LONDON (IT BOLTWISE) – Home Depot hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Börse übertroffen, aber ein wesentlicher Teil des Gewinns kommt aus einer Zollrückerstattung. Der Umsatz stieg um 5,7 Prozent auf 47,86 Milliarden US-Dollar, während das bereinigte Ergebnis je Aktie um 5,1 Prozent zulegte. Technisch betrachtet zeigt das Management zugleich, dass die strukturellen Fortschritte vor allem aus dem Online-Geschäft und dem Pro-Bereich stammen. Entscheidend bleibt, ob das „kleinere Reparaturen“-Geschäft bei weiterhin schwachem US-Häusermarkt dauerhaft das klassische Umbaugeschäft ausgleichen kann.

Home Depot liefert dem Markt ein widersprüchliches Signal: Auf der einen Seite stehen solide Kennzahlen, die im zweiten Quartal die Erwartungen der Wall Street deutlich übertrafen. Auf der anderen Seite macht das Unternehmen selbst klar, dass die Optik durch einen einmaligen Sondereffekt geprägt ist. Der Umsatz legte um 5,7 Prozent auf 47,86 Milliarden Dollar zu, die vergleichbaren Umsätze stiegen um 1,7 Prozent, und das bereinigte Ergebnis je Aktie kletterte um 5,1 Prozent auf 4,92 Dollar. Gerade diese Kombination – Wachstum in der Fläche plus eine starke Ergebniswirkung – erklärt, warum das Management zwar die Jahresprognose bestätigte, aber nicht anhob.
Die eigentliche Brücke zwischen Quartalsboom und Ergebnis steht im Detail der Zollrückerstattung. Im Juni erhielt Home Depot eine Erstattung von 730 Millionen Dollar aus zuvor gezahlten Einfuhrzöllen, nachdem das Oberste Gericht der USA mehrere Zollsmaßnahmen der Regierung Trump für nichtig erklärt hatte. Von den 730 Millionen Dollar reduzierten 685 Millionen direkt die Herstellungskosten bereits verkaufter Waren; weitere 45 Millionen verblieben zunächst im Lagerbestand und schlagen zeitlich versetzt auf. Für den Margenverlauf ist das relevant: Die Bruttomarge stieg auf 33,7 Prozent, rund 25 Basispunkte mehr als im Vorjahr, wobei etwa 145 Basispunkte auf den Zolleffekt zurückzuführen waren. Richard McPhail machte zugleich deutlich, dass dieser Vorteil im Verlauf des gesamten Geschäftsjahres von zusätzlichen, ungeplanten Kostenbelastungen wieder aufgezehrt werden dürfte.
Damit verschiebt sich die Bewertung des Quartals von der „Headline“ hin zu den operativen Faktoren, die nicht auf einem einmaligen Rechtseffekt beruhen. Home Depot konnte bei den vergleichbaren Online-Umsätzen um 11 Prozent zulegen – und zwar bereits zum fünften Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum. Dazu passt die Ausbaustrategie beim Express-Lieferservice: Das Unternehmen erweiterte den Service landesweit und erhöhte die Geschwindigkeit bei Same-Day-, Next-Day- sowie bei sperrigen Großerlieferungen. Aus technischer Sicht ist das weniger eine reine Marketingaussage als ein Hinweis auf die „letzte Meile“ und die Logistikplanung im Systemverbund aus Filialen und Lagerprozessen: Wenn schnellere Lieferfenster funktionieren, sinkt typischerweise die Fehlkauf- und Rücksendequote, und auch die Warenverfügbarkeit wird zu einem messbaren Wettbewerbsfaktor.
