NEW YORK STOCK EXCHANGE / LONDON (IT BOLTWISE) – Family Offices bauen im zweiten Quartal ihre Aktienquote deutlich aus und reduzieren gleichzeitig Allokationen in Immobilien sowie Private-Market-Investments. Der Anteil von Einzel-Family-Offices in Aktien steigt laut Datenaggregat von 34% auf 37%. Gleichzeitig bleibt die Bargeldquote stabil, während alternative Anlagen um 3 Prozentpunkte nachgeben. Im Hintergrund steht offenbar ein starkes Interesse am KI-„Trade“ – und die Bewertungen im Privatmarkt leiden spürbar unter Druck, vor allem im Private Credit.

Im zweiten Quartal 2025 haben Family Offices ihre Portfolios spürbar anders gewichtet: Während die Aktienquote steigt, rutschen Immobilien und Teile der Private-Market-Exposures nach unten. Ausschlaggebend ist dabei nicht nur eine generelle Risikofreude, sondern auch die Art, wie private Bestände in ihren Bewertungen nachlaufen. Laut Datenaggregat, das die realen Portfolios von „hunderten“ Family Offices zusammenführt und anonymisiert, lag der Aktienanteil einzelner Family Offices im Q2 bei 37% nach zuvor 34% im Q1. Dass diese Verschiebung in den letzten Jahren besonders stark ausfällt, wird im Marktumfeld vor allem als Signal gelesen, dass sich der Schwerpunkt weiter in Richtung öffentlicher Märkte verlagert.
Technisch betrachtet zeigt sich die Bewegung weniger als „klares Verkaufen und Kaufen“, sondern als Mischung aus Markttrend und Bewertungslogik. Zwar spricht der Bericht von einem größeren Quartals-Sprung als in mehreren Vorquartalen, doch der Mechanismus lässt sich anhand der Kursentwicklung erklären: Der Aktienanstieg im Q2, unter anderem gestützt durch einen etwa 15%igen Zuwachs des S&P 500 im Quartal, hat die Aktienpositionen automatisch stärker wachsen lassen als es bei reinem Neugewichten der Fall wäre. Gleichzeitig wirkt im Privatmarkt Gegenwind: Rückgänge bei privaten Kreditbewertungen drücken die Allokationen in „alts“ messbar, weil deren Buchwerte zeitversetzt und stärker durch Kreditspreads sowie Ausfall- und Refinanzierungsannahmen beeinflusst werden.
Für die Strategie ist außerdem entscheidend, wie Family Offices mit Konzentration umgehen. Der Bericht nennt als häufigste Einzeltitel Microsoft (in 77% der Family-Office-Portfolios), gefolgt von Amazon und Alphabet (je 76%), Apple (70%) sowie NVIDIA (69%). Dass damit ausgerechnet große KI- und Cloud-nahe Wachstumswerte dominieren, passt zur im Hintergrund beschriebenen These: Der KI-Trade wird offenbar zunehmend über liquide, börsennotierte Instrumente gespielt. Das wäre strategisch bemerkenswert, weil oft angenommen wird, wohlhabende Investoren bevorzugten „exotische“ Private-Assets gegenüber aktienmarktfähigen Chancen. Die Daten legen eher nahe, dass es um Umsetzbarkeit und Geschwindigkeit geht: Public Markets erlauben häufigere Anpassungen, während Private Markets stärker an Laufzeiten, Fondstapeln und Bewertungszyklen gekoppelt bleiben.
Auch der Blick auf den Privatmarkt liefert ein konkretes Bild. In den Alternativen fällt die Allokation auf 46% von zuvor 49% im Q2 – der größte Rückgang seit Jahren. Als Haupttreiber nennt das Datenaggregat Abschreibungen („marking down“) in Private-Credit-Fonds. Auffällig ist dabei die Größenordnung: Für 18% der „recent vintage“ Private-Credit-Fonds, also Jahrgänge ab 2020 oder jünger, wurden Nettowert-Minderungen ausgewiesen. Zum Vergleich nennt der Bericht durchschnittliche Abschreibungsquoten von 9% für Private-Credit-Fonds mit Jahrgängen ab 2016 über die ersten vier Jahre ihrer Laufzeit. Solche Unterschiede deuten darauf hin, dass sich die Risikoprämien im Privatkreditbereich nicht nur kurzfristig bewegen, sondern auch die Bewertungsmodelle in kürzeren Abständen korrigieren müssen.
Parallel dazu bleibt die Liquiditätsseite auffällig ruhig. Die Bargeldbestände wurden im Quartal nur um weniger als 1 Prozentpunkt reduziert, was auf keinen aggressiven „Cash-out“ hindeutet. Stattdessen wirkt es eher wie ein Umschichten innerhalb der Portfoliostruktur: Die alternativen Bestände verlieren Anteile, während Aktien als Großbaustein stärker ins Gewicht fallen. In festen Ertragsklassen liegt der Anteil bei 8%, Hedge-Funds bleiben bei 7% und „other alts“ inklusive Rohstoffen und Sammelwerten bei 6%. Den größten Segmenthebel nach den Public Equities stellt dabei „private companies“ mit 15% der Portfolios – und gerade dort dürften Bewertungseffekte und Renditeerwartungen die Wahrnehmung stärker prägen als der bloße Zufluss neuer Mittel.
Für die Marktimplikationen ist der Hinweis auf die nächsten Quartale zentral. Für das dritte Quartal nennt der Bericht als große Themen vor allem Zinsumfeld und Anleihen – also Faktoren, die sowohl Fixed Income als auch Private Credit direkt beeinflussen. Wenn Zinsannahmen kippen, verändern sich nicht nur Renditekurven, sondern auch die Diskontsätze, die in Bewertungsmodellen für private Vermögenswerte verwendet werden. Für CIOs und Family-Office-Entscheider bedeutet das: Die aktuelle Aktienquote ist nicht nur Ausdruck von „Bullishness“, sondern auch eine Reaktion auf Bewertungsscheren zwischen liquiden und illiquiden Märkten. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass die Verschiebung im Q2 überwiegend durch Marktflüsse und Buchwertanpassungen erklärt werden kann – was die Prognose erschwert, weil sich die Dynamik je nach Kursentwicklung und Private-Credit-Bewertungszyklen schnell drehen kann.
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