen Jahr haben Finanzverwaltungen in Deutschland so viel Erbschaft- und Schenkungsteuer festgesetzt wie noch nie zuvor. Das Statistische Bundesamt nennt 21,4 Milliarden Euro, 60,8 % mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden laut Statistik 141,1 Milliarden Euro Vermögen über Erbschaften und Schenkungen übertragen, 23,1 % mehr. Besonders auffällig ist der starke Anstieg bei Betriebsvermögen-Übertragungen.

Die Steuerlandschaft rund um Erbschaft und Schenkung bekommt wieder mehr Volumen ins Blickfeld: Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr so hohe Beträge an Erbschaft- und Schenkungsteuer festgesetzt wie noch nie zuvor. In der Meldung aus Wiesbaden heißt es, dass die Finanzverwaltungen insgesamt 21,4 Milliarden Euro festgesetzt hätten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 60,8 %. Für Steuerverantwortliche in Unternehmen und für Familien, die Vermögen strukturieren, ist vor allem interessant, dass es sich dabei nicht um eine bloße Einnahmenbilanz handelt, sondern um die Höhe der Steuerfestsetzungen, also um den Zeitpunkt, an dem Finanzämter den Steuerbetrag verbindlich festlegen.
Technisch betrachtet hängt die Aussagekraft solcher Statistiken davon ab, welche Vorgänge in die Zählung einfließen. Das Statistikamt stellt klar, dass die Statistik nur Erbschaften und Schenkungen abbildet, bei denen eine Steuer fällig wurde. Die allermeisten Vermögensübergänge lägen innerhalb von Freibeträgen und seien damit nicht enthalten. Genau dieser Mechanismus erklärt, warum der Anstieg der festgesetzten Steuer deutlich stärker wirken kann als die Entwicklung der gesamten übertragenen Vermögenswerte: Wenn mehr Fälle steuerpflichtig werden oder die zugrunde liegenden Bemessungsgrundlagen höher ausfallen, steigen Festsetzungen überproportional.
Ein weiterer Treiber wird in der Meldung ausdrücklich genannt: Die im Vorjahresvergleich höheren Veranlagungen beruhen unter anderem auf vermehrten Vermögensübertragungen von Betriebsvermögen in Höhe von 25,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 19 %. Betriebsvermögen ist in der Praxis häufig der Teil des Nachlasses, bei dem Bewertungsfragen und die Abgrenzung zu anderen Vermögensarten besonders stark ins Spiel kommen. Wenn solche Übertragungen zunehmen, kann das nicht nur die Bemessungsgrundlage verändern, sondern auch dazu führen, dass mehr Fälle die Schwellen erreichen, ab denen eine Steuerfestsetzung überhaupt statistisch sichtbar wird.
Parallel dazu liefert die Veröffentlichung auch Zahlen zur Breite der übertragenen Vermögenswerte: Für 2025 weist die Statistik Vermögen in Höhe von 141,1 Milliarden Euro aus, das durch Erbschaften und Schenkungen übertragen wurde. Das ist nach Angaben des Bundesamts ein Anstieg um 23,1 % im Jahresvergleich. Beim Blick auf die einzelnen Steuerarten zeigt sich außerdem eine unterschiedliche Dynamik: Die festgesetzte Erbschaftsteuer lag im vergangenen Jahr bei 13,3 Millionen Euro, was laut Meldung einem Anstieg von 57,1 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Schenkungsteuer wird für 2025 mit 8,1 Millionen Euro beziffert, ebenfalls deutlich höher als im Vorjahr: +67,3 %. Zudem heißt es, dass die Schenkungsteuer seit 2019 durchgängig zugenommen habe und sich allein im Vergleich zu 2023 fast verdoppelt habe.
In der Markt- und Unternehmensrealität übersetzt sich diese Entwicklung in eine klarere Planungsaufgabe: Je mehr Vermögen übertragen wird und je größer der Anteil, der aus Betriebsvermögen besteht, desto stärker müssen steuerliche Gestaltung, Bewertungsunterlagen und Fristenmanagement zusammenspielen. Das gilt besonders für Familienunternehmen, bei denen Eigentums- und Unternehmensnachfolge häufig gekoppelt auftreten. Auch für Steuerberater bedeutet die Statistik, dass die Fälle mit steuerlich relevanten Bemessungsgrundlagen wieder stärker zunehmen könnten, während der Anteil der steuerfreien Übergänge relativ betrachtet weiter hoch bleiben dürfte. Für die operative Arbeit heißt das: Mehr Detailtiefe bei Nachweisen, nachvollziehbarere Dokumentation und ein engeres Zusammenwirken zwischen Gesellschaftsrecht, Unternehmensbewertung und Steuerrecht.
Abschließend lohnt sich ein Blick darauf, wie die zeitliche Logik hinter „festgesetzt“ und „eingezahlt“ wirkt. Laut Meldung legen die Finanzämter bei einer Steuerfestsetzung die Höhe der Steuer verbindlich fest, als Steuereinnahmen gehen die Beträge dann später ein. Die Statistik beschreibt damit den verwaltungstechnischen Schritt, nicht zwingend die Liquiditätswirkung im gleichen Kalenderjahr. Für Entscheidungsträger ist das eine wichtige Differenzierung, weil sie verhindert, dass man die Zahlen zu Einnahmen- und Budgeteffekten vermischt. Genau deshalb sind solche Veröffentlichungen für die Einschätzung von Trends wertvoll: Sie zeigen, in welchem Umfang Finanzverwaltungen Fälle veranlagen, bei denen tatsächlich Steuern fällig werden, und damit, wo der praktische Handlungsdruck in der Nachfolgeplanung voraussichtlich am größten ist.
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