INNSBRUCK / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Innsbrucker GreenTech-Startup Serwas Technologies hat knapp 300.000 Euro Pre-Seed-Kapital für den Ausbau seiner ersten Pilotanlage eingesammelt. Das Unternehmen nutzt serverbasierte Abwärme, um Gebäude und Warmwasser zu beheizen, statt sie wie in klassischen Rechenzentren ungenutzt abzuführen. Die Pilotanlage soll im Amraser Schwimmbad in Innsbruck weiter ausgebaut werden. Für Oktober ist ein weiteres Closing geplant, um zusätzliches Wachstumskapital zu gewinnen.

Serwas Technologies sammelt 300.000 Euro für KI-Wärme aus Servern in Innsbruck
Serwas Technologies sammelt 300.000 Euro für KI-Wärme aus Servern in Innsbruck (Foto: IT BOLTWISE)
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Serwas Technologies setzt bei der Finanzierung auf eine frühe, aber ambitionierte Etappe: Nach dem ersten Closing der Pre-Seed-Runde stehen dem Innsbrucker GreenTech-Startup knapp 300.000 Euro frisches Kapital zur Verfügung. Ziel ist nicht nur ein weiterer Ausbau der Technik, sondern auch die Skalierung des Standorts. Konkret will Serwas zusätzliche Standorte erschließen und die erste Pilotanlage im Amraser Schwimmbad weiter ausbauen. Damit rückt ein Geschäftsmodell in den Fokus, das digitale Rechenleistung unmittelbar mit der lokalen Wärmeversorgung verbindet.

Technisch betrachtet kombiniert Serwas dafür zwei Arbeitsbereiche, die in vielen IT-Projekten bislang getrennt geplant werden: Rechenbetrieb im Gebäude und die Nutzung der dabei entstehenden Abwärme. Das Unternehmen betreibt Server direkt an Orten mit konstantem Wärmebedarf – etwa Schwimmbädern, Hotels, Pflegeeinrichtungen oder größeren Wohnanlagen. Anders als bei klassischen Rechenzentren, in denen Wärme häufig vor allem über Lüftungssysteme abgeführt wird, nutzt Serwas die entstehende Abwärme aktiv. Die Wärme wird nicht „entsorgt“, sondern in den Energiefluss vor Ort eingespeist, sodass sich Heizung und Warmwasserbereitung auf eine neue Quelle stützen können.

Den zentralen Hebel sieht das Startup in einer eigens entwickelten Kühllogik: Die Technologie leitet Wärme unmittelbar aus den Servern ab und überführt sie in bestehende Heizsysteme. Dadurch kann die Rechenkapazität gleichzeitig als Service für externe Kunden verfügbar gemacht werden, während die Gebäudeinfrastruktur den thermischen Nutzen übernimmt. Wichtig ist dabei auch der Betriebsaspekt: Serwas betreibt die Anlagen selbst und übernimmt zudem die Einbindung in die jeweilige Gebäudetechnik. Das reduziert für Betreiber den Integrationsaufwand, weil sie nicht mehrere Gewerke koordinieren müssen, sondern einen Anbieter für den gesamten Kreislauf erhalten.

Für die Marktseite ist die Timing-Komponente ebenso relevant wie die technische Idee. Das erste Closing wurde von Gateway Ventures angeführt; als weitere Mitinvestoren werden Business Angels aus dem Netzwerk des Pioneers Club sowie das MCI Innsbruck genannt. Zudem plant Serwas für Oktober ein weiteres Closing, um zusätzliche Geldgeber zu gewinnen und weiteres Wachstumskapital aufzunehmen. Gerade in der Pre-Seed-Phase geht es dabei oft um zwei Dinge gleichzeitig: die Weiterentwicklung einer Pilot-Implementierung und die Vorbereitung auf Folgestandorte mit reproduzierbaren Betriebsabläufen.

Historisch betrachtet sind dezentrale Rechen- und Heizkonzepte nicht neu. In der Praxis scheitert die Umsetzung jedoch häufig an Schnittstellen: Wie wird Wärme transportiert, wie wird die Kühlung an wechselnde Lasten im Serverbetrieb angepasst, und wie passt das in bestehende Heizkreisläufe? Serwas versucht diese Hürden über einen „Integrated-Loop“-Ansatz zu adressieren: Serverbetrieb und Wärmeverwertung sollen so eng gekoppelt sein, dass die Energie nicht nur theoretisch nutzbar ist, sondern im Alltag zuverlässig in Heizung und Warmwasser einfließt. Als Pilotstandort wählt das Unternehmen das Amraser Schwimmbad in Innsbruck – eine Umgebung mit planbarem Wärmebedarf, die damit als realer Test für Wiederholbarkeit dient.

Für Unternehmen, die KI-Entwicklung und IT-Betrieb planen, lässt sich daraus eine neue Kosten- und Effizienzperspektive ableiten. Statt Rechenleistung als reinen Strom- und Kühlkostenblock zu betrachten, verschiebt das Modell einen Teil der Wertschöpfung in Richtung thermischer Nutzung. Gerade wenn ein Standort ohnehin eine kontinuierliche Wärmenachfrage hat, kann die Abwärme zu einem Baustein in der Energiearchitektur werden. Gleichzeitig bleibt aber entscheidend, wie gut sich die Lösung an unterschiedliche Gebäude- und Heizungsgegebenheiten anpassen lässt – denn genau diese Anpassungsfähigkeit bestimmt, ob aus einer Pilotanlage mehrere Standorte mit vergleichbarem Betriebserfolg werden.

Im nächsten Entwicklungsschritt wird Serwas besonders an der Kombination aus Skalierung und Betriebsstabilität gemessen werden. Das zusätzliche Closing im Oktober deutet darauf hin, dass das Startup bereits nächste Standorte im Blick hat und dafür finanziellen Puffer einplant. Für die Umsetzung in der Praxis wird es darauf ankommen, die Anlagenintegration pro Objekt zu standardisieren, während die Kühllogik und Wärmeauskopplung auch bei variierenden IT-Lasten funktionieren. Wenn Serwas diesen Spagat gelingt, könnte die Verbindung aus KI-relevanter Rechenleistung und lokaler Energieversorgung ein konkretes Beispiel dafür werden, wie dezentrale Infrastruktur stärker mit Gebäudetechnik zusammenspielt.


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