BREMEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der 13. Deutsche CanSat-Wettbewerb startet in die Bewerbungsphase: Teams bauen einen Minisatelliten in Dosengröße. Die CanSats steigen im Finale vom 15. bis 19. März 2027 per Modellrakete auf rund 700 Meter Höhe. Während des Sinkflugs erfassen sie Luftdruck und Temperatur und führen zusätzlich eine selbst entwickelte Sekundärmission aus. Die Bewerbungsfrist endet am 4. Oktober 2026.

Wer sich fragt, wie sich „echte“ Raumfahrtprozesse in ein Schul- und Jugendprojekt übersetzen lassen, findet im CanSat-Konzept einen ungewöhnlich pragmatischen Ansatz. Ein CanSat ist so kompakt wie eine handelsübliche Getränkedose und kombiniert genau deshalb viele Technologien, die später auch in Satellitenbaugruppen wieder auftauchen: von Sensorik über Embedded-Programmierung bis hin zur Datenauswertung. Beim 13. Deutschen CanSat-Wettbewerb (2026/27) können sich ab sofort Schülerteams ab 14 Jahren aus ganz Deutschland bewerben. Der Wettbewerb wird vom DLR mitorganisiert und ist damit nicht nur ein „Bastelwettbewerb“, sondern ein durchgängiger Projektzyklus von der ersten Idee bis zum Raketenstart.
Die zeitliche Struktur ist dabei klar vorgegeben: Über rund sechs Monate übernehmen die Teams den Entwicklungsprozess ihres Minisatelliten selbst. Dazu gehören Konzeption und Konstruktion ebenso wie Programmierung, Tests und die Auswertung der erhobenen Messdaten. Als technische Pflichtkomponente sammelt der CanSat während des Sinkflugs Luftdruck und Temperatur im Rahmen der verpflichtenden Primärmission. Gleichzeitig müssen die Teams neben dieser Basis eine eigene wissenschaftliche oder technische Sekundärmission umsetzen und anschließend die dafür gesammelten Daten einer Fachjury aus Wissenschaft und Industrie präsentieren. Diese Kombination zwingt die Teilnehmenden, nicht nur Messwerte zu erzeugen, sondern sie auch in ein nachvollziehbares Missionskonzept zu überführen.
Im Finale wird das theoretische Pflichtenheft dann praktisch auf den Prüfstand gestellt. Vom 15. bis 19. März 2027 treffen die zehn ausgewählten Teams in Bremen zusammen und lassen ihre CanSats mit einer Modellrakete auf rund 700 Meter Höhe steigen. Genau dort zeigt sich, warum das Dosensatelliten-Format in der Ausbildung so gut funktioniert: Die Systeme müssen unter realen Bedingungen zuverlässig funktionieren, obwohl sie klein, energie- und platzlimitiert sind. Während des anschließenden Sinkflugs liefern die Sensoren die Primärmission, und die Teams sehen, ob ihre Software und Datenerfassung auch außerhalb des Labors die erwarteten Muster reproduzieren.
Entscheidend ist zudem die Team- und Prozessperspektive, weil CanSat als Ausbildungsformat auf mehr als nur technische Details zielt. Ein Team besteht aus mindestens vier Jugendlichen ab 14 Jahren und einer betreuenden Person, etwa einer Lehrkraft oder einer Mentorin beziehungsweise einem Mentor. Neben der technischen Pflicht gibt es damit auch eine Organisationsaufgabe: Projektmanagement, Teamarbeit, wissenschaftliches Arbeiten sowie Kommunikation gehören fest in den Ablauf. Die Teilnehmenden planen ihre Lösung, dokumentieren Fortschritte und bereiten Präsentationen für die Fachjury vor. Ergänzend begleitet ein Workshop Lehrkräfte und Mentorinnen sowie Mentoren bei der Durchführung, und während der Startkampagne in Bremen erhalten die Teams exklusive Einblicke in Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Raumfahrtbranche.
Dass die Sekundärmissionen in der Praxis sehr unterschiedlich ausfallen können, zeigt der Blick auf frühere Projektrichtungen. Genannt werden unter anderem die Messung der Luftqualität, die Erkennung von Waldbrandgefahren, Anwendungen aus dem Umfeld Künstlicher Intelligenz sowie innovative Satellitenkonzepte. Für Unternehmen und Forschungseinrichtungen hat das auch eine andere Relevanz: Solche Aufgaben sind ein Einstieg in typische Denkweisen aus dem Umfeld der KI-Entwicklung und der Sensorik-Ingenieursdisziplin, etwa wenn Datenqualität, Sensorrauschen, Kalibrierung und Auswertungslogik zusammenkommen. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb offen genug, dass Teams eigene Hypothesen testen können, statt nur ein vorgegebenes Muster nachzubauen.
Für die Planung in Schulen, AGs und Lernprojekten ist die Bewerbungsfrist ein zentrales Signal. Interessierte Teams können sich online bis zum 4. Oktober 2026 bewerben. Auf der Wettbewerbswebsite finden sich zudem Informationen zu Teilnahmebedingungen und technischen Anforderungen, sodass die Vorbereitungsphase nicht im Nebel startet, sondern mit klaren Rahmenbedingungen beginnt. Wer sich bewirbt, sollte daher frühzeitig mit der technischen Roadmap beginnen: Von der Auswahl der Sensorik über die Softwarearchitektur bis zur Teststrategie ist es oft der End-to-End-Charakter, der den Unterschied zwischen „funktioniert im Prototyp“ und „besteht im Flugtest“ ausmacht.
Für den weiteren Ausbildungseffekt gilt: Der CanSat-Wettbewerb ist weniger ein einzelner Event als eine Vorbereitung auf Ausbildung, Studium und Beruf. Die Teams lernen, ihre Fortschritte strukturiert zu dokumentieren, Ergebnisse verständlich zu kommunizieren und Feedback aus der begleitenden Jury in konkrete Verbesserungen zu übersetzen. Genau dieses Zusammenspiel aus technischer Umsetzung und formaler Präsentationsfähigkeit macht das Format für den Nachwuchs attraktiv. Wenn der 13. Deutsche CanSat-Wettbewerb im März 2027 in Bremen die ersten Daten aus Luftdruck, Temperatur und Sekundärmission liefert, wird daraus wieder ein messbarer Kompetenzsprung – und ein sichtbarer Einstieg in die Arbeitsweisen moderner Raumfahrttechnik.
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