TEL AVIV / LONDON (IT BOLTWISE) – Cyberstarts hat in Tel Aviv bereits 15 Etagen im Landmark-B-Tower für ein gemeinsames Campus-Konzept angemietet und prüft nun eine zweite Standort-Lösung. Der Fonds mit 1,4 Milliarden US-Dollar will dafür mit mehreren Immobilienfirmen sprechen und Optionen sowohl für eine eigene Tower-Lösung als auch für frei werdende Flächen in der Nähe abklopfen. Neun von 25 Portfoliounternehmen sollen in rund einem Jahr in Landmark B einziehen, während größere Anbieter wie Island, Upwind und Cyera vorerst in ihren bestehenden Büros bleiben. Der Plan zielt zugleich auf bessere Skalierung beim Wachstum, geringere Mietnebenwege und mehr Verhandlungsstärke gegenüber Vermietern.

Cyberstarts baut in Tel Aviv nicht nur ein Portfolio aus KI- und Sicherheits-Startups auf, sondern schafft auch eine „Cyber Campus“-Infrastruktur, die Wachstum ohne dauernden Standortwechsel ermöglichen soll. Nachdem der 1,4 Milliarden US-Dollar schwere Cybersecurity-Fonds 15 Etagen im Landmark-B-Tower im Sarona-Komplex für einen gemeinsamen Campus angemietet hat, nimmt das Unternehmen nun offenbar den nächsten Schritt in die Immobilienplanung. Laut den laufenden Gesprächen mit mehreren Immobilienfirmen geht es um eine zweite Location für die Portfoliounternehmen – entweder als eigener, für Cyberstarts konzipierter Tower oder durch die Nutzung freier Flächen in Projekten der näheren Umgebung wie TOHA2 und dem sich derzeit im Bau befindlichen Spiral Tower.
Der konkrete Zuschnitt der Umzüge zeigt, dass Cyberstarts sein Campusmodell bewusst nach Unternehmensgröße staffelt. Neun von insgesamt 25 Portfoliounternehmen sollen in Landmark B unterkommen, dessen Nutzung laut Zeitplan etwa in einem Jahr beginnt. Die größten Firmen im Portfolio bleiben demgegenüber vorerst in ihren bisherigen Büros; dazu zählt unter anderem Cyera, das derzeit im Landmark Tower A ansässig ist. In die Campusflächen sollen dagegen vor allem kleinere Startups kommen, die typischerweise zwischen 100 und 200 Mitarbeitenden bewegen – Unternehmen, die in den vergangenen Monaten hohe Kapitalzuflüsse erhalten haben und nun in eine Phase schneller Skalierung eintreten.
Technisch wirkt der Plan auf den ersten Blick wie „nur“ Immobilienmanagement, doch in der Praxis ist er eine betriebliche Standardisierung auf mehreren Ebenen. Cyberstarts selbst belegt einen Teil einer Etage und reserviert zugleich Raum als gemeinsamen Bereich für die gesamte Community, inklusive gemeinsamer Einrichtungen wie Gym und Café. Gleichzeitig dürfen die einzelnen Startups ihre Büros nach eigenen Vorstellungen gestalten, während die zugrunde liegende Infrastruktur über den Campus hinweg vereinheitlicht werden soll, um Kosten zu reduzieren. Das ist ein organisatorisches Muster, das sich bei schnell wachsenden Teams oft bewährt: Wenn HR- und Recruiting-Entscheidungen nicht mit jeder Mietanpassung erneut neu koordiniert werden müssen, sinken Reibungsverluste – besonders dann, wenn neue Teams in kurzer Taktung hinzukommen.
Für die Verhandlungsmacht gegenüber Vermietern liefert Cyberstarts ebenfalls ein klares Wirtschaftsmotiv. Denn die Vereinbarung wird mit Immobilienpartnern auf Fonds-Ebene getroffen: Cyberstarts schloss im April einen Mietvertrag mit Melisron und Afi Properties über 15 Etagen, die zusammen 22.400 Quadratmeter abdecken. Zusätzlich sind weitere 13 Etagen im Landmark-B-Tower durch Wiz belegt, das als ehemaliges Cyberstarts-Portfoliounternehmen in diesem Jahr für 32 Milliarden US-Dollar von Google übernommen wurde. Im Ergebnis, so wird aus den Schätzungen im Umfeld der Struktur berichtet, sollen die Portfoliounternehmen Mieten zahlen, die rund 20% unter den Marktpreisen liegen; die Mietzahlungen laufen dabei jedoch direkt über die Startups an Melisron und Afi Properties – nicht an Cyberstarts. Der Fonds gewinnt dadurch vor allem über das Flächenscreening und das Bündeln der Vermietungsstruktur, während die operativen Kosten transparenter bei den jeweiligen Unternehmen bleiben.
Auch die Timing- und Nachfrageargumentation ist Teil der Strategie. Gili Raanan beschreibt den Hintergrund mit der Investitionsdynamik: Er verweist auf bislang 35 Investments und einen Rhythmus von vier bis fünf neuen Unternehmen pro Jahr. Daraus folgt für den Fonds, dass der Flächenbedarf mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigt, während, zumindest nach seiner Einschätzung, weder Homeoffice inzwischen breit genug verbreitet sei noch KI die Nachfrage nach sicherheitsspezifischem Personal bislang „dramatisch“ verschoben habe. Für Cyberstarts wird Tel Aviv dadurch zu einem Standort, in dem der Campusgedanke langfristig mehrere Tower-Phasen abdecken soll: „Wir erwarten, dass selbst die kleinsten Unternehmen heute innerhalb der künftigen Campus wachsen können“, lautet das Zielbild in der Kommunikation des Managements.
Interessant ist dabei auch, wie Cyberstarts mit dem möglichen Trade-off zwischen Nähe und Wettbewerb umgeht. Die Idee eines konzentrierten Talentmarktes könnte im Alltag bedeuten, dass Mitarbeitende leichter zwischen konkurrierenden Sicherheitsfirmen wechseln. Raanan und Dor Knafo weisen genau diese Sorge zurück: Sie argumentieren, dass ein freier Arbeitsmarkt auch in Türmen mit vielen Hightech-Unternehmen kein grundsätzliches Problem sei, wenn es um den Kontakt zu Beschäftigten konkurrierender Firmen gehe. Gleichzeitig kann das Campus-Setting aus ihrer Sicht einen zweiten Nutzen haben: Wenn Unternehmen im Alltag näher beieinander sind, wird der Austausch für Gründer und Führungskräfte leichter – insbesondere dann, wenn eine Firma ein Problem bereits gelöst hat, das eine andere erst zum ersten Mal adressiert.
Für die Markt- und Technologieperspektive lässt sich daraus eine Entwicklung ableiten, die über Mietkonditionen hinausgeht. Sobald Landmark B vollständig belegt ist, könnten die beiden Tower im Sarona-Komplex den Schwerpunkt für israelische Cybersecurity-Akteure weiter bündeln und damit eine Art lokales Cluster mit wiederholbaren Wachstumsroutinen schaffen. Solche Cluster entstehen nicht nur durch Signalwirkung, sondern durch wiederholte organisatorische Bausteine: standardisierte Infrastruktur, gemeinsame Flächen, definierte Einzugswellen und eine Fondslogik, die Flächen als „Pool“ statt als Einzelfall behandelt. Für die betroffenen Startups bedeutet das, dass Standortentscheidungen stärker in einem rollierenden Planungsprozess stattfinden, statt jedes Wachstumsschub-Szenario mit einer neuen Standortsuche auszulösen.
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