LONDON (IT BOLTWISE) – Fomo und Robinhood Wallet ermöglichen Memecoin-Käufe per Kreditkarte über Apple Pay oder Google Pay, ohne einen KYC-Schritt im Checkout. Dahinter steht Crossmint, das die Transaktionen als „digitale Sammlerstücke“ kategorisieren will. In einem konkreten Prüfungsfall sieht jedoch eine Bank die verwendete Merchant-Category-Logik (MCC) als unzutreffend an und will sie gegenüber den Karten-Netzwerken klären. Die Diskussion berührt damit zugleich die technische Einordnung im Zahlungsverkehr und Fragen zur Belohnung per Kartenprämien.

Wer heute in einer Social-Trading-App einen Memecoin kaufen will, erwartet häufig zwei Dinge: einen schnellen Bezahlvorgang und möglichst wenige Hürden im Konto-Flow. Genau dort setzt der Zahlungsweg an, über den Fomo und die Robinhood-Wallet-App Memecoins wie „dogwifhat“ (WIF) oder „testicle“ auch per Kreditkarte beziehen. Laut den verfügbaren Details läuft der Kauf typischerweise über Apple Pay oder Google Pay, wobei Crossmint als Infrastruktur-Partner die Token-Checkout-Schicht zwischen Karten-Netzwerk und App wallet übernimmt. Für klassische Kryptokäufe bedeutet das vor allem eine Umstellung im Prozess: Statt erst Krypto in eine externe Wallet zu transferieren und dann umzutauschen, reicht in diesen Fällen der Karten-Checkout bis in die App hinein.
Technisch betrachtet ist diese „Zero-Friction“-Kette weniger eine Frage der Blockchain als der Checkout-Integration in die mobile App. Crossmint Head of Strategy Fonz Olvera beschreibt den Ansatz so, dass die Implementierung in die App eingebettet wird und dabei die Orchestrierung über die jeweiligen Zahlungsrails (Apple Pay beziehungsweise Google Pay) zentral koordiniert wird. Im Kern geht es darum, dass der Nutzer sichtbar nur einen Token auswählt und danach über Google Pay oder Apple Pay auscheckt. Crossmint argumentiert außerdem, dass die Checkout-Produktlogik nicht über ein typisches KYC-Formular läuft, sondern dass stattdessen Anti-Fraud-Überwachung greifen soll; auf der Website ist dazu „AML (anti-money laundering) monitoring“ durch ein Team von Anti-Fraud-Experten genannt.
Genau an dieser Stelle setzt die Kontroverse an, weil Card Networks für Krypto-Transaktionen andere Codes und zusätzliche Kennzeichnungen vorsehen als für „digitale Güter“ ohne Krypto-Bezug. In den untersuchten Testfällen wurden Käufe mit WIF über Kreditkarten dem Merchant Category Code (MCC) 5815 zugeordnet; dieser Code deckt laut Visa-Dokumentation unter anderem Bücher, Filme oder digitale Kunst/Images sowie Musik ab, die in elektronischer Form geliefert werden. Visa sieht für „direct cryptocurrency purchases“ dagegen eigene Kategorien vor (genannt werden MCC 6012 oder 6051) und verlangt zudem spezielle Flags, die auf den Krypto-Charakter hinweisen. Mastercard wiederum verlangt für direkte Krypto-Käufe MCC 6051 sowie einen Kryptowährungs-Transaktions-Identifier; außerdem sind Krypto-Transaktionen in vielen Prämienprogrammen grundsätzlich von Kreditkartenpunkten ausgeschlossen.
Aus regulatorisch-technischer Sicht ist dabei weniger entscheidend, was der Käufer „fühlt“, sondern wie das Karten-System die Transaktion intern klassifiziert. Nach Angaben von Chase soll bei den Testkäufen ein falscher Code verwendet worden sein, und die Bank wolle deshalb einen Fall bei Visa eröffnen; Visa- und Mastercard-spezifische Kennzeichen für Krypto seien dabei nicht enthalten gewesen. Unabhängig davon, wie man die juristische Einordnung der zugrunde liegenden Token bewertet, führt die fehlende Flagging-Logik in der Praxis dazu, dass Kartenprämien entstehen können, obwohl vergleichbare Kategorien in anderen Fällen ausgeschlossen sind. Parallel erklärte eine Sprecherin des New Yorker Attorney General, dass das zuständige Büro den Vorgang kennt und prüft.
