LONDON (IT BOLTWISE) – Der Xteink X3 bringt einen E-Reader mit 3,7-Zoll-E-Ink-Display und nur 58 Gramm Gewicht auf den Markt. Statt USB-C setzt der Hersteller auf einen vierpoligen, magnetischen Pogo-Pin-Anschluss und liefert eine 16-GB-MicroSD-Karte mit. In der Praxis stechen die sehr kompakte Bauform und das scharfe Display hervor, während die Standard-Software bei PDF und Zeichencodierung noch Schwächen zeigt. Wer die Bedienung und die Silbentrennung optimieren will, kann mit Crosspoint Reader deutlich nachlegen.

Der Xteink X3 zielt nicht auf Komfort, sondern auf maximale Portabilität. Mit 97,6 × 63,7 × 5,1 mm (HxBxT) und rund 58 Gramm Gewicht wirkt der E-Reader eher wie ein ungewöhnlich flaches Gadget als wie ein klassisches Lesegerät. Genau deshalb ist auch das Konzept „überall dabei“ so glaubwürdig: Das Display bleibt mit 3,7 Zoll klein, aber die Haptik und Verarbeitungsqualität werden im Test als sehr ordentlich beschrieben. Die Pixeldichte von 259 ppi sorgt dabei für eine überraschend scharfe Darstellung, auch wenn man zwangsläufig viel öfter umblättert als bei größeren Geräten.
Technisch fällt zuerst auf, dass der X3 auf zwei Features verzichtet, die viele Käufer für selbstverständlich halten: eine Displaybeleuchtung und einen Touchscreen gibt es ab Werk nicht. Die Bedienung läuft komplett über Tasten, und zwar mit physischem Feedback: Die Knöpfe reagieren mit einem angenehmen Druckpunkt, Blättern ist links und rechts möglich und unterstützt damit auch die Bedienlogik für Einhand-Nutzung. Darüber hinaus sitzt auf der Front ein rechter Tastenstreifen, während links Funktionen für das Menü hinterlegt sind. Die gleiche Konsequenz zeigt sich beim Anschluss: Statt USB-C verwendet das Gerät einen vierpoligen, magnetischen Pogo-Pin. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber im Alltag kann ein magnetisches Kabel ebenfalls zuverlässig sein, sobald es einmal eingespielt ist.
Beim Speicher und bei der Datenübertragung setzt Xteink stärker auf „wartungsarme“ Workflows. Im Lieferumfang ist eine 16-GB-MicroSD-Karte enthalten, die sich gegen bis zu 256 Gigabyte austauschen lässt. Für die drahtlose Synchronisierung bringt der Reader WLAN mit, und die Smartphone-App erlaubt einen Cloud-Sync über einen Nutzeraccount. Der Funktionsumfang der App ist dabei nicht auf reine Übertragung reduziert: Unter anderem werden mehrere Dateiformate unterstützt, darunter EPUB, TXT, PDF, MOBI sowie spezifische Xteink-nahe Varianten (XTC, XTCZ, XTCH, XTH und XTG). Wenn die App erkennt, dass eine Datei in eine für den X3 geeignete Darstellung umgewandelt oder angepasst werden muss, passiert dieser Schritt laut Test ebenfalls automatisch.
In der Testpraxis zeigte sich allerdings, dass „kompatibel“ nicht automatisch „problemlos“ heißt. Als Beispiel wurde ein PDF aus dem Umfeld eines E-Papers zum Umwandeln und anschließenden Lesen auf dem kleinen Display genutzt: Das Ergebnis war zwar optisch in Ordnung, jedoch nicht zuverlässig lesbar. Statt dynamischer Zeilenumbrüche und anpassbarer Schriftgröße erhielt das Dokument offenbar eine für den Reader ungünstige Struktur, wodurch die Inhalte zu groß für den Bildschirm blieben. Zusätzlich gab es Auffälligkeiten bei Umlauten. Hier nennen die Testbeobachtungen als potenzielle Ursache die Schriftverarbeitung in der Standard-Software, die sich durch das Installieren eigener Schriftarten ggf. umgehen lässt. Daneben macht das Firmware-Thema Hoffnung: Aus Nutzerberichten wird beschrieben, dass das System mit jedem Firmwareupdate kontinuierlich verbessert wurde, sodass sich manche genannten Probleme inzwischen erledigt haben könnten.
