LOUISIANA / LONDON (IT BOLTWISE) – SpaceX entlässt am 9. und 10. September 378,1 Millionen Aktien aus der Haltefrist. Der Markt muss damit einen zusätzlichen Angebotsschub verdauen, während die Aktie zuletzt im deutschen Handel um 1,1 % zulegte und über dem 50-Tage-Durchschnitt liegt. Analysten bleiben beim Ausblick uneins: Aufwands- und Bewertungsargumenten stehen Kursziele bis deutlich über Konsenswerte gegenüber. Entscheidend dürfte sein, wie sich der Markt auf weiteres Wachstum rund um Starlink, Starship und geplante KI-Rechenzentren im All einstellt.

SpaceX: 378,1 Millionen Aktien werden im September frei – was das für den Kurs bedeutet
SpaceX: 378,1 Millionen Aktien werden im September frei – was das für den Kurs bedeutet (Foto: IT BOLTWISE)
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Für viele Privatanleger wirkt ein Termin wie der 9. und 10. September zunächst wie ein weiterer Eintrag im Kalender. Für den Kurs ist es jedoch ein konkreter „Supply“-Moment: SpaceX lässt laut vorliegenden Angaben 378,1 Millionen Aktien aus Lock-up-Fristen frei werden. Dabei verteilt sich das Volumen auf zwei Handelstage, mit 319,0 Millionen am ersten und 59,1 Millionen am zweiten Tag. Genau diese zeitliche Bündelung entscheidet oft darüber, ob der Markt das zusätzliche Angebot absorbiert oder ob der kurzfristige Verkaufsdruck den Schwung aus der vorangegangenen Rallye ausbremst.

Im deutschen Handel notiert die SpaceX-Aktie aktuell bei 128,78 Euro, das entspricht einem Plus von 1,1 % gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier rund 12 % zugelegt und liegt damit deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 118,00 Euro. Gleichzeitig ist die Distanz zum 52-Wochen-Hoch bei 194,46 Euro noch spürbar: Rund 34 % fehlen, um das frühere Hoch wieder zu erreichen. Diese Kombination aus Trendstärke auf kurze Sicht und vorhandener Rückeroberungsarbeit nach oben erklärt, warum die bevorstehende Aktienfreigabe bei vielen Investoren nicht als Detail, sondern als potenzieller Bremsklotz diskutiert wird.

Besonders sichtbar wird die Unsicherheit in den unterschiedlichen Bewertungen an der Wall Street. J.P. Morgan nennt ein Kursziel von 240 Dollar, Oppenheimer geht auf 280 Dollar, Morgan Stanley sogar auf 300 Dollar. Raymond James hebt die Erwartung auf 800 Dollar an, während der Konsens aus 42 Analysten bei einem durchschnittlichen Kursziel von rund 221 bis 228 Dollar liegt. Nach dem US-Schlusskurs von 147,95 Dollar am Freitag ergibt sich daraus zwar rechnerisch Aufwärtspotenzial, doch das „Wie“ ist entscheidend: Laut den Angaben kommen 25 Kaufempfehlungen auf sechs bis acht Halte- und wenige Verkaufsvoten. Auf der anderen Seite betont eine Analystin ausdrücklich den Bewertungsdruck und verweist auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 65 sowie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 194 – Werte, die selbst für Wachstumsstories ambitioniert sind. Hinzu kommt aus ihrer Sicht ein möglicher zusätzlicher Verkaufsimpuls, weil bis Oktober insgesamt mehr als eine Milliarde Aktien aus Lock-up-Fristen frei werden könnten.

Nicht nur klassische „Value“-Argumente sorgen für Gegenwind, auch das Angebotsprofil spielt in die Bewertung hinein. Unternehmerkritiker Scott Galloway hält zwischen 10 und 30 Dollar für möglich, falls die Marktkapitalisierung von aktuell rund 1,93 Billionen Dollar als überzogen eingeschätzt werden muss. Sein Verweis zielt dabei auf die Liquiditätsstruktur: Bislang seien nur 4 bis 5 % der Aktien frei handelbar. In so einer Konstellation kann schon eine relativ große Freigabe die Markttechnik verändern, etwa weil Orderbücher kurzfristig weniger „dünn“ wirken als zuvor. Für den Kurs heißt das nicht automatisch „Fall“, aber die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Bewegungen stärker von kurzfristigen Flows getrieben werden als von Fundamentaldaten.

