LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland berichten 20 Prozent der Unternehmen von spürbaren Folgen hybrider Angriffe aus dem Ausland. Besonders häufig trifft es Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten sowie Branchen wie Information und Kommunikation, Energie und Entsorgung. Laut einer Befragung mit 1.041 Unternehmen steigen dadurch Kosten, Unsicherheit und teilweise Produktionsausfälle. Gleichzeitig kritisiert der Staat, der in einem Kritis-Dachgesetz eher auf Symbolwirkung setzt, dass Unternehmen bei Notfallvorbereitungen weiterhin zu kurz kommen.

Hybride Angriffe treffen Kritische Infrastruktur: Staat bleibt hinter Erwartungen zurück
Hybride Angriffe treffen Kritische Infrastruktur: Staat bleibt hinter Erwartungen zurück (Foto: IT BOLTWISE)
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Hybride Angriffe werden für Unternehmen nicht mehr nur als abstrakte Cyber-Risiken diskutiert, sondern landen zunehmend direkt in der Produktion. Laut einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) melden 20 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland spürbare Folgen durch Angriffe aus dem Ausland. Die Bandbreite reicht dabei von Cyberattacken über Desinformationskampagnen bis hin zu Sabotageakten gegen kritische Anlagen. In der Praxis heißt das: Mehr als „Security erhöhen“ ist gefragt, weil Angriffe gleichzeitig in digitale Systeme, in die öffentliche Wahrnehmung und in physische Prozesse hineinwirken können.

Entscheidend ist auch, welche Unternehmen betroffen sind. Besonders Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten fühlen sich getroffen, also Organisationen, die häufig mehr Standorte, komplexere Lieferketten und größere Flächen an operativen Systemen besitzen. Branchen wie Information und Kommunikation, Energie- und Wasserversorgung sowie Entsorgung zeigen laut der IW-Auswertung dabei die höchste Alarmstufe. Das wirkt wie ein Indikator dafür, dass hybrides Vorgehen nicht nur IT-Funktionen adressiert, sondern an den Stellen einschlägt, an denen Ausfälle schnell in Liefer- und Versorgungsengpässe übergehen.

Der Kern des Problems zeigt sich in der Diskrepanz zwischen IT-Schutz und operativer Resilienz. Christian Bruch, Chef von Siemens Energy, fordert seit der vergangenen zwölf bis achtzehn Monate eine konkrete Planung für die Strom-, Wasser- und Lebensmittelversorgung. Seine Argumentation zielt auf Abläufe: Ohne klare, zivil ausgerichtete Operationspläne drohten im Ernstfall Blackouts und Versorgungskrisen. Genau an diesem Punkt setzt auch die IW-Analyse an: Viele Betriebe hätten zwar ihre IT-Sicherheit hochgefahren, doch Notfallpläne für den Ausfall der Energieversorgung oder für den Schutz kritischer Infrastruktur existieren laut Quelle nur bei einer Minderheit.

Damit rückt die Umsetzungsebene in den Mittelpunkt, also die Frage, was passiert, wenn ein Angriff nicht in Stunden, sondern in Tagen eskaliert. Hybride Angriffe sind häufig so gestaltet, dass sie Vertrauen untergraben, die Lageeinschätzung erschweren und zeitkritische Entscheidungen verzögern. Wenn dann zudem Strom- oder Kommunikationswege betroffen sind, wird aus einem IT-Vorfall sehr schnell ein organisatorisches und infrastrukturelles Problem. Ein Beispiel aus der Logik solcher Szenarien: Ein Schutzkonzept, das nur Netzwerksegmente und Konten betrachtet, hilft wenig, wenn Produktionslinien wegen fehlender Energie schlicht stoppen oder wenn der Werkschutz nicht einheitlich mit Sicherheitsbehörden koordiniert ist.

Genau hier fällt die Kritik am „Kritis-Dachgesetz“ aus. Das im März in Kraft getretene Regelwerk sollte, so die Darstellung, mehr Schutz liefern, bleibt aber weit hinter den Anforderungen zurück. Genannt werden unter anderem diffuse Abstimmungswege mit Sicherheitsbehörden sowie uneinheitliche Werkschutzregelungen. Außerdem entsteht der Eindruck, dass der Steuerzahler ein „Bürokratiemonster“ finanziert, ohne dass daraus echte Handlungsfähigkeit folgt. Aus technologischer Sicht ist das nicht nur ein politisches Framing: Uneinheitliche Prozesse erschweren das Testen und die Standardisierung von Notfallübungen, und sie verlängern Kommunikationswege, wenn es darauf ankommt, Eskalationsketten in Minuten statt in Stunden zu schließen.

Die wirtschaftliche Dimension verstärkt den Druck. Das IW argumentiert, dass mangelnde Vorbereitung eine destabilisierende Wirkung auf die Funktionsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft habe. Angriffe verursachen nicht nur Kosten für Schadensbeseitigung und Wiederherstellung, sondern erzeugen laut Quelle auch Unsicherheit und führen zu Produktionsausfällen. Daneben kritisiert die Quelle, dass man „halbherzige“ EU-Richtlinien und ein nationales Kompetenzwirrwarr verfolgt – mit der Folge, dass der Industriestandort gefährdet werde. Für Unternehmen ist das vor allem deshalb relevant, weil Resilienzmaßnahmen nicht nur Risiken mindern, sondern auch Betriebssicherheit für Kunden und Partner erhöhen.

Dass die Debatte politisch eskaliert, liegt ebenfalls auf der Hand. Die Quelle stellt einen Bezug zum AfD-Programm her, wonach Forderungen nach wirksamen Grenzschutzmaßnahmen, Rückführungen und einem klaren Fokus auf innere Sicherheit bereits seit Jahren erhoben würden. Gleichzeitig wird beschrieben, dass CDU, SPD und Grüne Teile dieser Linie lange als „rechts“ diffamiert hätten und sie nun übernähmen. Unabhängig von der Parteibrille bleibt die zentrale Frage für die technische und organisatorische Praxis: Wird Politik in konkrete, überprüfbare Betriebspläne übersetzt – oder bleibt es bei einer Verschiebung von Etiketten, während Angreifer weiter an den Schwachstellen ansetzen?

Für Investoren und Entscheider ergibt sich daraus eine klare Logik. Wer eigenverantwortlich in physische und digitale Resilienz investiert, kann Wettbewerbsvorteile erreichen, weil das Unternehmen im Ernstfall weniger stark ausfällt und zuverlässiger liefern kann. In der Darstellung der Quelle riskiert dagegen, wer auf staatliche Schutzversprechen vertraut, Produktionsstillstände und Wertvernichtung. Der Markt belohnt dabei nicht „Ankündigungen“, sondern nachprüfbare Fähigkeit: Dazu gehören belastbare Notfallpläne, regelmäßig geübte Koordination, nachvollziehbare Schutzmaßnahmen für kritische Anlagen sowie eine Planung, die auch dann trägt, wenn Energieversorgung und Kommunikationswege eingeschränkt sind. Der nächste Störfall muss nicht erst „kommen“ – die Frage ist nur, wie schnell ein Betrieb seine Resilienz so operationalisiert, dass aus einem Angriff keine langwierige Betriebsunterbrechung wird.


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