SACRAMENTO / LONDON (IT BOLTWISE) – IMAX beschreibt eine neue „Imax awakening“-Phase, in der Zuschauer das Erlebnis gezielt im Premiumformat suchen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Produktion, sondern vor allem das Setup im Kino: IMAX lizenziert Marke und Technik und stellt bei Joint-Revenue-Deals häufig Anlage und Installation. Gleichzeitig zeigen die jüngsten 70-mm-Verkäufe, dass sich höhere Ticketpreise für Kinos in stark nachgefragten Locations rechnen. Für Studios und Filmemacher wird damit das Format zu einem messbaren Marketing- und Erlöstreiber.

Die diesjährige Sommerwelle im Premiumkino wirkt weniger wie ein einzelner Trend, sondern eher wie eine Wiederbelebung: IMAX spricht selbst von einer neuen „Imax awakening“-Phase. Auslöser sind nach Unternehmenssicht mehrere große Veröffentlichungen der letzten Jahre, aber besonders auffällig ist die Rückkehr von 70-mm-Produktionen im IMAX-Ökosystem. Im Kern geht es um ein Versprechen, das technisch schwer nachzubauen ist: Ein Film, der vollständig auf IMAX-Film gedreht wurde, soll auf einem IMAX-Display die immersive Wirkung noch stärker entfalten. Dass Zuschauer dafür über Kontinente hinweg reisen und gezielt auf bestimmte Leinwand-Formate ausweichen, ist für die Marktmechanik wichtiger als jede rein narrative Filmkritik.
Dieses Premiumversprechen hängt an der Angebotsverknappung. In den USA gibt es laut Unternehmensangaben nur 25 IMAX 70mm-Theater, weltweit lediglich 41, während IMAX selbst nur ein einziges Haus betreibt: das Esquire IMAX in Sacramento. Genau diese Knappheit verschärft den Wettbewerb um Termine, insbesondere wenn ein Blockbuster als „Event“ vermarktet wird. So wurde „The Odyssey“ als erster vollständig auf IMAX-Film gedrehter Titel hervorgehoben, und die Zahlen, die IMAX dazu veröffentlicht hat, sollen die Wirkung messbar machen: Nach weniger als einem Monat brachte der Film laut Unternehmen 289 Millionen US-Dollar globale IMAX-Einnahmen. Parallel markiert der Konzern den Sommer zudem als Rekordphase, weil Juli der umsatzstärkste Monat in der bisherigen Firmengeschichte gewesen sei.
Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie IMAX wirtschaftlich funktioniert, ohne selbst das Gros der Leinwände zu besitzen. Der Konzern setzt auf zwei Geschäftsstränge: „content solutions“ und „technology products and services“. Im Content-Bereich zahlen Studios IMAX für die Produktion und Distribution von IMAX-optimierten Versionen, dabei erhält IMAX im Schnitt 12,5 % der IMAX-Boxoffice-Einnahmen aus diesen Deals, wie aus einer SEC-Einreichung hervorgeht. Ergänzend berichtet IMAX für 2025 Erlöse aus diesem Segment in Höhe von rund 151 Millionen US-Dollar. Im zweiten Strang verdient das Unternehmen vor allem durch Technikumsätze: Laut Unternehmensangaben lag der Umsatz hier im vergangenen Jahr bei etwa 251 Millionen US-Dollar, unter anderem durch Verkauf, Leasing oder Vermietung von IMAX-Technologie an Kinos.
Die wirtschaftliche Logik dahinter ist ein Lizenzmodell, das in der Praxis wie ein Baukastensystem wirkt. IMAX beschreibt, dass sich Theaterketten oder andere Betreiber „in den IMAX-Businessbereich“ einkaufen, indem sie Name und Technologie lizenzieren. Zu den Leistungen gehören demnach auch die Standortgestaltung, eine Bewertung der Infrastruktur, Unterstützung bei der Installation und die laufende Überwachung des Setups. Bei der konkreten Ausgestaltung können Kinos entweder die IMAX-Anlage vorab weitgehend kaufen oder eine Joint-Revenue-Share-Agreement (JRSA) eingehen. In JRSAs stellt IMAX typischerweise das System bereit und übernimmt den größten Teil von Geräte- und Installationskosten, während das Kino dafür im Gegenzug über einen langfristigen Vertrag meist mindestens zehn Jahre einen Umsatzanteil mit IMAX teilt.
Für die Kinos ist das Modell attraktiv, weil es eine strukturelle Preissetzung ermöglicht. In stark nachgefragten Locations lassen sich höhere Ticketpreise durchsetzen; im Text wird für eine IMAX-70-mm-Vorführung ein Preis von rund 27,77 US-Dollar genannt, verglichen mit einem nationalen Durchschnitt von 16,30 US-Dollar für Standardtickets. Genau hier greifen mehrere Anreize ineinander: Studios und Filmemacher erhalten einen zusätzlichen Hebel für Vermarktung und Vermögensaufbau, weil sie gezielt um ein Format herum planen und das Kino über die Mehrzahl höherpreisiger Vorstellungen in eine Vorzugsstellung bringen. Gleichzeitig profitieren Zuschauer von einer „Premium-Pipeline“, in der das Erlebnis nicht als Zusatzleistung, sondern als eigener Qualitätsstandard erscheint.
Technisch und markenstrategisch setzt IMAX dabei auf ein vollständig immersives Setup, das neben großen Bildflächen auch eigene Projektionssysteme und Kameratechnik adressiert. Im Premiumkinosegment existiert Wettbewerb durch Alternativen wie Dolby Cinema oder Regal RPX, die ebenfalls mit überdurchschnittlicher Bild- und Tonqualität werben. IMAX argumentiert jedoch, dass Konsumenten speziell wegen der „Best-in-Class“-Erfahrung an IMAX festhalten, und verweist außerdem auf eine gewachsene Markentreue, die man in der Wahrnehmung mit starken Konsum- und Unterhaltungsmarken vergleichen kann. Dazu passt die Rolle von 70 mm: Weil die Zahl der geeigneten Leinwände begrenzt ist und die Nachfrage hoch bleibt, entsteht eine Art Luxusnische, die nicht gegen Massenformate konkurrieren soll.
Auch die Investitionslogik erklärt, warum das 70-mm-Erlebnis nicht beliebig skalieren kann. IMAX nennt als Kostentreiber insbesondere die Film-Prints, die Studios mit rund 50.000 US-Dollar pro Filmprint tragen müssten. Nur wenige Standorte erreichen demnach die notwendige Fußverkehrs-Nachfrage, um diese Kosten in einem sinnvollen Verhältnis zu rechtfertigen. Trotzdem bleibt der Ansatz wirtschaftlich plausibel: IMAX positioniert 70 mm wie ein „Rolls-Royce“-Segment, während Standard-IMAX als „Honda“-Gegenpart das breiter verfügbare Erlebnis liefert. In der Summe zeigen die Boxoffice-Ergebnisse für 70 mm und reguläre IMAX-Vorführungen laut Bericht, dass ein Teil des Publikums bewusst extra bezahlt, wenn das Angebot als echtes Erlebnis verkauft und technisch sauber umgesetzt wird.
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