BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die IFA 2026 in Berlin präsentiert 53 mit einem Innovation-Award ausgezeichnete Produkte, die nach Redaktionstest als besonders neu gelten. Im Fokus stehen KI-gestützte Alltagshelfer, kompakte Industrie-Tools wie 5-Axis-CNC und neue Ansätze für Security- und Energiespeicherlösungen. Parallel werden Exoskelette als Outdoor-Ansatz und smarte Garten-Ökosysteme sichtbar, die mehrere Geräte über eine App koordinieren. Die Messe macht damit deutlich, wie schnell sich KI, Automatisierung und vernetzte Hardware in Verbraucher- und Industriewelten vermischen.

Die IFA 2026 in Berlin startet mit großer Breite: 1.900 Aussteller aus 49 Ländern zeigen dort ihre Neuheiten, und ein kuratiertes Set aus 53 Preisträgern macht besonders auffällige Produktideen greifbar. Im Gegensatz zu reinen Messe-Rundgängen entsteht hier eine Art Technologie-Schnellscan. Die Auswahl basiert auf einem mehrstufigen redaktionellen Begutachtungsprozess vor Messebeginn, bei dem mehrere Redakteurinnen und Redakteure die eingereichten Geräte prüfen und ein Siegel nur dann vergeben, wenn alle das Produkt als innovativ einstufen. Damit wird aus der Masse an Ständen eine fokussierte Landkarte für Trends, die sich bereits in konkrete Kaufentscheidungen übersetzen lassen.
Ein starker Schwerpunkt liegt auf KI-gestützter Automatisierung im Alltag. Besonders prominent wirkt dabei der Award in der Kategorie „Tech Innovation“: Die ODYSS N1 ist als Wearable in Form einer Kette positioniert und soll laut Hersteller eine „KI-Ernährungskette“ sein, die Mahlzeiten und Snacks automatisch erkennt und protokolliert – ganz ohne Fotos, manuelle Eingaben oder App-Interaktion. Ergänzend zeigt sich der Trend zu KI-Komfort auch im Entertainment und im Haus: Beim Govee COB Strip Light 2 Pro soll statt dem umständlichen Einstellen der Lichtstimmung künftig eine direkte Ansage reichen, während die integrierte KI die passende Beleuchtung innerhalb von Sekunden konfigurieren soll. In beiden Fällen geht es weniger um „KI als Feature“, sondern um KI als Abkürzung im Nutzerprozess.
Daneben rückt die Messe auch deutlich in Richtung Robotik und Mobilitäts-Engineering. Exoskelette werden als Ausrüstung für Outdoor-Einsätze gezeigt, konkret etwa mit Hypershell und Ascentiz, bei denen Modelle vorgestellt werden, die auf praktische Nutzung jenseits des Labors abzielen. Der Reiz solcher Systeme liegt in der Kombination aus Mechanik und Regelung: Ein Exoskelett braucht nicht nur Antriebe, sondern auch eine Sensorik und Steuerlogik, die Bewegungen als Ganzes mitnimmt und Lastverläufe im Schritt berücksichtigt. Auch im Smart-Home-Bereich wird dieser Gedanke fortgesetzt – TerraMow setzt beispielsweise beim Modell „X AWD“ auf optimiertes Fahrverhalten, damit weniger abrupt gewendet wird und weniger Wendemanöver entstehen. Das soll den Rasen schonen und Radspuren reduzieren; technisch übersetzt bedeutet das in der Regel bessere Bahnroutinen und ein abgestimmtes Antriebs-/Regelkonzept für Vorwärts- und Rückwärtsbewegung.
Für viele Entscheider ist allerdings nicht nur „Bewegung“ spannend, sondern die Frage, wie die Geräte in reale Arbeits- und Sicherheitsprozesse passen. In der Kategorie „Industrial Innovation“ zeigt die InfiMaker K1: The Pro-Grade Desktop 5-Axis CNC eine kompakte, fünfachsige CNC-Fräse, die laut Darstellung sogar auf den Schreibtisch passen soll. Genau diese Größenklasse ist interessant, weil sie die Hürde zwischen Prototypen im Maker-Umfeld und produktionsnahen Ergebnissen senken kann. Ergänzend greifen zwei weitere Preisträger typische Workflows auf: LightMake mit einem 3D-Drucker, der abfallarmen Druck ermöglichen soll und mit vier Druckköpfen im Prozess zwischen ihnen wechseln kann, sowie die PortalCam von XGRIDS, die komplette 3D-Welten erstellen können soll. Für die Immobilienbranche liegt der Nutzen auf der Hand: Makler könnten dadurch schnellere 3D-Walkthroughs erzeugen, ohne dass jedes Objekt erst aufwendig neu aufgebaut werden muss.
