SCHÖNEFELD / LONDON (IT BOLTWISE) – Am BER läuft seit einigen Wochen ein testweiser Einsatz für ein KI-gestütztes Roboter-Auto namens „Roboxi“. Es sucht das Vorfeld sowie Start- und Landebahnen gezielt nach herumliegenden Kleinteilen wie Schrauben, Plastikmüll oder Asphaltbruchstücken ab. Ergänzend erfasst ein 3D-Laserscan den Zustand der Rollbahn-Oberflächen, um mögliche Schäden an Triebwerken besser zu vermeiden. Der Probebetrieb soll bis Oktober laufen und anschließend ausgewertet werden.

Am Hauptstadtflughafen BER wird die klassische Vorfeld- und Flugbetriebsprüfung schrittweise um eine automatisierte Sichtkomponente ergänzt. Seit einigen Wochen steht dort testweise das KI-gestützte Roboter-Auto „Roboxi“ im Einsatz. Der Fokus liegt nicht auf allgemeiner „Umgebungserkennung“, sondern auf einer sehr konkreten Aufgabe: Das Fahrzeug fährt über das Vorfeld sowie über Start- und Landebahnen und sucht nach herumliegenden Gegenständen wie Schrauben, Plastikmüll oder Asphalt-Bruchstücken. Damit adressiert der Flughafen ein typisches Risiko im Tagesgeschäft, das entsteht, wenn Kleinteile beim Start oder bei der Landung aufgewirbelt werden.
Technisch ist an „Roboxi“ besonders der Zusammenschluss aus Fahrstrategie und Sensorik: Für die Erkundung nutzt das System offenbar einen KI-gestützten Ansatz zur Hinderniserkennung, während parallel ein 3D-Laserscan den Zustand der Rollbahn-Oberflächen prüft. Ein 3D-Laserscan liefert im Betrieb typischerweise eine dichte Punktwolke, aus der sich Strukturabweichungen und Oberflächenunregelmäßigkeiten ableiten lassen. Genau diese Kombination aus „Was liegt da?“ und „Wie sieht die Fläche aus?“ ist für den konkreten Use Case plausibel, weil sowohl lose Fremdkörper als auch Schäden am Belag die Wahrscheinlichkeit erhöhen können, dass beim Flugverkehr Triebwerkskomponenten durch aufgewirbelte Partikel beeinträchtigt werden.
Für den Betrieb im Flughafenumfeld ist außerdem entscheidend, wie „Roboxi“ in die vorhandenen Abläufe eingebunden wird. Laut Flughafenangaben wird das Fahrzeug vom Terminal aus ferngesteuert und soll dabei die Fahrerinnen und Fahrer der sogenannten Follow-me-Fahrzeuge auf dem Vorfeld unterstützen. Diese Follow-me-Fahrzeuge begleiten typischerweise Flugzeuge im Bodeneinsatz und lotsen sie innerhalb definierter Bereiche. Wenn ein Roboter-Auto ergänzend Hindernisse identifiziert und die Rollbahnoberfläche kontrolliert, entsteht eine zusätzliche Sicherheitsstufe, die das Risiko früher adressieren kann, bevor es über einen Start- oder Landvorgang in eine reale Schadensituation übergeht.
Auch die Geschwindigkeitsangabe ordnet „Roboxi“ realistisch ein: Mit 60 Kilometern pro Stunde bewegt sich das Fahrzeug so schnell, dass es in einem Arbeitsfenster zügig größere Abschnitte abfahren kann, zugleich aber nicht im Bereich von Hochgeschwindigkeitsfahrten liegt, bei denen zusätzliche Sicherheitskonzepte und Geofencing noch stärker dominiert hätten. Der Probebetrieb ist bis Oktober angesetzt, danach will der Flughafen die Ergebnisse auswerten. Damit liegt der Schwerpunkt zunächst auf Prozessintegration und Messbarkeit im Alltag: Wie zuverlässig findet das System Kleinteile auf unterschiedlichen Abschnitten, und wie belastbar sind die Scandaten, wenn Wetter, Tageslicht und Verkehrsaufkommen variieren?
Dass die Kosten „weltweit in die Milliarden“ gehen sollen, stellt der Flughafen als Größenordnung in den Raum, um den ökonomischen Hebel der Maßnahme zu verdeutlichen. Dabei muss man diese Zahl als Einordnung verstehen: Entscheidend für die Technologieentscheidung ist weniger die absolute Höhe als der Zusammenhang zwischen vermiedenen Zwischenfällen und dem Aufwand für Betrieb, Sensorik und Auswertung. Gerade im Wartungs- und Instandhaltungskontext kann schon die Reduktion weniger Ereignisse einen spürbaren Effekt haben, weil Schäden an Triebwerken typischerweise mit hohen Reparatur- und Ausfallkosten verbunden sind. Aus Sicht der KI-Entwicklung bedeutet das: Die Schwelle für einen „Treffer“ muss so balanciert werden, dass die Bediener auf dem Terminal nicht mit übermäßigen Meldungen belastet werden, während gleichzeitig kritische Hindernisse nicht übersehen werden.
Historisch betrachtet ist der Schritt vom reinen Sichtkontrollprozess hin zu sensorbasierter Vorfeldüberwachung ein logischer Pfad: Flughäfen haben über Jahre hinweg mit Kameras, Begehungen und unterschiedlichen Messsystemen gearbeitet, aber die Automatisierung angetrieben durch KI hat vor allem das Ziel, Erkennung und Dokumentation enger zu verzahnen. „Roboxi“ zeigt dabei einen Ansatz, der nicht nur „scannt“, sondern die Ergebnisse in eine betriebliche Unterstützung übersetzt. Wenn KI-Modelle dabei auf dem Vorfeld trainiert oder nachjustiert werden, verschiebt sich der Wert oft vom einmaligen Kauf hin zu einem kontinuierlichen Verbesserungszyklus im Zusammenspiel aus Daten, Modellanpassung und operativem Feedback.
Für die Branche ist der Test am BER auch deshalb interessant, weil er ein klares Betriebsziel hat: Effizienzsteigerung bei gleichzeitiger Verbesserung der Sicherheit durch eine frühzeitige Erkennung möglicher Gefahren. Das lässt sich als Produkt- und Plattformfrage lesen: Wie skalierbar ist so ein System auf andere Flughäfen mit unterschiedlichen Layouts, aber ähnlichen Risiken? Und wie gestaltet sich der Aufwand für Integration, etwa bei der Abstimmung mit Follow-me-Abläufen und bei der Auswertung nach dem Probebetrieb bis Oktober? Wenn die Ergebnisse zeigen, dass sich die Erkennungsqualität im Alltag bestätigt, dürfte „Roboxi“ zu einem konkreten Referenzfall werden, an dem sich weitere KI-gestützte Assistenzsysteme im Flughafenbetrieb messen lassen.
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