PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Dyson stellt mit der CameraJet eine Zahnbürste vor, die Zahnzwischenräume per integrierter Kamera erkennt und dort gezielt reinigt. Eine 100k-Pixel-Makroobjektivkamera analysiert die Bereiche in Echtzeit und löst innerhalb von 100 Millisekunden einen konischen Strahl aus. Das Gerät kombiniert maschinelles Lernen, angepasste Fluiddynamik und eine auf den Winkel abgestimmte Strahlführung. Die Kamera arbeitet dabei nur im Live-Modus, während keine Bilder in der Cloud gespeichert werden.

Dyson geht bei der Mundpflege mit einem Ansatz an den Markt, der die bisherige Lücke zwischen „zähneputzen“ und „Zahnzwischenräume wirklich erreichen“ gezielt adressiert. Mit der neuen CameraJet präsentiert das Unternehmen eine Zahnbürste, die während des Putzens sichtbar macht, wo es sonst meist dunkel bleibt: Zahnzwischenräume. Der Kern ist eine integrierte Kamera, die beim Reinigen nicht nur Bewegungen registriert, sondern die relevanten Bereiche erkennt und dann passgenau anspringt.
Technisch setzt Dyson dabei auf Gap Optical Targeting, unterstützt durch eine 100k-Pixel-Makroobjektivkamera. Laut Beschreibung werden 28 Live-Bilder pro Sekunde analysiert, um Zahnzwischenräume in Echtzeit zu erkennen, zu verfolgen und vorauszuplanen. Sobald der Bereich identifiziert ist, steuert die Zahnbürste den Zwischenraum innerhalb von 100 Millisekunden an und löst dort einen konischen Strahl aus, der als Mundspülung gedacht ist. Für die KI-Entwicklung nennt Dyson ein Trainingssetup mit 470.000 Zahnbildern und einem großen Codebestand, der während der Entwicklung gewachsen ist.
Während klassische Systeme häufig mit einem nadelförmigen Strahl arbeiten, verfolgt Dyson einen anderen Fluid-Ansatz: Der konische Strahl soll Plaque nicht nur „treffen“, sondern durch eine breiter gefächerte Abdeckung lösen und entfernen, ohne dabei auf extremen Druck zu setzen. In den zugrunde liegenden Laborvergleichen wird beschrieben, dass der nadelförmige Strahl die Haftung der Plaque nicht zuverlässig überwindet, während der konische Sprühstrahl eine andere Wirkweise hat. Um diese Wirkung ohne jedes Mal klinische Studien neu zu skalieren, entwickelte Dyson zudem eine Plaque-Nachbildung gemeinsam mit der Fakultät für Zahnmedizin der National University of Singapore in einer fünfjährigen Zusammenarbeit.
Der zweite technische Pfeiler ist die Steuerung der Strahlabgabe in jeder Lage. Der kompakte 12,5-ml-Behälter für die Mundspülung ist als Anti-Schwerkraft-Behälter ausgelegt: Membranpumpe und Druckkammer passen sich während der Anwendung an und sollen so eine gleichmäßige, unterbrechungsfreie Abgabe ermöglichen – auch wenn das Gerät waagerecht gehalten wird. Dazu positioniert Dyson das System auch konsequent in die tägliche Routine: Die Mundspülung wird nicht als separater Schritt „oben drauf“ verstanden, sondern als Bestandteil der Putzsequenz.
Damit die Kamera überhaupt sinnvoll arbeiten kann, koppelt Dyson die Hardware zusätzlich an das Dentalsystem. Laut Hersteller wird eine schaumfreie, SLS-freie Zahnpasta eingesetzt, damit kein Schaum die Sicht der Kamera und Gap Optical Targeting stört. Außerdem kommt eine schaumreduzierte Mundspülung zum Einsatz, die auf die Präzisionsansteuerung des konischen Strahls abgestimmt sein soll. In der Formulierung nennt Dyson Natriumfluorid sowie Phosphate und Xylit; Ziel ist unter anderem, den Zahnschmelz zu stärken und die Ursachen von Plaque und Zahnstein gezielt anzugehen.
Auch das Komfort- und Bedienkonzept greift die Präzisionsidee auf. Der Bürstenkopf arbeitet mit Doppelborsten, deren Geometrie den Zahnfleischrand und Verfärbungen adressieren soll: Festere innere Borsten für Oberflächenverfärbungen, weichere äußere Borsten für den sanften Kontakt. Variable Schallbewegungen sollen zusätzlich verhindern, dass Borsten durch Stillstand in schwer erreichbaren Bereichen schlechter reinigen; Dyson verweist dabei auf externe Labortests, in denen in solchen Bereichen bis zu 69 Prozent mehr Plaque entfernt worden sein sollen. Zur Einordnung passt auch die Zielsetzung des Unternehmens: „Wir wollten drei grundlegende Probleme lösen: diese Zwischenräume sichtbar machen, Plaque entfernen und die Reinigungsleistung beim Zähneputzen verbessern.“ – James Dyson, Gründer und Chief Engineer.
Datenschutz und Transparenz spielen in der Produktarchitektur eine sichtbare Rolle. Die CameraJet verbindet sich per Wi‑Fi (2,4 GHz) und Bluetooth, wobei die Kamera demnach wie ein hochwertiges Endoskop im Live-Ansichtmodus funktioniert. Die Kamera soll nur während der Live-Ansicht oder im automatischen Strahlbetrieb laufen; Bilder werden weder auf dem Produkt noch in der Cloud aufgezeichnet oder gespeichert. Über die MyDyson App erhalten Nutzerinnen und Nutzer geführte Reinigung, Anleitungsvideos, Abdeckungskarten und Feedback zum Putzverhalten; außerdem lässt sich zwischen automatischer Erkennung und manuellem Strahlbetrieb wählen und die Putzintensität individuell anpassen.
Für die Markteinführung datiert Dyson den Verkaufsstart auf den 1. September 2026. Das Dyson Dentalsystem wird für 479,- EUR (UVP) in den Dyson Stores sowie bei ausgewählten Händlern angeboten und umfasst neben der CameraJet-Zahnbürste eine Ladestation, ein Reiseetui sowie Zahnpasta und Mundspülung, abgestimmt auf die Routine aus Putzen, Präzisionsreinigung der Zahnzwischenräume und Mundspülung. Damit tritt das Unternehmen in ein Segment ein, das bislang stark über „einfachere“ Elektrifizierung und Sensorik profitiert hat, nun aber auf eine echte zielgerichtete Mikro-Interaktion setzt: Erkennen, Positionieren, Reinigungswirkung. Für Käuferinnen und Käufer dürfte dabei entscheidend sein, ob sich die versprochene Präzision nicht nur als technische Demo bewährt, sondern als wiederholbarer Alltagseffekt greifbar wird.
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