LONDON (IT BOLTWISE) – Larry Fink, CEO von BlackRock, beschreibt Bitcoin inzwischen als „digital gold“ und damit deutlich anders als noch 2017. Gleichzeitig hat die US-Börsenaufsicht im Januar 2024 den Weg für Spot-Bitcoin-ETFs wie den iShares Bitcoin Trust (IBIT) geebnet. Der Fonds erreichte laut Berichten in 341 Handelstagen 70 Mrd. USD Assets under Management. Trotz des regulierten Zugangs bleibt Bitcoin aber volatil, was sich 2026 bereits in einem Rückgang auf unter 60.000 USD gezeigt hat.

Der Wandel in der Bewertung von Bitcoin durch Larry Fink wirkt wie ein Lehrstück dafür, wie sich Krypto in den vergangenen Jahren vom Randthema zur Asset-Klasse mit formellen Vertriebskanälen entwickelt hat. In den Aussagen, die sich über mehrere Jahre verfolgen lassen, verschiebt sich der Ton von Skepsis hin zu einer positiven Einordnung als knappes, werthaltiges Gut. Für Entscheider in der Finanzbranche ist das vor allem deshalb relevant, weil Fink nicht nur „für“ oder „gegen“ Bitcoin argumentiert, sondern den Markt über das eigene Produkt-Engineering praktisch mitgestaltet hat: BlackRocks Fokus auf institutionelle Zugänglichkeit ist ein Hebel, der neue Käufergruppen anzieht.
Technisch und infrastrukturell verändert sich dadurch weniger der Bitcoin-Kern selbst als die Art, wie Anleger Preisrisiken abbilden. Der zentrale Punkt ist der regulierte Zugang über Spot-Bitcoin-ETFs: Im Januar 2024 erlaubte die US-Börsenaufsicht den iShares Bitcoin Trust (IBIT) zusammen mit weiteren Spot-ETFs, wodurch Investoren Bitcoin-Preisbewegungen erhalten, ohne das Krypto direkt handeln, verwahren oder technisch betreiben zu müssen. Genau diese „Letzte Meile“ zur Börse reduziert Reibungspunkte in der Customer-Journey – vom Konto bis zur Portfolioallokation. Entscheidend ist dabei auch, wie schnell IBIT nach dem Start Skalierung erreichte: Der Fonds kam laut Berichten innerhalb von 341 Handelstagen auf 70 Mrd. USD Assets under Management und wurde damit zum größten, gebührenrelevanten ETF von BlackRock.
Aus Markt-Sicht zeigt die Dynamik, wie stark Erwartungen, Liquidität und Produkteinführung zusammenwirken. Als Bitcoin im vergangenen Oktober zeitweise über 126.000 USD stieg, näherte sich IBIT laut Berichten mehrfach schnell der 100-Mrd.-USD-Marke an, jeweils deutlich schneller als vergleichbare ETF-Einführungen in der Vergangenheit. Das ist weniger ein Beleg für „geringes Risiko“, sondern ein Hinweis darauf, dass institutionelle Vertriebswege und etablierte Depotlogik das Nachfrageprofil verändern: Wenn Beratung, Order-Routing und Reporting standardisiert sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Allokationen schneller und in größeren Schritten erfolgen. Damit wächst zwar die Marktteilnahme, aber nicht automatisch die Stabilität des zugrunde liegenden Vermögenswerts.
Genau hier setzt die zweite Erkenntnis an: Ein ETF-Mantel ersetzt keine Asset-Physik. Bitcoin bleibt volatil – und diese Volatilität schlägt im Bestand sofort durch, selbst wenn der Kaufprozess reguliert und vertraut ist. Für das laufende Jahr zeigt sich das klar: Bis Juni fiel Bitcoin unter 60.000 USD und markierte damit einen Rückgang von rund 53% gegenüber dem Oktober-Hoch. Für Portfolioverantwortliche heißt das: „Reguliert“ bedeutet nicht „risikolos“. Vielmehr verlagert sich das Risikomanagement von technischen Verwahrungs- und Handelsrisiken hin zu Marktpreis-, Liquiditäts- und Bewertungsfragen, etwa wie schnell und in welchen Volumina sich Zuflüsse und Abflüsse auf den Preis auswirken können.
Historisch betrachtet ist Finks Kurswechsel kein isoliertes Ereignis, sondern steht in einer Reihe mit der breiteren Professionalisierung des Bitcoin-Ökosystems. Schon Michael Saylor, der als prominenter Bitcoin-Unternehmensbefürworter bekannt ist, hatte Bitcoin zunächst kritisch gesehen – 2013 etwa mit der damaligen Aussage, dass dessen Tage gezählt seien. Später wandelte sich die Strategie: Das Unternehmen hinter der sogenannten „Bitcoin-Buy-and-Hold“-Logik baute seine Bestände auf eine Größe aus, die in der Öffentlichkeit häufig mit mehr als 845.000 BTC beziffert wird. Der gemeinsame Nenner beider Biografien ist weniger ein „Stimmungsumschwung“, sondern die wiederholte Beobachtung, dass sich die Angebotsseite und die Marktstruktur (Zugang, Produkte, Liquidität) so weit verändert haben, dass eine institutionelle Allokation plausibler wird.
Für die weitere Industrieentwicklung ist damit vor allem die Produkt- und Vertriebsschiene entscheidend: Spot-Bitcoin-ETFs liefern eine wiederholbare Blaupause für neue Investoren, während klassische Krypto-Börsen weiterhin als Ort für aktive Trades bestehen. Unternehmen, die solche Produkte nutzen wollen, sollten daher ihre Prozesse nicht nur auf Kauf und Reporting ausrichten, sondern auch auf Szenarien wie schnelle Drawdowns, Korrelationen zu bestehenden Risiko-Budgets und die Frage, wie sich Volatilität im Controlling abbilden lässt. Genau deshalb bleibt Finks „digital gold“-Rahmung zwar strategisch interessant – sie liefert aber noch keine Aussage darüber, wie ruhig der Preisverlauf kurzfristig sein wird.
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