ESSEN-VOGELHEIM / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Entwicklungsgesellschaft Freiheit Emscher (FEEG) hat den Baustart für die innere Erschließung des Gewerbegebiets Emil Emscher auf dem ehemaligen Bergbaustandort markiert. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen nahmen am Spatenstich teil. Das Vorhaben wird mit insgesamt 31 Millionen Euro aus dem Just Transition Fund (JTF) und Landesmitteln unterstützt. Der Hauptabschnitt startet im zweiten Quartal 2027, die vollständigen Baumaßnahmen sollen bis Ende 2028 abgeschlossen sein.

Der Spatenstich für das Gewerbegebiet Emil Emscher in Essen-Vogelheim wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer kommunaler Baustart. Technisch und wirtschaftlich ist er aber vor allem ein sichtbarer Schritt in Richtung neuer Industrie- und Wissensstandorte auf einem Altstandort, der lange vom Bergbau geprägt war. Emil Emscher gehört zu fünf zentralen Entwicklungsflächen des interkommunalen Stadtentwicklungsprojekts Freiheit Emscher. Auf rund 19 Hektar soll ein modernes Gewerbegebiet entstehen, das sowohl wissensbasierte Unternehmen als auch Produktionsbetriebe aufnehmen kann – und damit im Essener Norden sowie im Bottroper Süden eine Lücke schließt, die der Strukturwandel dort hinterlassen hat.
Die Finanzierung zeigt dabei, wie stark die Entwicklung als abgestimmtes Programm gedacht ist: Für Emil Emscher stellt das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE), gemeinsam mit der Europäischen Union insgesamt 31 Millionen Euro bereit. Diese Mittel kommen aus dem Just Transition Fund (JTF) sowie aus Landesmitteln. Das übergeordnete Gesamtprojekt Freiheit Emscher wird wiederum aus dem EFRE/JTF-Programm NRW 2021-2027 mit rund 78 Millionen Euro gefördert. Für Unternehmen und Projektpartner ist das vor allem deshalb relevant, weil solche Budgets Planungssicherheit schaffen: Ohne gesicherte Mittel lässt sich die innere Erschließung – also Straßen, Ver- und Entsorgung sowie Freiraumlogik – kaum in der notwendigen Tiefe vorantreiben.
Der Entwicklungsplan bis 2028 zeigt zudem, wie stark der Umbau eines ehemaligen Zechengeländes in Bauabschnitte, Koordination und ökologische Ausgleichsmaßnahmen zerlegt werden muss. Das Areal wird laut Konzept der Planungsbürros INGPLAN und AE7 in fünf Zonen gegliedert: die Gewerbeflächen, die inneren Verkehrsflächen mit zwei Planstraßen zur Erschließung, die „Grünen Finger“ als verbindende Grün- und Wegeverbindungen, außerdem ein Biotop sowie ein Waldgebiet im Norden. Die erste Bauphase konzentriert sich auf Rodungs- und Baumfällarbeiten sowie auf die Schaffung eines Ausgleichsbiotops – mit Blick auf geschützte Tierarten wie die Kreuzkröte. Damit wird früh eine Voraussetzung geschaffen, damit der spätere Ausbau nicht in Konflikte mit Artenschutz und Flächenlogik gerät.
Ab dem zweiten Quartal 2027 folgt dann der Hauptabschnitt: Die Gewerbeflächen sollen baureif gemacht werden, parallel entstehen Versorgungs- und Entsorgungssysteme, interne Straßen sowie Grünflächen. Die vollständigen Baumaßnahmen sollen bis Ende 2028 abgeschlossen sein; anschließend ist die Übergabe der ersten drei Baufelder an die Eigentümer geplant, wobei der Zugang früher ermöglicht werden soll. Für die Praxis bedeutet das: Betreiber und Flächeninteressenten können nicht erst am Ende einsteigen, sondern erhalten in mehreren Schritten Perspektive. Genau diese schrittweise Übergabe ist in der Standortentwicklung oft entscheidend, weil sie den Weg von der Grundstücksverfügbarkeit zu konkreten Bau- und Implementierungsprozessen verkürzt.
Ein besonderes technisches Gewicht liegt auf dem Wassermanagement – Stichwort Starkregenschutz. Das Konzept sieht zehn Meter breite Grünstreifen sowie ausgedehnte Grün- und Parkanlagen im nördlichen Bereich als primäre Pufferzone vor, um Regenwasser kontrolliert zurückzuhalten. Entlang der zentralen Erschließungsstraße soll Regenwasser in Mulden versickert, in unterirdischen Rigolen zwischengespeichert und anschließend kontrolliert in Regenwasserkanäle abgeleitet werden. So lässt sich das Gewerbegebiet auch bei extremen Starkregenereignissen stabil schützen, statt nur auf „Mengen durchzuleiten“ zu setzen. Dazu passt die Idee der Kreislaufwirtschaft: Teile des Bodens, der im Zuge der 2023 abgeschlossenen Flächensanierung durch die RAG Montan Immobilien (RAG MI) abgetragen wurde, sollen für die Auffüllung der Gewerbeflächen wiederverwendet werden.
Politisch und gesellschaftlich wird das Projekt als Hebel für mehrere Stadtteile beschrieben: Oberbürgermeister Thomas Kufen nennt Altenessen, Karnap und Vogelheim als Schlüsselräume für die ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung. Emil Emscher dient dabei als konkretes Beispiel für eine Entwicklung, die durch Landes- und EU-Unterstützung erst an Tempo gewinnen kann. Ergänzend zur Standortentwicklung bereiten Stadt und Projektpartner weitere Elemente der Infrastruktur vor: Mit JTF-Mitteln soll der Bau des Gewerbeboulevards als äußere Erschließung in Essen erfolgen. Weitere Teilbereiche im Gesamtprojekt werden ebenfalls sichtbar vorangebracht, etwa die Bodensanierung des ehemaligen Kohlenlagers Coelln-Neuessen durch die RAG MI sowie die erwartete Satzung für den Bebauungsplan der Fläche Welheimer Mark in Bottrop bis 2027. Daneben laufen Ausbauarbeiten am Gewerbeboulevard in Bottrop und die Renaturierung der Aspelflöße durch die Emschergenossenschaft.
Für Unternehmen, die sich perspektivisch ansiedeln oder Lieferketten aufbauen wollen, verdichtet sich aus all diesen Bausteinen eine klare Botschaft: Standortentwicklung ist hier nicht nur „Fläche bereitstellen“, sondern ein Paket aus Bauphasen, Erschließungslogik und robustem Umwelt-Engineering. Das wirkt auch organisatorisch: Planungs-, Bau- und Infrastrukturpartner müssen die Bauabschnitte so takten, dass ökologische Ausgleichsmaßnahmen, Starkregenschutzsysteme und Kreislaufprozesse zusammenpassen. Wenn die ersten Baufelder wie geplant früher Zugang erhalten, können Projektteams schneller von der Planung in die Umsetzung wechseln – und der Standort Emil Emscher wird zu einem realen Produktivitätsversprechen für den Essener Norden statt zu einem reinen Zukunftsbild.
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