Das operative Bild liefert dafür den Kontext, denn SpaceX wächst auch weiterhin – allerdings nicht ohne finanzielle Last. Für das zweite Quartal 2026 werden 7,81 Milliarden Dollar Umsatz gemeldet, das entspricht laut Angaben einem Plus von rund 92 % im Jahresvergleich. Gleichzeitig bleibt ein Nettoverlust von 541 Millionen Dollar bestehen; die Verluste seien zwar geringer als in Vorquartalen, in denen die Marke von einer Milliarde Dollar überschritten wurde, doch das Kernthema bleibt: Das Unternehmen ist operativ nach wie vor stark darauf angewiesen, dass das Starlink-Geschäft die Ergebnisse trägt, während andere Sparten noch nicht profitabel arbeiten. Genau hier liegt der Kernkonflikt der Anleger: Die einen sehen den Weg zur Skalierung, die anderen bewerten den Pfad bis zur Gewinnzone als zu lang im Verhältnis zur bereits eingepreisten Erwartung.

Parallel zur Diskussion über Aktienfreigaben arbeitet SpaceX an neuer Produktions- und Startkapazität. In Louisiana entsteht eine neue Starbase im Umfang von 100 Milliarden Dollar auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern; Baubeginn ist 2027, der erste Start soll 2029 erfolgen. Solche Schritte sind für die Marktstory wichtig, weil sie die Grundlage schaffen, um Starlink- und später auch Starship-Aktivitäten industrienah hochzufahren. Am Sonntag brachte eine Falcon-9-Rakete zudem 27 weitere Starlink-Satelliten von Vandenberg aus in den Orbit – bereits die 80. Starlink-Mission des Jahres. Für das kurzfristige Sentiment zählt dabei weniger die langfristige Vision als das Signal, dass die Produktions- und Starttakte weiter funktionieren.

Als nächster Kurstreiber gilt der Starship-Test 14, der für Mitte September angesetzt ist. Spätestens bis dahin dürfte die Handelsspanne der Aktie vom Spannungsfeld zwischen fundamentaler Bewertungsskepsis und der Wachstumsstory rund um Starlink, Starship und die geplanten KI-Rechenzentren im All geprägt sein. Die Aktienfreigabe aus den Lock-up-Fristen fällt zeitlich in diese Phase hinein, wodurch der Markt womöglich verstärkt auf „Event-Risiko“ reagiert: Nicht nur, ob der Test gelingt, sondern auch, wie viel Verkaufsdruck durch das frische Angebot entsteht und ob neue Käuferinteresse das Angebot überkompensiert. Aus Analystensicht hängt die Rückkehr an das Jahreshoch maßgeblich davon ab, wie der Markt diese Aktienflut verdaut – also wie schnell sich die Nachfrage wieder an das veränderte Angebotsniveau anpasst.

Unabhängig davon, wie ambitioniert die Kursziele ausfallen, bleibt ein Punkt für die Bewertung zentral: In Phasen mit großen Lock-up-Freigaben verändern sich die kurzfristigen Preisbildungsmechanismen. Das kann dazu führen, dass selbst gute Nachrichten aus dem operativen Geschäft kurzfristig weniger Wirkung entfalten oder dass Bewegungen stärker als sonst aus Orderflow und Liquidität resultieren. Unternehmen und Investoren sollten deshalb besonders auf die Kombination aus Event-Termin, kurzfristiger Angebotslage und Fortschritten in der operativen Execution achten. Denn erst wenn Fundamentaldaten, Produktionsrhythmus und Marktmechanik zusammenpassen, wird die Story langfristig tragfähig – und nicht nur tagelang „im Chart“ sichtbar.


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