Auch bei „Digital Security“ wird sichtbar, wie stark sich Kamera- und Dashcam-Logik von reiner Aufnahme hin zu handhabbaren Beweisen entwickelt. Botslab präsentiert etwa Dashcams, die bei einem Auffahrunfall passende Beweise liefern sollen und zugleich kleinere Vorkommnisse aufzeichnen können, etwa wenn jemand versehentlich in das eigene Auto fährt. Auf der Seite der stationären Überwachung werden mit der W101 zudem Lösungen beschrieben, die Innenräume und Außenbereiche zugleich im Blick behalten sollen – unter anderem mit einer nach innen und einer nach außen gerichteten Kamera, montiert an der Scheibe. Baseus setzt seinerseits auf eine „Fensterkamera“ als 4K-Überwachungslösung, die speziell für den Innenbereich konzipiert ist und ohne bauliche Veränderungen funktionieren soll. Zusammen illustrieren diese Produkte eine Verschiebung: „Security“ wird immer stärker als schnell installierbare, alltagstaugliche Hardware gedacht, nicht nur als professionelles System mit Umbauaufwand.
Wer eher Energie- und Konnektivitätsschichten bewertet, findet ebenfalls mehrere Preisträger, die auf konkrete Nutzungsfälle zielen. In „Digital Sustainability“ werden verschiedene Solarlösungen ausgezeichnet, darunter Anker SOLIX Solarbank Max AC als Balkonkraftwerkspeicher mit Fokus auf Kapazität, Leistung und Erweiterbarkeit sowie der SolarFlow 4000 Mix Pro von Zendure, der sowohl als Speicher für Balkonkraftwerke als auch für Dachanlagen funktionieren soll. Ergänzend wird mit dem Jackery Explorer 3600 Plus eine Lösung für Notstromversorgung oder größere Projekte genannt, während der Balco Transfer Hub von Bluetti aus einer vorhandenen Powerstation einen Balkonkraftwerkspeicher machen soll. Bei „Computing & Communication“ wiederum reicht das Spektrum von Router-Neuheiten bis zu mobiler Konnektivität: Die TP-Link Archer 8 Ultra wird als erster WiFi-8-Router beschrieben, die TP-Link Box7 ist für den deutschen Markt und seine Anforderungen ausgelegt, und beim GlocalMe MeowGo G50 Max wird eine Umschaltung auf Satellitenkommunikation bei fehlendem Mobilfunkempfang genannt. Damit verbindet die Messe zwei Ebenen, die für Unternehmen und Haushalte zunehmend zusammengehören: Datenverfügbarkeit und Energieautarkie.
Die Breite der Kategorien zeigt am Ende vor allem eines: KI, Vernetzung und Automatisierung wandern aus einzelnen „Smart“-Gimmicks in Systeme, die mehrere Geräte orchestrieren. Aipers Smart Yard etwa soll die Steuerung von Pool- und Mährobotern sowie einer smarten Bewässerungsanlage über eine App ermöglichen und außerdem die Kommunikation zwischen Geräten sowie Reaktionen auf Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Gewitter anstoßen. Midea greift das Prinzip für die Küche mit dem Smart Master ebenfalls auf. Selbst im Gesundheits- und Körperpflegebereich wird Automatisierung praktisch gedacht: Wavytalks Steamlift Pro soll mit STEAMIQ-Technologie den Hitzestress für das Haar reduzieren, während INMO GO3 als KI-Brille mit magnetisch austauschbaren Akku-Modulen positioniert wird – gerade die Energiefrage ist bei mobilen Wearables ein wiederkehrender Engpass. So werden die 53 Innovationen nicht als einzelne Highlights wahrgenommen, sondern als Signal, dass sich die Produktentwicklung entlang weniger, aber durchgehender Leitplanken bewegt: weniger manuelle Schritte, mehr Kontextsteuerung und schnellere Integration in den Alltag.
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