LONDON (IT BOLTWISE) – Das US-Energieministerium DOE startet eine Förderung mit bis zu 12 Mio. USD für KI-gestützte? Nein: für Forschung an space-grade Photovoltaik. Im Fokus stehen sowohl hochperformante Zellen als auch skalierbare Fertigungsprozesse und module, die in Raum- oder Nahraum-Umgebungen erprobt werden. Die Ausschreibung zielt darauf, die Lücke zwischen Laborleistung und langfristiger Haltbarkeit in geostationären Missionen zu schließen. Bewerbungen sind bis zum 8. Oktober vorgesehen, ein Webinar startet am 15. September.

Das US-Energieministerium DOE öffnet eine neue Funding-Möglichkeit für space-grade Photovoltaik und adressiert damit explizit den Übergang von irdischen Solarkonzepten hin zu Stromversorgung im Weltraum. Mit einem Gesamtvolumen von bis zu 12 Mio. USD fördert die Behörde Forschung an Zellen, an Herstellungs- und Fertigungsprozessen sowie an Testsystemen, die die besonderen Belastungen des Alls abbilden sollen. Damit erweitert das DOE seinen Photovoltaik-R&D-Fokus um eine Komponente, die in vielen Entwicklungsportfolios bisher eher am Rand stand: die Frage, wie sich Leistung, Zuverlässigkeit und Serienfähigkeit gleichzeitig erreichen lassen.
Technisch betrachtet verschiebt die Ausschreibung den Schwerpunkt von reiner Effizienz hin zu einem belastbaren Systemdesign über die Missionsdauer. In der technischen Ausschreibung wird hervorgehoben, dass sogenannte Triple-Junction-IIIV-Zellen unter Weltraumbedingungen initial Wirkungsgrade von 30% bis 33% erreichen können und für geostationäre Missionen über 15 Jahre ausgelegt sind. Gleichzeitig benennt das Dokument einen der zentralen Kostentreiber: Die Herstellung solcher Zellen kann laut Angaben im Rahmen der Ausschreibung mehr als 100-mal teurer sein als die Nennleistungskosten erdgebundener Silizium-Module. Genau an diesem Spannungsfeld setzt das Förderprogramm an – denn während erdgebundene Siliziumansätze in vielen Anwendungen dominieren, führen Strahlungsbelastungen im All bei längeren oder stärker bestrahlten Missionen zu degradationsbedingten Einschränkungen.
Damit ist auch klar, warum das DOE die Lücke beschreibt, die aus einer im Juni 2026 abgehaltenen Werkstatt abgeleitet wurde: Nach damaliger Einschätzung gibt es derzeit keine einzelne Space-PV-Technologie, die gleichzeitig hohe Performance, langfristige Haltbarkeit und zugleich skalierbare, kostengünstige Fertigung vereint. Für Projektteams bedeutet das eine doppelte Anforderung. Es reicht nicht, nur eine Material- oder Zellarchitektur mit sehr guten Laborwerten vorzulegen; gefragt sind außerdem robuste Produktionswege und Testmethoden, die sich auf der Systemebene bewähren. Gerade weil für Raumfahrtanwendungen die Lebensdauer und die Planbarkeit des Ertrags über Jahre entscheidend sind, wird eine Technologie nur dann attraktiv, wenn sie sich auch reproduzierbar fertigen und in relevanten Umgebungen validieren lässt.
Das Programm ist in zwei Topics aufgeteilt. Topic eins richtet sich auf Laborarbeiten: Es sollen hochperformante, zugleich weniger kostenintensive und langlebige space-grade Zellen entwickelt werden. Hier nennt das DOE Einzelzuwendungen von bis zu 1,5 Mio. USD. Topic zwei konzentriert sich stärker auf die Umsetzung: Gefördert werden hochvolumige Fertigungsprozesse sowie Modul-Prototypen, die von Dritten validiert und in Raum- oder Nahraum-Umgebungen getestet werden. Dafür sind im Rahmen der Ausschreibung ebenfalls Zuwendungen von bis zu 2 Mio. USD möglich. Die Laufzeit kann bis zu drei Jahre betragen, was Teams eine durchgängige Arbeit von der Materialoptimierung bis zur Validierung ermöglichen soll – und nicht nur einzelne Teilschritte.
Zur organisatorischen Abwicklung nutzt das DOE den Intermediär TechWerx, der als Partnerschaftsvermittlung betrieben wird, und der wiederum von RTI International getragen wird. Antragsberechtigt sind in den Angaben US-amerikanische Universitäten, Nonprofit-Organisationen sowie for-profit Unternehmen. Für Bewerbungen im Fertigungs-Topic fordert das DOE zusätzlich den Nachweis, dass die vorgeschlagene Technologie auch kommerzialisierbar ist – ein Signal, dass die Behörde nicht nur Grundlagenforschung finanzieren will, sondern auch den Weg in Richtung industriell skalierbarer Fertigung adressiert. Der Blick auf reale Einsatzzahlen unterstreicht den Grund: Öffentlich verfügbare Daten zu Verkäufen von space-grade PV sind knapp, aber die globale Zahl von Raumfahrt-Deployments liegt laut einem jährlichen Review bei 4.544 Raumfahrzeugen für 2025, was einem Wachstum von 54% gegenüber 2024 entspricht. Ob sich dieser Trend 1:1 in den PV-Bedarf übersetzt, bleibt zwar eine offene Frage, dennoch zeigt die Entwicklung, dass das Zeitfenster für skalierbare Herstellbarkeit enger werden kann.
Für Unternehmen und Forschungsgruppen ergeben sich daraus konkrete Projektentscheidungen rund um Teststrategie und Produktionsrealität. Wer in Topic zwei antritt, muss nicht nur Zellen liefern, sondern Fertigungsschritte so beschreiben, dass sie als Grundlage für modulare Prototypen dienen können, die anschließend validiert und in relevanten Umgebungen getestet werden. Das DOE plant dafür einen Informationswebinar-Termin am 15. September um 1 p.m. ET, gefolgt von Office-Hours am 29. September und am 6. Oktober, jeweils um 3 p.m. ET. Die Einreichfrist endet am 8. Oktober um 11:59 p.m. ET; als nächster Schritt werden Benachrichtigungen für Dezember erwartet, während die Verhandlungen zu den Förderverträgen für Januar und Februar 2027 vorgesehen sind. Für den Markt bedeutet das: Wer jetzt die Technologiepfade verbindet – vom III-V- oder Silizium-Ansatz über die Fertigungsfähigkeit bis zur validierten Raum-Performance – kann seine Position in einem Bereich stärken, der zunehmend als strategische Komponente der Raumfahrt-Energieversorgung betrachtet wird.
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