Für spürbares Upgrading sorgt aber vor allem Crosspoint Reader, eine alternative Open-Source-Firmware. Der Wechsel wird im Test als erhebliche Verbesserung der Bedienung und der ePub-Darstellung beschrieben. Besonders relevant ist dabei die Silbentrennung: Auf dem 3,7-Zoll-Display macht gerade sie den Unterschied zwischen „lesbar, aber anstrengend“ und „man bleibt wirklich dran“. Ebenso wird eine gezielte Anpassung des Abstands zwischen Buchstaben hervorgehoben, wodurch das Schriftbild ruhiger und gleichmäßiger wirken soll. Dazu kommt ein Plug-in-System, das über den reinen Dateitransfer hinausgeht: Im Test wird genannt, dass sich DRM-geschützte Inhalte aus dem Umfeld von Kobo sowie über Libby/Overdrive beziehen lassen. Wer zudem seine Bibliothek am Computer verwaltet, kann den X3 auch über Calibre anbinden, wodurch der Reader zumindest teilweise in eine bestehende E-Book-Organisation integriert wird.
Auch bei der Synchronisierung und bei visuellen Einstellungen legt Crosspoint nochmals nach. Wie die Xteink-Software bietet auch diese Firmware die Möglichkeit, Daten über Browser und WLAN mit dem Gerät zu synchronisieren. Zusätzliche Optionen reichen von mehr Oberflächenthemes über die Anpassung des Power-Button-Verhaltens bis hin zu eigenen Refresh-Intervallen für das E-Ink-Display; außerdem gibt es einen Dark Mode. Selbst das „Risiko-Argument“ des Flashens wird adressiert: Ja, ein Firmwarewechsel kann im Fehlerfall zu Problemen führen, aber die Beschreibung im Test rahmt den X3 nach dem Crosspoint-Upgrade als eine kleine offene E-Book-Plattform. Bei der Akkulaufzeit nennt der Hersteller einen 650-mAh-Akku, der bei 1 bis 3 Stunden Lesen pro Tag etwa 10 bis 14 Tage halten soll. Eigene Messungen im Test stützen diese Annahme teilweise stärker: Nach einem Monat mit im Schnitt etwa einer Stunde Lesezeit pro Tag waren noch mehr als drei Viertel der Akkuladung übrig.
Am Ende muss der Xteink X3 wie ein bewusstes Nischenprodukt eingeordnet werden. Seine Stärken sind das extrem kleine und leichte Gehäuse, die solide Verarbeitung, das scharfe E-Ink-Display sowie die physischen Blättertasten, die das Konzept „sofort weiterlesen“ unterstützen. Dafür nimmt man Kompromisse in Kauf, insbesondere das Fehlen von Beleuchtung und Touch. Dass das kleine Display häufiger Umblättern verlangt, wird im Test nicht als entscheidender Nachteil gewertet, solange man es als Gerät für kurze Lese-Sessions versteht. Zudem wird das Pogo-Pin-Design akzeptiert, obwohl viele Nutzer USB-C erwarten. Für Menschen, die „einfach einen E-Reader“ wollen, bleibt der Markt mit etablierten Plattformen und Ökosystemen naheliegend. Wer dagegen einen Reader sucht, der buchstäblich in fast jede Tasche passt, findet im X3 ein ungewöhnliches und technisch aufwertbares Gerät – vor allem dann, wenn Crosspoint Reader zur Standard-Software wird.
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