Auch außerhalb der USA zeigt das Unternehmen, dass Wachstumstreiber eher strukturell als zyklisch wirken. Der internationale Bereich entwickelte sich überdurchschnittlich, insbesondere Kanada und Mexiko übertrafen den US-Heimatmarkt. Daneben verzeichnete die Tochter SRS Distribution positive vergleichbare Umsätze und gewann Marktanteile. Gleichzeitig stellte das Management im Analystencall in den Vordergrund, dass das Quartal vor allem Marktanteilsgewinne widerspiegele – also nicht zwingend eine breitere Erholung des gesamten Heimwerkermarkts. Diese Einordnung passt zu der gesamtwirtschaftlichen Lage: Anhaltend hohe Zinsen bremsen den US-Häusermarkt, viele Hausbesitzer verzichten auf große Umbauten oder einen Umzug und investieren stattdessen in kleinere Projekte wie Malerarbeiten oder Gartenpflege. Home Depot profitierte davon, weil 13 der 16 Warengruppen positive vergleichbare Umsätze meldeten und Profikunden erneut besser abschnitten als klassische Heimwerker.
Strategisch verankert Home Depot die Hoffnung auf Stabilität im Pro-Geschäft. Der Konzern beziffert den adressierbaren Markt für professionelle Handwerker auf rund 700 Milliarden Dollar; nach dem im Mai abgeschlossenen Zukauf des HVAC-Großhändlers Mingledorff’s stieg das insgesamt adressierbare Marktvolumen auf 1,2 Billionen Dollar. Für das laufende Jahr peilt das Management eine Cross-Selling-Rate von rund 400 Millionen Dollar zwischen Home Depot, SRS und GMS an, im kommenden Jahr soll sich dieser Wert verdoppeln. Zusätzlich ordnete Home Depot die Organisation neu: Die Bereiche Merchandising, Kundenbindung, Finanzen, Pro-Geschäft und Technologie wurden unter eine einheitliche Führung gelegt; das bisherige Office of Integration wurde in Office of Pro Acceleration umbenannt, geleitet von McPhail. Solche Umbauten zielen in der Regel darauf, Datenflüsse und Verantwortlichkeiten in einer gemeinsamen KPI-Logik zusammenzuführen – von Bestandsplanung bis zur Angebotsaussteuerung für professionelle Kunden.
Trotz der starken Quartalszahlen entschied sich Home Depot, die Jahresprognose nicht anzuheben. Das Unternehmen rechnet weiterhin mit einem vergleichbaren Umsatz zwischen stagnierend und plus 2 Prozent, einem Gesamtumsatzwachstum von rund 2,5 bis 4,5 Prozent und einer Bruttomarge von etwa 33,1 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erwartet Home Depot eine Entwicklung zwischen stagnierend und plus 4 Prozent, bei einer bereinigten operativen Marge von 12,8 bis 13,0 Prozent. Für die Börse war das vermutlich zweigeteilt: Einerseits sahen Investoren die Fähigkeit, Marktanteile zu halten und die Erwartungen zu übertreffen; andererseits blieb das Risiko im Blick, dass der Margenvorteil aus der Zollrückerstattung nicht wiederholbar ist.
Als größte Unbekannte bleibt der US-Häusermarkt. Auf Nachfrage, ob steigende Zinsen der Nachfrage schaden, verwies McPhail darauf, dass die Umschlagshäufigkeit am US-Häusermarkt historisch niedrig bleibt und die jüngsten Zinsbewegungen keine größere neue Volatilität ausgelöst hätten. Gleichzeitig bestätigte er im Kern eine gewisse Verlangsamung in der zweiten Jahreshälfte gegenüber dem starken zweiten Quartal – genau das griff auch Barclays-Analyst Seth Sigman in seiner Kritik an der Prognosespanne auf. Für Unternehmen, die die Entwicklung des Bau- und Renovierungsmarkts beobachten, verdichtet sich daraus eine klare Frage: Reicht das Wachstum bei kleineren Reparaturprojekten und im Pro-Bereich, um eine weiterhin schwache Erholung im klassischen Umbaugeschäft zu kompensieren, falls die Zinslast das Transaktions- und Renovierungsvolumen nicht bald merklich belebt?
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