LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bank of America sieht Künstliche Intelligenz als neuen Nachfragetreiber für Cybersecurity und begründet das mit einer wachsenden Angriffsfläche. KI-Agenten könnten systemübergreifend Schwachstellen finden und Angriffe deutlich schneller ausführen. In der Folge steigt laut Bank der Bedarf, Identitäten, Zugriffsrechte, Daten und Cloud-Anwendungen konsequenter abzusichern. Gleichzeitig stuft die Bank SentinelOne und Zscaler weiter mit „Buy“ ein, während SailPoint neutral bewertet bleibt.

Bank of America: KI vergrößert Angriffsfläche – Cybersecurity-Käufe rücken in Fokus
Bank of America: KI vergrößert Angriffsfläche – Cybersecurity-Käufe rücken in Fokus (Foto: IT BOLTWISE)
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Künstliche Intelligenz wird in der Cybersecurity inzwischen weniger als abstraktes Risiko diskutiert, sondern als Faktor, der das Angriffsbild messbar verändert. Genau diese Verschiebung nimmt die Bank of America in den Mittelpunkt: KI-Agenten sollen sich systemübergreifend bewegen können, Schwachstellen identifizieren und Angriffe mit höherer Geschwindigkeit durchführen. Für Unternehmen heißt das nicht nur mehr „Traffic“ im Incident-Management, sondern vor allem mehr Angriffsflächen in Prozessen und Umgebungen, die bisher nicht im gleichen Maße priorisiert wurden: Identitäten, Zugriffsrechte, Datenflüsse und Cloud-Anwendungen rücken deutlich stärker in den Fokus der Schutzkonzepte.

Der Kern der Argumentation liegt damit auf der Operationalisierung. Wenn KI-gestützte Angriffswege schneller werden, müssen Security-Teams auch ihre Detektion und Steuerung beschleunigen. In der Bank-Logik wird aus einer klassischen defensiven IT-Ausgabe eine Grundlage für KI-Einsatz überhaupt: Erst wenn Systeme stabil überwacht und Risiken entlang von Identitäten, Rechten und Datenkonturen kontrolliert werden, lassen sich KI-Workloads in Unternehmen breiter betreiben. Das wird in den Bewertungen sichtbar, die die Bank in ihrem Bericht herleitet: Der Median des Verhältnisses von Unternehmenswert zu den für 2027 erwarteten Umsätzen im Cybersecurity-Sektor stieg innerhalb von zwei Monaten von 4,5 auf 5,8, der Durchschnitt von 7,0 auf 9,0. Solche Bewertungsanpassungen sind selten nur „Stimmung“; sie spiegeln typischerweise die Erwartung wider, dass der Marktwachstumsbeitrag stärker wird als zuvor angenommen.

Bei SentinelOne stützt die Bank of America ihre fortgesetzte Einstufung mit „Buy“. Auffällig ist dabei der Verweis auf die Rolle von KI-, Daten- und Cloud-Produkten: Laut Bank entfallen inzwischen rund die Hälfte der jährlichen wiederkehrenden Umsätze auf diese Bereiche. Technisch betrachtet deutet das auf eine stärkere Plattformorientierung hin, bei der Security-Funktionen in einem KI-basierten System gebündelt werden sollen, statt in isolierten Modulen zu bleiben. Konkreter wird es durch die „Singularity“-Plattform, die Sicherheitsfunktionen zusammenführen und eine automatisierte Bedrohungserkennung ermöglichen soll. Ergänzend nennt die Bank SentinelOne-Features wie „Purple AI Agentic Investigation“ für autonome Sicherheitsanalysen, außerdem wird eine Integration der Lösungen in Amazon Bedrock AgentCore in Aussicht gestellt.

Auch Zscaler bleibt im „Buy“-Raster, allerdings mit einer anderen Schwerpunktsetzung. Die Bank ordnet das Unternehmen in die Felder Zero Trust, Netzwerktransformation und KI-gestützte Arbeitsabläufe ein. Für die Marktlogik dahinter ist entscheidend, dass sich der zu schützende Bereich erweitert: Verteilte Nutzer, Cloud-Anwendungen und neue KI-Systeme vergrößern die Fläche, die Unternehmen absichern müssen. In diesem Kontext argumentiert die Bank, dass die cloudbasierte Architektur und die erweiterten KI-Funktionen von Zscaler eine höhere Bewertung stützen. Der Punkt ist weniger Marketing als Architektur: Cloud-first-Modelle versprechen typischerweise eine schnellere Anpassung von Sicherheitskontrollen an dynamische Topologien, etwa wenn neue Workloads, Umgebungen oder Integrationen hinzukommen.

Ganz anders fällt das Bild bei SailPoint aus. Die Bank bestätigt dort die Einstufung „Neutral“ und begründet das mit Blick auf die Umsetzung: Die Verwaltung digitaler Identitäten gewinnt an Bedeutung, weil Maschinenidentitäten und Cloud-Anwendungen zusätzliche Zugriffsrisiken schaffen. SailPoint adressiert das laut Bericht mit seiner „Agentic Fabric“ und zudem mit der Übernahme des auf nicht menschliche Identitäten spezialisierten Unternehmens Entro Security. Genau hier liegt für Investoren jedoch der Risikofaktor: Neue Produkt- und Integrationspfade müssen zunächst die versprochenen Use Cases in der Praxis erreichen, etwa bei Genauigkeit, Stabilität und Automatisierungsgrad. Wenn die Umsetzung stockt, bleibt der Mehrwert hinter den Erwartungen zurück, selbst wenn das Marktproblem grundsätzlich groß ist.

Für den Anlegerblick ergibt sich daraus ein konsistentes Bild mit mehreren Ebenen. Erstens: Die Bank of America bewertet den Bedarf nach Plattformen, die KI-Systeme überwachen und steuern können, als strukturell wachsend. Zweitens: Die Analysten erwarten zusätzliche Bewertungsaufschläge aber nicht automatisch, sondern knüpfen sie an drei Bedingungen: Anbieter müssen die zusätzliche Nachfrage in mehr Aufträge, steigende wiederkehrende Umsätze und einen größeren adressierbaren Markt umwandeln. Drittens: Die Bank hebt Kursziele für SentinelOne, SailPoint und Zscaler an, gleichzeitig betont sie, dass in den Branchenbewertungen bereits erhöhte Erwartungen eingepreist sein können. Das macht die Lage für neue Käufer anspruchsvoller, denn es reicht dann nicht, „im Trend“ zu liegen; Unternehmen müssen den Trend auch mit Zahlen und Tempo unterlegen.

Damit rückt eine technische Frage in den Vordergrund, die in vielen Security-Strategien bislang nur halb beantwortet ist: Wie gut lässt sich Sicherheit so operationalisieren, dass sie die KI-Entwicklung nicht ausbremst? Wenn Angriffe schneller und KI-Workflows komplexer werden, gewinnt die Fähigkeit zur kontinuierlichen Kontextbildung an Bedeutung, also zu wissen, welche Identität gerade welche Ressource nutzt, welcher Datenstrom relevant ist und wo Abweichungen beginnen. Genau diese Kette aus Identität, Berechtigung, Datenkontrolle und automatisierter Analyse trennt in der Praxis oft „Tool-Sammlung“ von einer echten Plattform. Aus Sicht der Bank of America ist Künstliche Intelligenz damit nicht nur ein Thema für Verteidiger, sondern ein Faktor, der die Sicherheitsbranche in Richtung engerer Automatisierung und stärkerer Plattformintegration drückt.


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