LONDON (IT BOLTWISE) – In der neuen „Höhle der Löwen“-Folge mischt Andreas W. Herb erstmals als Investor kräftig im Bieterkampf mit. Fünf Startups aus sehr unterschiedlichen Bereichen gingen an den Start, darunter sauberdropz mit Reinigungstabs, KORALLS mit Haaröl und Piesel Piepser für Kinder. Besonders auffällig: Herb lieferte sich in einem Duell mit Frank Thelen um Marke, Handel und Vertrieb. Damit bekommt die Runde spürbar neue Dynamik, während die Gründer um die passende Wachstums-Partnerschaft ringen.

Der Auftakt der Woche wirkt in der „Höhle der Löwen“-Logik wie ein Beschleuniger: Andreas W. Herb sitzt erstmals als Investor am Tisch und zeigt in mehreren Pitches, dass er nicht nur Branchenwissen einbringt, sondern im Bieterkampf auch bereit ist, dieses Wissen in harte Verhandlungen zu übersetzen. Die Folge bündelt fünf Unternehmenskonzepte mit klar unterschiedlichen Zielgruppen – vom Verbraucherprodukt bis zum medizinisch motivierten Hilfsmittel. Genau darin liegt der strategische Kern solcher Runden: Die Deals entscheiden nicht nur über Geld, sondern vor allem darüber, wie schnell ein Produkt aus dem eigenen MVP in Vertrieb, Marke und Skalierung überführt wird.
Den Anfang machte sauberdropz aus Österreich: Andreas und Fabian Berger boten 65.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile an. Ihr Produkt richtet sich an einen alltäglichen Moment, der bisher oft „nebenbei“ gelöst wird – das Reinigen von wiederverwendbaren Trinkflaschen. Biologisch abbaubare Reinigungstabs versprechen hier einen niedrigschwelligen Wechsel im Haushalt, weil die Hürde typischerweise nicht in der Nutzung liegt, sondern in der Wiederholungskaufbereitschaft und in der Distribution. In der Runde bekam das Konzept schnell Zug: Ralf Dümml zeigte sich begeistert und Dagmar Wöhrl signalisierte frühes Interesse, sodass sich der Pitch zu einem Wettbewerb um die richtigen Partner wandelte.
Spannend wurde das Bild besonders dort, wo sich Investmentlogik und operative Erfahrung überlagern. Dümml und Frank Thelen traten zusammen an, um mit gebündelter Handels- und Markenexpertise zu punkten – ein Ansatz, der bei Konsumgütern häufig funktioniert, weil Marke und Handel in der Praxis nicht getrennt voneinander eskalieren. Herb ließ sich davon jedoch nicht abbringen. Laut Ablauf der Verhandlungen lieferte er sich ein intensives Duell mit Thelen, gestützt auf sein Netzwerk in der Getränke- und Gastronomiebranche. Solche Branchenzugänge sind im TV-Format zwar nur schwer in Kennzahlen zu gießen, aber im Alltag der Skalierung oft entscheidend: Wer Vertriebskanäle kennt, kann Testbestellungen in stabile Nachkäufe verwandeln, statt bei jedem Wachstumsschritt erneut bei Null zu starten.
Mit KORALLS aus Köln wechselte die Folge anschließend die emotionale und technische Ebene: Gründerin Kaschma Bakhtiar bot 150.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile. Ihr Haaröl basiert auf 17 Pflanzenölen, die Geschichte dahinter bleibt persönlich – erst eine Fehlgeburt, dann hormonelle Veränderungen und eine Schilddrüsenunterfunktion, aus denen sie massiv mit Haarausfall zu kämpfen hatte. Im Pitch war das nicht bloß „Storytelling“, sondern wurde durch Faktoren gestützt, die für Beauty-Startups besonders schwer zu simulieren sind: starke Umsätze, eine aktive Community und konkrete Internationalisierungspläne. Dass sich der Dealraum dadurch erweitert, ist nachvollziehbar – Beauty verkauft nicht nur ein Produkt, sondern auch Routine, Vertrauen und Wiederholbarkeit, und genau diese drei Elemente wurden in der Runde adressiert. Der Auftritt erhielt zudem eine spielerische Note, als Judith Williams Herb als Testperson für eine Kopfhautmassage einspannte.
