HANOI / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Vietnam National University, Hanoi startet „RND to Startup 2026“ als integriertes Programm von der Problemdefinition bis zum Marktzugang. Der Wettbewerb richtet sich an Studierende ab 16 Jahren und an Teams mit Forschungsprojekten, Erfindungen oder technischen Lösungen. Organisatoren versprechen Unterstützung für Prototypen, Geschäftsmodelle und Markttests statt nur einen reinen Ideenpokal. Ausgerichtet ist das Format auf zwei Reifestufen, Idea Track und Projekt-Track.

Für viele Forschungsgruppen endet die Zusammenarbeit mit der Industrie früher als gewünscht: Zwar entstehen im Labor messbare Ergebnisse, doch der Schritt von einer wissenschaftlich belastbaren Arbeit hin zu einem Produkt mit zahlungsfähigem Marktbedarf bleibt häufig der Engpass. Genau an dieser Lücke setzt „RND to Startup 2026“ an, das die Vietnam National University, Hanoi am 4. September in Hanoi ins Leben gerufen hat. Das Programm wird von drei Partnern getragen: dem Innovations- und Unternehmertumsinkubator VISI der Hochschule, dem Wissenstransfer- und Unternehmertumsunterstützungszentrum VNU-CSK sowie Sunwah Innovations (Vietnam) unter der Leitung der Vietnam National University, Hanoi.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Zielgruppe, sondern die Architektur des gesamten Prozesses. Der Wettbewerb bleibt nicht bei typischen Pitch-Runden stehen, sondern begleitet Projekte über den kompletten Zeitraum hinweg: von der Forschung und der sauberen Problemdefinition bis zur Produktentwicklung und zum Marktzugang. Offen ist das Format für vietnamesische Studierende ab 16 Jahren – darunter Bachelor-, Master- und Promotionsstudierende, Forschende sowie Studierende aus dem Ausland. Zugelassen sind außerdem Gruppen mit Ideen, wissenschaftlichen Forschungsprojekten, Erfindungen, technologischen Lösungen oder innovativen Modellen, die nach einer Weiterentwicklung das Potenzial haben, zu marktreifen Produkten zu werden.
Der Aufbau der Unterstützung zielt auf mehrere praktische Hürden im Startup-Engineering. Laut den Organisatoren erhalten Teilnehmende Hilfe bei der Verfeinerung ihrer Problemlösungsfähigkeiten, beim Abgleich mit realen Bedarfen und bei der Ausarbeitung von Prototypen. Dazu kommt die Erstellung von Geschäftsmodellen sowie das Training von Präsentationskompetenzen vor einem Expertengremium. Damit adressiert das Programm eine typische Kette aus Annahmenfehlern: Was im Forschungsumfeld als „funktioniert“ gilt, muss im Produktkontext oft erst in wiederholbaren Testschleifen validiert werden, etwa über MVP-Logik (Minimum Viable Product), Nutzerfeedback und belastbare Kosten- und Implementierungsannahmen.
In seiner Eröffnungsrede machte der stellvertretende Direktor der Vietnam National University in Hanoi, außerordentlicher Professor Pham Bao Son, deutlich, dass Start-up-Projekte immer häufiger aus Forschung, technischen Lösungen und konkreten Bedürfnissen entstehen – gleichzeitig aber neue Antworten verlangen. Innovatives Unternehmertum beschreibt er dabei als Fähigkeit, Wissen in Produkte, Dienstleistungen und sozioökonomischen Wert zu überführen. Zentral ist außerdem die Aussage, dass ein wirksames Startup-Ökosystem Verbindungen zwischen Studierenden, Wissenschaftlern, Laboren, Unternehmen und Investoren braucht. Erst wenn diese Akteure enger zusammenarbeiten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Forschungsergebnisse den akademischen Raum verlassen und in Lösungen münden, die der Gesellschaft dienen.
„RND to Startup 2026“ trennt die Teams deshalb nach Reifegrad, um frühe Erkenntnisrisiken nicht gegen bereits getestete Produktansätze auszutauschen. Der Idea Track richtet sich an Teams, die sich noch in der Ideenfindungsphase befinden oder gerade mit ihrer Recherche beginnen und noch kein vollständiges Produkt, MVP oder echte Kunden haben. Der Projekt-Track ist für Teams gedacht, die sichtbare Fortschritte vorweisen können, zum Beispiel über Prototypen, Forschungsergebnisse, ein Testprodukt oder bereits erste Nutzer und Markterreichung. Die thematischen Kategorien sind bewusst breit und umfassen unter anderem KI und digitale Transformation; Bildung; Gesundheit und Gesundheitswesen; Landwirtschaft und Ernährung; Umwelt und nachhaltige Entwicklung; Industrie, Ingenieurwesen und Robotik; sowie Kultur, Kreativität und Gesellschaft – also Bereiche, in denen Anwendungspotenzial und Neuheit oft eng zusammenliegen.
Auch die Bewertungslogik folgt diesem Gedanken. Der Direktor des High-Tech- und Innovationsparks der Nationaluniversität Hanoi, Dr. Truong Ngoc Kiem, betont laut Programmhinweisen, dass die Kategorisierung nach Entwicklungsstand die Bewertung von Projektqualität erleichtert, ohne neue Teams mit innovativen Ideen direkt gegen Projekte zu stellen, die bereits einen Prototyp bzw. Marktbezug haben. Ergänzend erhalten die Teams Feedback von Expertinnen und Experten, können ihre Modelle anpassen und gewinnen ein besseres Verständnis dessen, was sie für den Marktzugang konkret erfüllen müssen. VISI stellt darüber hinaus auch nach dem Wettbewerb weitere Unterstützung in Aussicht, darunter Mentoring, Markterprobung, Entwicklung von Vermarktungsstrategien sowie die Vernetzung mit Mentoren, Unternehmen und Investoren.
Für die operative Planung ist außerdem der Zeitrahmen relevant: „RND to Startup 2026“ läuft von August bis Dezember 2026 und besteht aus vier Runden – Initiation, Creation, Breakthrough und Shine. Die Preisstruktur unterscheidet zwischen den Kategorien: Jeweils ein erster Preis im Idea- und im Projekt-Bereich, dazu zwei zweite Preise, zwei dritte Preise, drei Trostpreise sowie zusätzlich einen Publikumspreis für das Projekt mit den meisten Stimmen aus der Community. Je nach Kategorie können die Gewinnerteams Geldpreise oder Inkubationspakete erhalten, ergänzt durch Trophäen, Zertifikate, 1:1-Mentoring, Expertenrat und Networking-Möglichkeiten mit Unternehmen und Investoren.
Für Unternehmen und Inkubatoren ist der Wettbewerb vor allem deshalb interessant, weil er Brücken zwischen Forschung und Unternehmertum strukturell aufbauen will. Herausragende Projekte sollen bei der Auswahl für das Inkubationsprogramm von VISI bevorzugt berücksichtigt werden und bekommen Zugang zu einem Netzwerk aus Experten, Unternehmen, Investmentfonds und Innovationsprogrammen – sowohl im In- als auch im Ausland. Damit verschiebt sich der Fokus im Vergleich zu rein projektbasierten Ideenwettbewerben: Nicht nur das „Konzept“ zählt, sondern die Fähigkeit, aus Forschung verlässlich ein Produktprogramm zu formen, das später in der Realität getestet, skaliert und vermarktet werden kann.
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