Crossmint versucht die Lücke über die Produkt- und Token-Kategorie zu schließen. Das Unternehmen argumentiert, bestimmte Memecoins seien „akin to collectibles“, weil der Wert im Wesentlichen durch Marktnachfrage und Spekulation bestimmt werde. Dabei wird auch auf eine SEC-Einordnung verwiesen, die WIF als Beispiel für „digital collectibles available in the markets today“ nennt; zusätzlich beruft sich Crossmint auf gemeinsame SEC- und CFTC-Leitlinien, in denen WIF genannt wird. Fonz Olvera stellt in diesem Zusammenhang heraus, dass für den Konsumenten weniger ein „Finanzinstrument“ im Vordergrund stehe als die Zugehörigkeit zu einer Community, die bei manchen Memecoins über Besitz Vorteile innerhalb der jeweiligen Gruppe vermitteln könne.
Auf der technischen und Compliance-Ebene bleibt die Frage jedoch offen, ob „collectibles“ im Zahlungsnetzwerk tatsächlich eine tragfähige Brücke zur Kartenregulatorik schlägt. Professor Yesha Yadav, Associate Dean an der Vanderbilt Law School, sieht hier eine mögliche Fehlanwendung: Die SEC-Leitlinien beträfen nicht zwangsläufig die Klassifikationslogik der Card Networks. Ihrer Einschätzung nach differenzieren die Krypto-Klassifikatoren der Netzwerke nicht zwischen Memecoin-Varianten als rechtlichem Sammlerstück oder nicht, sondern behandeln es im Kern als „virtuelle Währung“. Auch andere juristische Stimmen ordnen die regulatorische Bedeutung der Abgrenzung zwischen „digital commodities“ und „digital collectibles“ vorsichtiger ein: Wenn ein Token in regulatorischen Fokus gerät, könne am Ende eine ähnliche Behandlung stehen.
Für Unternehmen ist der Fall vor allem ein Lehrstück darüber, wie eng Zahlungsinfrastruktur, Merchant-Onboarding und Token-Eligibility zusammenspielen. Kantor, General Counsel der National Association of Convenience Stores und Mitglied der Merchants Payments Coalition, beschreibt Merchant Category Codes als typischerweise bei der Onboarding-Phase vergeben und selten nachträglich systematisch neu geprüft. Dadurch entsteht ein praktisches Risiko: Selbst wenn ein Partner die Transaktion nach eigenem Verständnis korrekt „einordnet“, reicht eine andere MCC- oder Flag-Konstellation, um in der Praxis andere Regeln auszulösen – beispielsweise beim Punktestatt oder bei AML-/Compliance-Prozessen. Zugleich betonen Zahlungs- und Infrastrukturakteure, dass im Zweifel Partnerseite und Acquirer-Seite eine entscheidende Rolle für Regelkonformität spielen und Probleme häufig im Merchant-Setup oder in der Abbildung der zugrunde liegenden Ware entstehen.
Fomo und Robinhood positionieren den Ansatz vor allem als Optimierung der User-Journey. Fomo nannte den Kaufkomfort sinngemäß „nicht anders als beim Morgenkaffee“, und verwies darauf, dass der Partner dabei helfe, frühere Barrieren für Kryptowerte abzubauen. In den vorliegenden Angaben wird außerdem berichtet, dass wöchentliche aktive Trader nach dem Launch der Crossmint-Integration deutlich zugenommen hätten, und dass Crossmint in Fomo inzwischen eine relevante Zahl von First-Time-Crypto-Buyers über den Apple-Pay-Checkout verzeichnet. Für die nächsten Monate dürfte entscheidend sein, ob die Karten-Netzwerke oder die beteiligten Acquirer die Kategoriezuordnung nachschärfen – denn genau dort entscheidet sich, ob Memecoin-Käufe weiterhin so nahtlos wie „digitale Güter“ wirken oder ob die vorgesehenen Krypto-spezifischen Flags wieder konsequent greifen.
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