LONDON (IT BOLTWISE) – Der ATX setzt seine Rekordserie fort und erreicht zum Wochenauftakt neue Bestmarken. Auch der Total-Return-Index rückt weiter vor und notiert erstmals über 17.000 Punkten. Bei den Einzelwerten ziehen vor allem RBI, wienerberger und VIG die Kursseite nach oben. Parallel sorgt das ATX-Fünf-Rennen um Andritz und voestalpine für zusätzliche Indexaufmerksamkeit.

Der Wiener Leitindex ATX startet mit Schwung in die neue Woche und knüpft damit direkt an die starken Signale vom Freitag an. Am Freitag hatte der Index bereits mit 6.786 Punkten ein neues Allzeithoch markiert, während auch der Total-Return-Index erstmals die Schwelle von 17.000 Punkten überschritten hatte. Am Montagvormittag setzte sich die Bewegung fort: Der ATX gewann 0,4 Prozent und erreichte 6.814 Punkte. Damit bleibt der Markt in einem Modus, in dem nicht nur Kursgewinne zählen, sondern auch die Einpreisung von Dividenden in den Blick rückt.
Der Anstieg wirkt dabei nicht breit gestreut, sondern wird spürbar von einzelnen Schwergewichten getragen. Unter den Werten der Private Investor Relations Group sticht die Raiffeisen Bank International (RBI) mit plus 1,7 Prozent als Top-Performer hervor. Direkt dahinter folgt wienerberger ebenfalls mit 1,7 Prozent, während die Vienna Insurance Group (VIG) um 1,5 Prozent zulegte. Diese Staffelung ist vor allem deshalb interessant, weil sie zeigt, dass der Indexanstieg nicht nur auf ein einzelnes Zugpferd zurückgeht, sondern dass mehrere Blue Chips gleichzeitig Impulse liefern.
Während der ATX die eigene Rekordspur ausbaut, bietet der Vergleich zum deutschen Markt einen Kontrast zur Stimmungslage. Der DAX gab am Vormittag um 0,63 Prozent nach und notierte bei 26.402 Punkten. Dort konnten sich dennoch einige große Namen vom negativen Umfeld absetzen: Continental gewann 1,3 Prozent, BASF legte um 1,2 Prozent zu, und Zalando schaffte ein Plus von 1,1 Prozent. Für Anleger ergibt sich daraus ein zweistufiges Bild: In Wien gibt es offenbar mehr Rückenwind im Index, während in Deutschland die Abwärtsbewegung insgesamt dominiert, einzelne Titel aber Stabilität finden.
Auch die Handelsaktivität liefert Hinweise, dass das Thema Nachfrage mehr als nur ein kurzfristiger Stimmungsimpuls ist. Am vorangegangenen Freitag wurden an der Wiener Börse 292 Millionen Euro umgesetzt, knapp unter der 300-Millionen-Marke. Besonders auffällig war dabei Strabag: Die Aktie erreichte ein neues Hoch bei 99,2 Euro. Der entscheidende Punkt ist jedoch nicht nur das Niveau, sondern der zeitliche Verlauf des Kursimpulses: Laut der Einordnung setzte die eigentliche Bewegung möglicherweise erst verzögert ein, obwohl „gute Unternehmenszahlen“ bereits vorlagen. Als Erklärung wurden positive Gespräche im Nachgang der Zahlen genannt – ein typisches Muster, wenn institutionelle Einschätzungen nach dem ersten News-Impulsebene nachgelagert aktualisiert werden.
Zusätzliche Relevanz bekommt die Woche durch den Blick auf die Indexzusammensetzung. Der Montag gilt als entscheidender Tag für die ATX-Plätze: Im direkten „ATX Five“-Vergleich zwischen Andritz und voestalpine hatte Andritz bereits am Freitag einen klaren Vorsprung von 4:0 aufgebaut, der sich am Montag auf ein absehbares 5:0 ausgeweitet haben sollte. Wenn diese Logik aufgeht, ist die RBI damit für den ATX Five Platz weitgehend abgesichert, während voestalpine aus dem Index ausscheiden dürfte. Für den Markt bleibt außerdem ein weiteres Duell spannend: Offen war zum Zeitpunkt der Betrachtung noch der Vergleich zwischen SBO und FACC, während Palfinger als Kandidat beschrieben wurde, der vermutlich verstärkt beobachtet wird. Bereits fix sei dagegen, dass Mayr-Melnhof zum Septemberverfall mit einem Platz im ATX rechnen kann.
Im Umfeld der Immobilienwerte meldet CPI Europe Halbjahreszahlen und damit ein anderes, eher fundamental geprägtes Signal. Die Mieterlöse stiegen um 3,8 Prozent auf 291,4 Millionen Euro, das operative Ergebnis legte um 15 Prozent auf 224,3 Millionen Euro zu. Dazu kamen Neubewertungen, die im ersten Halbjahr mit plus 63,8 Millionen Euro zum Ergebnis beitrugen. Im Ausblick betonte das Unternehmen die Konzentration auf das Kerngeschäft und Portfolio-Optimierung, mit einem Schwerpunkt auf der aktiven Weiterentwicklung des tschechischen Wohnimmobilienportfolios sowie dem Ausbau von Retailparks. Gleichzeitig wurde kritisch angemerkt, dass sich dadurch der Österreich-Bezug und die Indexpräsenz tendenziell weiter reduzieren könnten, während aktuell mit der CA Immo noch ein klassischer Immobilienwert im ATX verbleibt.
Rundet man den Blick über die Tagesbewegungen hinaus, zeigt sich eine Börsenhistorie mit auffälligen Mustern. Vor exakt 17 Jahren, am 31. August 2009, durchlief Do&Co laut Rückblick die schwächste Serie seiner Börsengeschichte: 689 Tage lang notierte die Aktie unter dem 200-Tage-Durchschnitt. In den folgenden Jahren habe sich anschließend ein deutlicher Aufschwung ergeben. Bei Warimpex lag zehn Jahre später die bislang schlechteste Serie ebenfalls unter dem gleitenden Durchschnitt, hier sogar mit 854 Tagen – ein Hinweis darauf, wie stark die Dauerphasen unter technischen Schwellenkurven oft in spätere Trendwechsel münden.
Den Abschluss bilden Research-Updates, die kurzfristige Bewertungsimpulse geben können. Raiffeisen Research bestätigte für wienerberger die Kaufempfehlung, senkte jedoch das Kursziel von 28 auf 21 Euro; die Aktie notierte am Montag wieder über 20 Euro. Oddo BHF stufte UBM mit „Halten“ ein und nannte ein Kursziel von 18 Euro, wobei die Aktie bei 17,10 Euro lag. SRC Research bekräftigte für PORR die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 46 Euro, während das Papier bei 38 Euro gehandelt wurde. Insgesamt bestätigt das Setup aus Indexrekord, hoher Aktivität und konkreter Research-Signale: Der ATX setzt seine positive Serie fort, während der DAX als Gegenfolie schwächer bleibt.
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