LONDON (IT BOLTWISE) – Die Ifo-Konjunkturumfrage zeigt, dass deutsche Unternehmen ihre Klimainvestitionen im Betrieb kaum steigern. Für 2025 liegt der Anteil bei 9,3 Prozent, für 2026 bei 10,6 Prozent und für 2027 bei 10,5 Prozent. Statt eines Aufwärtsschubs bleibt die Dynamik verhalten, obwohl Politik und Medien seit Jahren mehr Tempo fordern. Die Ifo-Analyse führt das unter anderem auf Unsicherheit beim CO2-Preis und wechselnde Rahmenregeln zurück.

Ifo: Klimainvestitionen stagnieren – deutsche Unternehmen investieren zu wenig
Ifo: Klimainvestitionen stagnieren – deutsche Unternehmen investieren zu wenig (Foto: IT BOLTWISE)
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Deutsche Unternehmen investieren in den eigenen Betrieb weiterhin deutlich zu zögerlich in den Klimaschutz. Das geht aus den Ergebnissen der Ifo-Konjunkturumfrage hervor, die für die Jahre 2025 bis 2027 einen relativ stabilen Anteil von Klimainvestitionen am gesamten Investitionsvolumen ausweist. Konkret nennt die Auswertung für 2025 einen Anteil von 9,3 Prozent, für 2026 10,6 Prozent und für 2027 10,5 Prozent. Damit ändert sich nach den vorliegenden Daten trotz der politischen Schwerpunktsetzung praktisch nichts Grundlegendes, während die Erwartungshaltung in Wirtschaft und Öffentlichkeit eher auf steigende Investitionskurven gerichtet war.

Technisch betrachtet ist der Unterschied zwischen „Investieren“ und „hochfahren“ dabei entscheidend: Viele Klimaprojekte hängen an mehrjährigen Planungs- und Umsetzungszyklen, etwa wenn Wärmenetze umgestellt, Produktionsanlagen energetisch saniert oder Logistikflotten ertüchtigt werden. Wenn Unternehmen in dieser Phase nur moderat nachziehen, verschiebt sich die reale Wirkung später in Richtung Nachlauf, selbst wenn einzelne Maßnahmen umgesetzt werden. Die Ifo-Werte deuten darauf hin, dass die Unternehmen zwar Klimaschutzmaßnahmen fortführen, aber keine großen zusätzlichen Budgets freisetzen, die die Emissionspfade spürbar beschleunigen würden.

Aus Branchenperspektive wird die Stagnation besonders sichtbar, weil sich nicht überall derselbe Investitionsdruck zeigt. In den Angaben der Ifo-Umfrage planen Dienstleister für 2026 den höchsten Anteil mit 12,2 Prozent, gefolgt vom Bauhauptgewerbe mit 10,5 Prozent. Dagegen bleiben das Verarbeitende Gewerbe und der Handel bei 8,8 Prozent beziehungsweise 8,5 Prozent, also auf deutlich niedrigerem Niveau. Für 2027 nennt der Datensatz erneut eine Sonderbewegung im Bau, der auf 11,2 Prozent zulegen will, während die übrigen Sektoren offenbar keinen vergleichbaren Sprung realisieren.

Die Frage „Warum“ ist in der Ifo-Einschätzung eng mit den Rahmenbedingungen verknüpft. Der Ifo-Forscher Gerome Wolf verweist auf die fehlende Dynamik und fordert mehr Investitionen, um internationale und nationale Emissionsziele zu erreichen. Gleichzeitig wird in der Auswertung betont, dass die Ursachen nicht eindeutig sind; als plausibler Faktor wird die Unsicherheit beim CO2-Preis genannt. In der Logik vieler Investitionsrechnungen bedeutet das: Wenn der erwartete Preis für Emissionsrechte oder CO2-Abgaben nicht verlässlich kalkulierbar ist, sinkt der Barwert zukünftiger Einsparungen. Dann investieren Firmen eher dort, wo sich die Rendite kurzfristiger und mit weniger regulatorischem Risiko plausibilisieren lässt.

Damit entsteht ein klassisches wirtschaftliches Dilemma: Wer Investitionen auslöst, muss Planungssicherheit schaffen, wer Investitionen erwartet, braucht belastbare Renditeaussichten. Die Ifo-Daten legen nahe, dass wechselnde Regeln und Preisentwicklungen Unternehmen vor allem dann ausbremsen, wenn die Maßnahmen zwar klimapolitisch sinnvoll sind, aber betriebswirtschaftlich erst bei stabilen Annahmen eindeutig „durchrechnen“. Genau an dieser Stelle wird auch die Wettbewerbsdimension relevant: Gesunkene Wettbewerbsfähigkeit auf Exportmärkten und gestiegene geopolitische Risiken reduzieren den finanziellen Spielraum. Das führt nicht automatisch zu „Verweigerung aus Prinzip“, sondern häufig zu einer Priorisierung nach Zahlungsfähigkeit und unmittelbarer Wettbewerbsfähigkeit.

Für die Praxis in Unternehmen folgt daraus weniger eine Debatte über Haltung als vielmehr über Investitionsmechanik. Klimainvestitionen konkurrieren mit Capex für Produktivität, Energieeffizienz in der Übergangsphase, Modernisierung von Anlagen und dem Aufbau resilienterer Lieferketten. Wenn politische Programme gleichzeitig neue Regulatorikschichten hinzufügen und zentrale Stellgrößen wie CO2-Kosten unruhig gestalten, verschiebt sich das Investitionsportfolio häufig in die Zukunft oder in Projekte mit schnellerer Amortisation. Für die Transformationsplanung heißt das: Es braucht nicht nur Förderanreize und Ziele, sondern auch finanzierbare, verlässliche Pfade, damit Klimaprojekte nicht gegen die Kalkulation verlieren.

Auf Marktebene ist eine solche „seitwärts laufende“ Investitionsquote auch deshalb heikel, weil sie Lernkurven und Skalierungseffekte bremst. Wer nur punktuell investiert, nutzt Maschinen, Lieferketten und Qualifikationen weniger konsequent aus; zugleich steigt der Anteil von Sonderlösungen statt standardisierbarer Umrüstungen. Die Ifo-Zahlen für 2025 bis 2027 sind damit weniger eine Momentaufnahme als ein Hinweis auf den Übergang von der politischen Zielkommunikation hin zur Umsetzung im betrieblichen Alltag. Wenn die Dynamik in den nächsten Erhebungswellen ähnlich ausfällt, wird die Kluft zwischen Zielpfaden und tatsächlicher Umsetzung auf Unternehmensseite besonders schwer zu schließen.

Der nächste Schritt liegt daher in einer präziseren Ausgestaltung der Rahmenbedingungen, die Unternehmen wirklich zur Kapazitätsausweitung befähigen. Die Umfrage zeigt, dass Betriebe Klimaschutz grundsätzlich als Investition fortführen, aber die Größenordnung nicht signifikant anheben. Unternehmen werden deshalb weiterhin genau abwägen, welche Projekte sich im Spannungsfeld aus Energiepreisen, CO2-Preis-Erwartungen und regulatorischer Ausgestaltung rechnen. Entscheidend bleibt: Nur wenn Stabilität in der Planungsrechnung ankommt, wird aus moderatem Nachziehen ein belastbares Hochfahren.


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