HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Borussia Dortmund nimmt im DFB-Pokal die erste Hürde souverän. Nach einer zähen Anfangsphase setzt sich der Vizemeister beim Fünftligisten Hamburg Eimsbütteler Ballspiel Club letztlich klar mit 5:0 durch. Zur Halbzeit steht es nach einem Eigentor von Janek Wrede und Treffern von Daniel Svensson sowie Samuele Inacio bereits 4:0. Parallel zum Spiel klärt Dortmund eine wichtige Personalfrage auf dem Transfermarkt mit einer Leihe von Ethan Nwaneri.

Im Volksparkstadion, der Spielstätte des Hamburger SV, hat Borussia Dortmund den DFB-Pokalabend am Ende kontrolliert gewonnen – doch der Weg dahin war länger, als es das Ergebnis vermuten lässt. Gegen den Fünftligisten Hamburg Eimsbütteler Ballspiel Club (HEBC) dauerte es eine halbe Stunde, bis der Favorit wirklich in den Modus „zieht durch“ gefunden hatte. In der Anfangsphase wirkten die Dortmunder zwar feldüberlegen, aber lange ohne klare Abschlüsse. Das ließ dem Außenseiter Raum für erste eigene Vorstöße, die zumindest den Rhythmus störten und die Favoritenrolle nicht sofort in echte Gefahr umsetzten.
Der entscheidende Dreh kam dann ausgerechnet in einer Situation, die man eher mit Glück als mit Plan verbindet: Nach einem Schuss von Julian Ryerson lenkte HEBC-Kapitän Janek Wrede das Leder ins eigene Tor. Der Treffer fiel in der 33. Minute und machte aus Druck schließlich einen echten Vorsprung. Direkt danach beschleunigte Dortmund spürbar: Daniel Svensson traf in der 36. Minute, und nur wenige Minuten später erhöhte Samuele Inacio zwischen der 41. Minute und der Nachspielzeit der ersten Halbzeit sogar auf 4:0. Damit war die Partie im Grunde schon zur Pause entschieden – nicht, weil der Gegner aufgehört hätte zu kämpfen, sondern weil Dortmund die ersten „Kipppunkte“ konsequent in Tore übersetzte.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Richtung gleich, obwohl HEBC weiter mutig versuchte, die Zweikämpfe anzunehmen. Dortmund dominierte, brachte den Gegner weiter in die Defensive und kontrollierte die Räume besser als zu Beginn der Partie. Allerdings dauerte es, bis der nächste Treffer den Vorsprung erneut in Richtung „Klassenunterschied“ verschob. Erst in der 59. Minute war es Fabio Silva, der das 5:0 markierte. Auffällig war: Gegen einen Tiefenblock funktioniert die reine Ballbesitzlogik weniger als gegen höher stehende Gegner – Dortmund brauchte daher den Moment, in dem aus wiederholtem Anrennen ein effektiver Torabschluss entsteht. Genau diese Phase gelang dem Team nach dem frühen Eigentor deutlich leichter.
Neben dem sportlichen Verlauf lieferte auch die organisatorische Dimension eine starke Schlagzeile. Der Hamburger Stadtteilclub durfte sich über einen Zuschauerrekord freuen: Durch den Umzug ins Volksparkstadion kamen 45.917 Besucher. So viele Zuschauer waren zuvor noch nie bei einem DFB-Pokal-Spiel mit Beteiligung eines Fünftligisten. Das zeigt, wie groß die Breitenwirkung des Wettbewerbs selbst in der Runde der „Nicht-Selbstverständlichen“ sein kann: Aus einer Mannschaft, die in ihren normalen Spielbedingungen selten im Fokus steht, wird an diesem Abend ein Ereignis, das den Profi-Kosmos erreicht – mit echtem Druck, echter Kulisse und eben auch echten Möglichkeiten, sich sportlich zu zeigen.
Dass Dortmund dabei nicht in Bestbesetzung startete, ist ein zweiter Kernpunkt des Abends. Vor dem Spiel machte der Trainer Niko Kovač laut Aufstellung mehrere Änderungen gegenüber dem Bundesliga-Auftritt gegen den Hamburger SV. Unter anderem stand Alexander Meyer im Tor, während Stammkeeper Gregor Kobel nicht einmal im Kader war. Das erklärt, warum die Dortmunder in der ersten Viertelstunde nicht die gewohnte Konsequenz aus der Tiefe ausspielten: Wenn sich Formation und Rollenverteilung ändern, braucht es fast immer eine Eingewöhnungsphase. Gleichzeitig drückte der Favorit früh genug, um den Gegner langfristig nicht „frei“ werden zu lassen – und es waren gerade diese ersten Dortmunder Versuche, die HEBCs Torwart Jannik Schoon zu Paraden zwangen. Eine gute Chance durch einen Schuss von Felix Nmecha (25.) entschärfte Schoon mit starker Reaktion.
Parallel zum sportlichen Geschehen gab es eine Personalentscheidung, die für den Kaderplaner besonders relevant ist. Rund eine halbe Stunde vor dem Anpfiff meldete Dortmund die Verpflichtung von Ethan Nwaneri vom FC Arsenal als Leihe. Er soll für ein Jahr kommen und damit eine Lücke schließen, die durch den schwer verletzten Giannis Konstantelias entstanden ist. Konstantelias hatte sich beim 2:0 gegen den Hamburger SV zum Bundesliga-Auftakt am Samstag einen Kreuzbandriss zugezogen und fehlt mehrere Monate. Für Dortmund bedeutet das: Die Rotation im Offensivbereich lässt sich kurzfristig stabilisieren, während die langfristige Perspektive klar bleibt – ein Spielerwechsel nach Verletzungen ist nicht nur eine Frage des „Ersetzens“, sondern auch der Trainings- und Spielrhythmen, die in einem engen Kalender ab Ende August sofort wieder greifen.
Schon deshalb ist der DFB-Pokal für den BVB mehr als nur eine Pflichtaufgabe. Das Team nutzt solche Spiele traditionell, um die Balance zwischen Ergebnissicherheit und Entwicklung zu finden: Spieler aus dem zweiten Glied bekommen Einsatzzeit, die taktischen Abläufe können unter Wettbewerbseinfluss erprobt werden, und die Mannschaft kann nach einem frühen Rückschlag im Spielverlauf zeigen, wie schnell sie wieder „geordnet“ handelt. In Hamburg passte die Story allerdings erst nach dem Eigentor: Dort, wo Dortmund vorher noch lange Anlauf brauchte, wurde aus Dominanz nach dem 1:0 innerhalb weniger Minuten eine Serie. Für den weiteren Turnierverlauf ist das ein positives Signal, auch wenn die Gegnerqualität in den späteren Runden naturgemäß steigt.
Damit bleibt als Fazit: Dortmund hat den holprigen Start nicht dramatisiert, sondern den entscheidenden Moment zum Umschalten genutzt. Zur Pause war die Partie im Volksparkstadion mit 4:0 praktisch „durch“, in der zweiten Halbzeit folgte nur noch die punktuelle Bestätigung im 5:0. Dazu kommt ein wichtiger Transfermarkt-Effekt, der die Kaderplanung für die nächsten Monate stützt. Und HEBC erhält trotz der klaren Niederlage den seltenen Luxus eines großen Auftritts – mit einem Zuschauerrekord, der zeigt, wie viel Atmosphäre der DFB-Pokal selbst in einem solchen Vergleich erzeugen kann.
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