OSNABRÜCK / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergibt den Deutschen Umweltpreis in diesem Jahr an die Hamburger Umweltjuristin Roda Verheyen und den Membranfilter-Ingenieur Klaus Vossenkaul. Verheyen wird für die konsequente Umsetzung klarer rechtlicher Vorgaben zum Schutz von Klima und Umwelt ausgezeichnet. Vossenkaul erhält die Ehrung für Hohlfasermembranfilter, die in Kläranlagen Mikroplastik, Krankheitserreger sowie weitere problematische Stoffe herausfiltern. Der mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Preis soll am 25. Oktober in Aachen überreicht werden.

Wer in Kläranlagen heute an den Grenzen der Abwasserreinigung stößt, schaut zunehmend auf Membranverfahren. Genau an dieser Stelle setzt der Deutsche Umweltpreis in diesem Jahr an: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeichnet eine innovative Membranfilter-Technologie aus, die auf Hohlfasermembranen basiert. Gleichzeitig würdigt die DBU mit der Hamburger Umweltjuristin Roda Verheyen eine zweite, ebenso zentrale Säule des Umweltschutzes: rechtliche Vorgaben sollen nicht als abstrakte Regelwerke enden, sondern als wirksame Mechanismen in konkreten Fällen funktionieren. Beide Preisträger teilen sich den mit insgesamt 500.000 Euro dotierten Preis, der am 25. Oktober in Aachen überreicht werden soll.
Technisch betrachtet liefern die von Klaus Vossenkaul entwickelten Hohlfasermembranfilter eine besonders zielgerichtete Antwort auf ein praktisches Problem: Rückstände aus dem Abwasser lassen sich mit klassischen Verfahren zwar reduzieren, aber nicht vollständig beherrschen. Die Membranen werden als dünne Röhrchen beschrieben, die aus Klärschlamm klares Wasser filtern. Entscheidend ist dabei die Material- und Porenarchitektur: Die Membranen bestehen aus vier Kunststoffen und besitzen so feine Poren, dass selbst problematische Stoffgruppen wie Mikroplastik und Krankheitserreger zurückgehalten werden. Zusätzlich nennt die DBU auch multiresistente Keime, die in der Praxis eine besondere Herausforderung darstellen, weil ihre Wirksamkeitsverluste bei der Behandlung ein erhöhtes Risiko im Umwelt- und Gesundheitskontext erzeugen können.
Für Betreiber von Kläranlagen ist besonders relevant, dass die Membrantechnologie nicht bei organischen Partikeln und biologischen Belastungen stehenbleibt. Laut Auszeichnung werden über die Kombination mit Aktivkohle auch Arznei- und Kosmetikrückstände aus dem Abwasser ausfiltriert. Damit zielt das System auf Stoffe, die häufig über konventionelle Reinigungsschritte nur unvollständig abgebaut werden und deshalb in der Umwelt weiterwirken können. Auch die Geometrie der Membranen spielt in der Industrielogik eine Rolle: Die Membranen sollen optisch wie Spaghetti wirken, sind hohl und etwa 1,60 Meter lang. Diese standardisierte Länge erleichtert die Integration in Filtermodule und kann dabei helfen, den Anlagenbetrieb in bestehende Prozessketten einzuweben, ohne den gesamten Standortumbau zu erzwingen.
Die zweite Preishälfte bringt den Rechts- und Umsetzungsaspekt ins Spiel. Roda Verheyen wird von der DBU dafür geehrt, dass sie abstrakte Vorgaben aus nationalem und internationalem Recht in konkrete Fälle überführt. In der Begründung wird dabei ihre Arbeit als Kommunikatorin betont: Komplexe Sachverhalte rund um Klima- und Umweltschutz sollen eine breitere Öffentlichkeit erreichen, statt in juristischen Detailfragen zu verschwinden. Verheyen ist zudem Mitglied des Hamburgischen Verfassungsgerichts; diese Position bildet im Argumentationsmuster der DBU den organisatorischen Rahmen, innerhalb dessen sie sich mit klaren rechtlichen Leitplanken auseinandersetzt. Für die Praxis der Klimapolitik ist genau das der Knackpunkt: Ohne rechtlich präzise, durchsetzbare Anforderungen bleibt Fortschritt oft verteilt und schwer messbar.
Aus Sicht der technischen Umsetzung greift die DBU dabei eine Art Doppelziel aus: neue Maßstäbe für die Abwasserreinigung sollen mit beste Wasserqualität, minimalem Energiebedarf und maximaler Platzersparnis zusammenkommen. Diese drei Faktoren sind in Kläranlagenkonzepten traditionell ein Spannungsdreieck. Mehr Reinigungsleistung kann zusätzlichen Antriebs- und Steuerungsaufwand bedeuten; kompaktere Anlagen brauchen wiederum leistungsfähige Komponenten und robuste Betriebsfenster. Die Stiftung argumentiert, dass die Technologie Kläranlagen damit „zukunftsfest“ mache. Für Unternehmen und Forschungsteams in der Wassertechnik bedeutet das: Membranmodule werden nicht nur als Laborlösung diskutiert, sondern als skalierbares Element einer Infrastruktur, die auch in Wachstums- und Sanierungsszenarien standhalten muss.
Markt- und Branchenwirkung entsteht in solchen Preisschienen oft über zwei Kanäle. Erstens senden Auszeichnungen wie der Deutsche Umweltpreis ein Signal in Richtung Projektförderung, Pilotierung und Partnernetzwerke, weil sie Risikokosten für frühe Anwendungen senken können. Zweitens verstärkt der gleichzeitige Fokus auf Recht und Technik die Umsetzungsgeschwindigkeit: Juristische Klarheit kann Förder- und Genehmigungswege strukturieren, während Membransysteme konkrete technische Vergleichswerte liefern. Wenn die DBU den Preis als eine der höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas bezeichnet, unterstreicht das zudem, dass die Auszeichnung in der Branche nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Benchmark-Charakter hat. Vor diesem Hintergrund ist der konkrete Übergabetermin am 25. Oktober in Aachen mehr als Zeremonie: Er setzt den Preisträgern einen zeitlichen Anker, an dem sich Kooperationen und Nachfolgeprojekte bündeln können.
Für die nächsten Schritte lohnt sich deshalb der Blick auf die typische „Übersetzungsarbeit“ zwischen Forschung und Betrieb: Membranen müssen dauerhaft mit realen Abwassermatrizes arbeiten, in denen sich Zusammensetzung, Temperaturen und Belastungsspitzen verändern. Ebenso entscheidet die Systemintegration darüber, wie gut die versprochene Kombination aus hoher Reinigungsleistung, geringem Energiebedarf und Platzersparnis im Alltag erreichbar bleibt. In der juristischen Perspektive gilt dasselbe Prinzip: Wenn rechtliche Vorgaben nicht nur formuliert, sondern in Entscheidungen und Verfahren übersetzt werden, entsteht für Betroffene Handlungssicherheit. Mit Verheyen und Vossenkaul bündelt der Deutsche Umweltpreis damit nicht nur zwei Lebenswerke, sondern adressiert ein Kernproblem moderner Umweltpolitik: Fortschritt entsteht dort, wo Technik in messbare Ergebnisse mündet und Recht in durchsetzbare Standards.
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