Danach ging es bei Piesel Piepser aus Erkrath um ein medizinisch geprägtes Hilfsmittel: Elke Osthoff und Marlon Osthoff präsentierten ein Angebot von 100.000 Euro für zehn Prozent. Ihr Fokus liegt auf Kindern, die das Trockenwerden trainieren – und die Besonderheit dabei: Der Wirksamkeitsanspruch wird durch die Kostenerstattung von Krankenkassen unterlegt, also durch ein System, das Produkte für Nutzer wirklich zugänglich macht. Trotzdem blieb der große kommerzielle Durchbruch aus. Im Pitch zeigte sich hier ein typisches Dilemma für Health-Startups: Fachliche Plausibilität ist noch keine skalierende Vertriebsmaschine. Die Gründer beschrieben Krankheit, finanzielle Rückschläge und fehlende Vertriebswege als wiederkehrende Bremsen, worauf mehrere Investoren zwar mit Respekt reagierten, aber gleichzeitig offen einordneten, dass sie möglicherweise nicht die richtigen Partner sind. Ausgerechnet aus dieser ehrlichen Passungsdiskussion entstand eine überraschende gemeinsame Idee.
Unterhaltungswert und gleichzeitig wirtschaftliche Prüfung lieferten zwei weitere Pitches. Naturally Naughty aus Berlin, vorgestellt von Ingwer Sörensen mit Unterstützung von Micaela Schäfer, suchte 75.000 Euro für zehn Prozent. Das aphrodisierende Ingwer-Spray wurde mit klarer Markenpräsenz präsentiert, wobei die Diskussion um das Geschäft weniger an der Provokation als am Handwerk lag: Marktpotenzial, Positionierung und bisherige Verkaufszahlen sollten die anfängliche Neugier in Umsatzübersetzung überführen. Parallel dazu brachte Ding Dong Ping Pong aus Berlin das nächste Thema in den Saal: Zehn Jahre nach dem bekannten „Einhorn“-Pitch kehrte Seriengründer Waldemar Zeiler mit vollautomatisierten Tischtennis-Clubs und einem digitalen Buchungssystem zurück. Bei einem Angebot von 500.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile zeigte sich, dass Begeisterung allein nicht reicht. Die Runde – trotz Tischtennis-Fan Frank Thelen als sichtbar interessiertem Treiber – diskutierte vor allem die ambitionierte Unternehmensbewertung kritisch. Das ist für die Praxis wichtig: In aktiven Märkten können Nutzerzahlen schnell steigen, aber die Bewertungslogik bestimmt, ob Investoren auch in späteren Finanzierungsrunden Partner bleiben oder ob sich die Kapitalstruktur zu eng anfühlt.
Für Unternehmer und Beteiligungsentscheider lässt sich aus der Folge deshalb eine klare, wiederkehrende Lektion ableiten: Die besten Pitches verbinden Produktlogik mit Distributionsfähigkeit, und sie machen deutlich, welche Investorenrolle künftig im Alltag zählt. Bei sauberdropz zeigt sich das am Zusammenspiel aus Handels- und Vertriebserfahrung; bei KORALLS an der Kombination aus Community und planbarer Internationalisierung; bei Piesel Piepser an der Frage, wie aus Wirksamkeit ein skalierbarer Absatzkanal wird. Und auch wenn Künstliche Intelligenz in solchen TV-Pitches meist nicht der Mittelpunkt ist, spielt KI-gestützte Automatisierung in der Realität zunehmend eine Rolle – etwa in Bereichen wie Predictive Demand, dynamischer Preisoptimierung oder CRM-Segmentierung. Entscheidend bleibt dennoch: In der „Höhle der Löwen“ gewinnt am Ende meist nicht die lauteste Technologieerzählung, sondern das belastbare Bild, wie schnell ein Team aus Ideen wiederholbaren Umsatz machen kann – genau deshalb bekommt die Runde mit dem neuen Investor Herb eine zusätzliche Verhandlungsdimension.
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