NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Ölpreise haben nach einem frühen Anstieg im Handel wieder nur leicht zugelegt. Ein Barrel Brent mit Lieferung im November kostete zuletzt 91,16 US-Dollar und lag damit über dem Vortag. Auslöser bleibt die Eskalationssorge im Iran-Konflikt, nachdem erneut ein Öltanker in der Straße von Hormus angegriffen worden sein soll. Gleichzeitig verengt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine das Angebot, besonders bei Diesel.

Dieselknappheit treibt Ölpreise: Brent steigt wegen Iran-Konflikt erneut
Dieselknappheit treibt Ölpreise: Brent steigt wegen Iran-Konflikt erneut (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Dynamik an den Rohstoffmärkten ist derzeit weniger von kurzfristigen Konjunkturdaten geprägt als vom Risiko- und Angebotsmix aus geopolitischen Konflikten. Nachdem die Notierungen zu Wochenbeginn zeitweise deutlich anzogen, zeigte der frühe Handel zunächst eine Abkühlung: Brent legte nur noch vergleichsweise moderat zu, während die Händler zugleich aufmerksam auf Meldungen aus dem Nahen Osten blickten. Konkret wurde ein Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November zuletzt zu 91,16 US-Dollar gehandelt, also 0,74 % höher als am Vortag. Damit bleibt der Markt zwar im Aufwärtstrend, aber er preist die Bewegungen zunehmend in kleinen Schritten ein statt in sprunghaften Sprüngen.

Technisch betrachtet spiegelt sich diese Verlangsamung in der Preisbildung der Terminstruktur: Wenn Unsicherheit dominiert, steigen besonders jene Kontrakte, die die nächsten Lieferzeiträume abdecken, während spätere Fälligkeiten häufig weniger stark reagieren. Am Montag hatten die Ölpreise zeitweise um zweieinhalb Prozent auf 91,52 Dollar zugelegt. Auslöser war die Eskalation um den Iran-Konflikt, nachdem die USA und der Iran laut Meldungen wieder gegenseitige Militäreinschläge angekündigt bzw. ausgetauscht hatten. Noch stärker als die Schlagzeilen selbst wirkt an den Märkten jedoch die Logistikkette: In der Straße von Hormus wurde demnach ein Öltanker erneut angegriffen, während er die Engstelle passierte. Wie genau sich solche Ereignisse in die reale Lieferplanung übersetzen, entscheidet sich häufig an der Frage, ob sich Routen und Durchlaufzeiten im Tagesgeschäft stabilisieren oder ob Reedereien wieder häufiger umplanen.

Aus der Perspektive von Marktteilnehmern führt genau diese zweite Komponente zur Erwartung anhaltender Knappheit. Rohstoffstratege Bart Melek von TD Securities ordnet die Situation so ein, dass es keine Anzeichen gebe, die auf eine baldige Wiederaufnahme des normalen Transits durch die Straße von Hormus hindeuten. Er rechnet daher eher mit weiter steigenden Rohölpreisen, weil sich die Prämie für geopolitische Transportrisiken auch dann fortsetzt, wenn der physische Fluss nicht sofort vollständig abreißt. Hinzu kommt eine weitere Verknappungsquelle, die sich nicht auf einzelne Meeresengen beschränkt: Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine verursacht immer neue Angriffe auf die russische Ölindustrie. Für die Preisbildung ist das relevant, weil dadurch das Angebot nicht nur mengenmäßig, sondern auch mit Blick auf die verfügbaren Qualitäten und Produkte ins Ungleichgewicht geraten kann.

Besonders deutlich wird das in Segmenten, die für viele Volkswirtschaften als kurzfristig weniger substituierbar gelten. Im Bericht wird explizit darauf hingewiesen, dass das Angebot insbesondere bei Diesel verknappt werde. Diesel ist in der Praxis eng mit Transport, Bau und Teilen der Industrie verknüpft; wenn Raffinerieprozesse durch Störungen, fehlende Auslieferungen oder verschobene Einsatzpläne unter Druck geraten, macht sich das häufig schneller an den Produktpreisen bemerkbar als an breiteren Rohölindizes. Für Unternehmen heißt das: Die Beschaffungskosten können auch dann weiter steigen, wenn der Rohölspot sich beruhigt, weil die Engpässe am Produktmarkt aus Lieferkettenproblemen oder Produktionsausfällen entstehen und erst verzögert abgebaut werden. Gleichzeitig wirkt der Rohölmarkt als Preistreiber, weil Terminkontrakte Erwartungen in die Lieferrealität „vorziehen“ und sich damit Handels- und Absicherungsstrategien anpassen.

Damit rückt ein Thema in den Fokus, das in vielen Organisationen bisher eher operativ behandelt wurde: das Zusammenspiel aus Energiepreisen, Beschaffungs- und Risikomanagementprozessen. Wer Heizöl- und Kraftstoffbedarfe plant oder Logistikleistungen kalkuliert, sollte die Preisrisiken nicht nur über kurzfristige Tageskurse betrachten, sondern auch über die Frage, wie schnell Risiken aus einem Konflikt auf die physische Versorgung durchschlagen. In der aktuellen Lage ist beides im Spiel: ein Transportengpass durch die Straße von Hormus und zusätzliche Produktionsstörungen durch den Ukraine-Krieg. Dass am Montag ein schneller Sprung möglich war, zeigt zudem, wie empfindlich der Markt auf neue Eskalationssignale reagiert. Selbst wenn der frühe Handel anschließend nur noch leicht zulegt, kann sich der Pfad jederzeit wieder nach oben drehen, sobald sich die Einschätzung zur Dauer der Feindseligkeiten ändert.

Für die kommenden Monate bleibt laut Bericht das zentrale Szenario, dass die Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran möglicherweise über Monate andauern könnten. Daraus folgt für Entscheider vor allem eine Priorisierung: Erstens müssen Prognosen und Risikomodelle Transport- und Angebotsrisiken sauber voneinander trennen, weil sie unterschiedliche Zeitverläufe haben. Zweitens lohnt es sich, die Preisabsicherung so zu strukturieren, dass nicht nur der Rohölkomplex, sondern auch das Produktsegment Diesel abgedeckt ist. Wer in diesem Umfeld über KI-gesteuerte Prognosemodelle verfügt, sollte diese jetzt nicht als „Wetter-App“ verstehen, die Trends blind fortschreibt, sondern als System, das Parameter für Transportrisiken, Terminkurven und Produktknappheit gezielt aktualisiert. So werden Entscheidungen über Einkauf, Lagerhaltung und Vertragsgestaltung robuster, auch wenn die Marktbewegung kurzfristig wieder unruhiger wird.


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