BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Staatsminister Philipp Amthor pocht trotz des AfD-Wahlsiegs in Sachsen-Anhalt auf den Reformkurs der schwarz-roten Bundesregierung. Im Deutschlandfunk stellt er klar, dass die Reformen nicht aufgrund des Ergebnisses infrage gestellt werden dürfen. Als Ursache nennt er versäumte Reformen in den Jahren, in denen sie nötig und möglich gewesen wären. Gleichzeitig wehrt er sich gegen die Idee, CDU und AfD für eine Regierungsbildung in Magdeburg zusammenzubringen.

Der Ton ist bewusst eindeutig: Staatsminister Philipp Amthor hält nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt am Reformkurs der schwarz-roten Bundesregierung fest. Aus Sicht des CDU-Politikers ist das Wahlergebnis kein Anlass, die politische Richtung zu wechseln, sondern eher ein Stresstest für die Umsetzung dessen, was ohnehin auf dem Tisch liegen müsste. Damit verschiebt Amthor die Debatte weg von einer unmittelbaren Reaktion auf die Schlagzeilen und hin zu einer Frage, die langfristig wirkt: Warum wurden Reformen so lange aufgeschoben, obwohl sie schon früher möglich gewesen wären?
Amthor machte diese Argumentation im Deutschlandfunk vor allem an einer Ursache fest: Reformen seien in den Jahren unterlassen worden, in denen sie „nötig und möglich gewesen wären“. Der eigentliche Punkt liege damit nicht im Tagesgeschehen um eine aktuelle Bundesregierung, sondern in den vorherigen Versäumnissen, die sich jetzt rächen. Diese Sichtweise ist politisch wie auch verwaltungstechnisch relevant, denn viele Reformprozesse scheitern nicht an der Zielbeschreibung, sondern an der Umsetzungskapazität über mehrere Legislaturperioden hinweg. Wenn lange Phasen der Nicht-Entscheidung entstehen, wächst später der Druck, und die Bevölkerung bewertet die Ergebnisse dann schnell als „ausbleibende Reparatur“ statt als strukturelle Verzögerung.
In der „Stunde der Wahrheit“ für die AfD sieht Amthor wiederum weniger eine inhaltliche Korrektur als einen Realitätscheck: Ob die Partei tatsächlich in der Lage ist, eine Regierung zu bilden. Damit verknüpft er die Wahlfolgen direkt mit der Regierungsfähigkeit, nicht nur mit der Oppositionspose. Gleichzeitig erklärte Amthor, dass die Frage einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei nicht die vordringliche Eröffnung dieses Diskurses sein solle. Aus seiner Sicht steht vielmehr die AfD in der Pflicht, die eigenen Ansprüche praktisch zu belegen – und nicht allein mit großen Tönen auf sich aufmerksam zu machen.
Für die konkrete politische Konstellation in Magdeburg betont Amthor zudem ein klares Abgrenzungssignal: Er lehnt eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD erneut ab. Ausschlaggebend sei dabei sein normatives Kriterium, dass die CDU für einen Kurs eintritt, der die Institutionen der Demokratie nicht delegitimiere, sondern verteidige. So formuliert wird die Koalitionsfrage weniger zu einem taktischen Rechenproblem aus Mehrheiten und Absprachen, sondern zu einer strategischen Linie, die auch in schwierigen Situationen nicht zur Disposition stehen soll. Gerade in föderalen Konstellationen mit Bund-Länder-Bezügen kann das bedeuten, dass selbst bei parteipolitischen Zwängen Prioritäten gesetzt werden: politische Stabilität über schnelle Mehrheiten.
Ob sich aus dieser Haltung in der Verwaltungspraxis konkrete Schwerpunkte ableiten, lässt sich zwar nicht direkt aus dem Wortlaut der Aussagen herauslesen, aber die Logik des Reformarguments passt zu typischen Agenda-Fragen moderner Regierungsarbeit. Wenn Reformen früher hätten kommen müssen, geht es in der Realität häufig um konkrete Änderungsprogramme, etwa bei Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern, bei Verfahren und bei der Frage, wie Entscheidungen schneller und konsistenter umgesetzt werden. Genau hier entscheidet sich, ob Reformen nur „angekündigt“ werden oder ob sie als Prozesse ankommen: mit klaren Verantwortlichkeiten, ausreichender Umsetzungszeit und messbaren Ergebnissen. In den vergangenen Jahren haben viele Verwaltungen zudem erkannt, dass Digitalisierung nicht als separates Projekt funktioniert, sondern als Durchlaufzeitverkürzer für Verwaltungsvorgänge – vom Formular bis zur automatisierten Bearbeitung, soweit rechtlich und technisch möglich.
Für die politische Debatte bedeutet Amthors Position vor allem eines: Der Reformkurs wird nicht als kontingent betrachtet, der sich nach dem nächsten Wahlergebnis neu erfindet. Die Botschaft lautet stattdessen, dass Versäumnisse nachgeholt werden müssen, weil sonst neue Frustrationszyklen entstehen. Für Beobachterinnen und Beobachter in Politik und Verwaltung verschiebt sich dadurch der Fokus auf die nächste Phase: Welche Reformschritte werden tatsächlich priorisiert, wie werden Bund und Länder in den Zuständigkeitsfeldern eingebunden und wie wird sichergestellt, dass aus dem „Reparieren“ eine dauerhafte Verbesserung wird? Ein realistischer Blick auf den weiteren Verlauf liegt daher nicht in Spekulationen über kurzfristige Koalitionswechsel, sondern in der Frage, ob die angekündigte Reformlogik die praktische Umsetzung trägt – und ob die AfD in ihren eigenen Regierungsplänen genug Substanz vorweisen kann, um über ein Wahlversprechen hinaus zu überzeugen. Auch für die Technik- und Digitalpolitik in Ressorts bleibt dabei entscheidend, ob Reformen administrative Reibungsverluste abbauen und damit beispielsweise Plattformen, Datenflüsse und Zuständigkeitsmodelle so gestalten, dass sie im Alltag funktionieren – nicht nur im Koalitionspapier.
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