LONDON (IT BOLTWISE) – Strive und Strategy finanzieren ihre Bitcoin-Strategien über variable-rate Vorzugsaktien, aber im selben Zeitraum trennten sich ihre Wege deutlich. Strive kaufte zwischen 31. August und 4. September 2026 1.375 Bitcoins für insgesamt rund 109 Millionen US-Dollar und hält danach 24.531 BTC. Strategy setzte dagegen auf Rückkäufe: Zwischen 31. August und 7. September 2026 kaufte das Unternehmen 1.810.885 eigene STRC-Aktien für 176,3 Millionen US-Dollar. Der Kernunterschied liegt darin, dass Strive laufende Dividendencashflows weiter als Finanzierungshebel nutzt, während Strategy STRC unter Parität anvisiert, um spätere Dividendenverpflichtungen zu senken.

Dass zwei börsennotierte Unternehmen dieselbe Finanzierungsformel für ihr Bitcoin-Engagement verwenden, bedeutet noch lange nicht, dass ihr Verhalten in der Praxis gleich ausfällt. Strive und Strategy setzen zwar auf eine ähnliche floating-rate Vorzugsaktien-Struktur, doch während Strive im Zeitraum vom 31. August bis zum 4. September 2026 1.375 Bitcoins einsammelte, blieb bei Strategy in dieser Phase ein Bitcoin-Kauf aus. Strive bezahlte im Schnitt 79.281 US-Dollar pro Coin und investierte damit rund 109 Millionen US-Dollar, wodurch die Bitcoin-Bestände auf 24.531 BTC stiegen. Strategy hingegen nutzte in derselben Zeit 176,3 Millionen US-Dollar (genauer: 176,3 Millionen US-Dollar) für den Rückkauf eigener Vorzugsaktien und kaufte dabei 1.810.885 STRC-Anteile statt neue BTC zu erwerben.
Technisch betrachtet steckt in beiden Fällen derselbe Mechanismus hinter der Kapitalaufnahme: variable-rate, perpetual Vorzugsaktien mit einer laufenden, dividendenbasierten Vergütung, die unterhalb oder oberhalb der Stammaktie angesiedelt ist und keine feste Laufzeit hat. Die Investitionslogik dreht sich deshalb weniger um den Wunsch nach Bitcoin als um die Frage, wie teuer das jeweils gerade wird: Bei Strive liegt der Kurs der Vorzugsaktien SATA um den 100-Dollar-Par-Wert herum, was dem Unternehmen Spielraum gibt, weiteres Kapital aufzunehmen und damit trotz laufender Dividenden weiter zu kaufen. Bei Strategy notiert STRC dagegen nahe 98 US-Dollar; dadurch wirken Rückkäufe attraktiver als frische Emissionen, weil jede Reduktion des ausstehenden Volumens die künftigen Dividendenauszahlungen verringern kann.
Strive liefert dafür konkrete Anhaltspunkte in der Kapitalstruktur. SATA zahlt nach Angaben aus den Unternehmensangaben täglich Cash-Dividenden; Start war der 16. Juni 2026, die jährliche Vorzugsrendite wird mit 13,00% annualisiert ausgewiesen. CEO Matt Cole ordnete die ungewöhnliche tägliche Zahlungsfrequenz ein und sagte wörtlich: „Our objective is for STRC to trade over time at $99 to $100“ – diese Formulierung stammt jedoch aus der Strategy-Perspektive; Strive beschreibt in den vorliegenden Angaben vor allem die tägliche Dividendenauszahlung. Laut Cole kamen 70% des Kapitals, das Strive vergangene Woche über SATA einsammelte, aus dem Vorzugssegment, die restlichen 30% aus dem Verkauf von Stammaktien. Genau damit wird Strive im Alltag zu einem Unternehmen, das den Finanzierungskanal Vorzugsaktien nicht nur eröffnet, sondern aktiv am Laufen hält, auch wenn die Dividendenverpflichtung mit einem notional outstanding von 999 Millionen US-Dollar spürbar wird.
Strategy setzt dagegen ein anderes steuerndes Signal: Das Board hat für ein Digital Credit Securities Repurchase Program ein Volumen bis zu 2,0 Milliarden US-Dollar genehmigt, nachdem es zuvor auf 1,0 Milliarden US-Dollar begrenzt war. Die Details zeigen die Dynamik der Entscheidung: Mitte Juli hatte das Unternehmen bereits 25,0 Millionen US-Dollar in STRC-Rückkäufe investiert (mit einem durchschnittlichen Abschlag von 13,47% auf den Par-Wert). Zwischen 31. August und 7. September 2026 beschleunigte Strategy den Prozess und kaufte 1.810.885 STRC-Aktien für 176,3 Millionen US-Dollar – das entspricht ungefähr 97 US-Dollar pro Aktie. Entscheidend ist die Zielmarke, die CEO Phong Le in den Unternehmensangaben begründet: „Our objective is for STRC to trade over time at $99 to $100. If STRC trades below $100, we intend to repurchase STRC shares in a regular and disciplined manner. These repurchases are an attractive use of capital that reduces our future preferred dividend requirements at a discount.“ Aus Sicht der Finanzierung bedeutet das: Solange STRC unter dem Par-Wert notiert, lohnt es sich für Strategy, statt neuen Kapitalbedarf über Vorzugsaktien zu decken, bestehende Verpflichtungen zu reduzieren.
Beide Strategien spiegeln sich auch in den Bestandszahlen. Strategy hält Stand der wöchentlichen Offenlegung vom 8. September 2026 rund 845.050 BTC, nach einem Stand von 845.050 BTC; Strive wies zu dieser Zeit 24.531 BTC aus. In der Einordnung spielt die Bewertung eine große Rolle: Für Strategy wird ein Cost basis von 63,73 Milliarden US-Dollar gegenüber einem Carrying Value genannt; im zweiten Quartal 2026 lag das Verhältnis bei 63,9 Milliarden US-Dollar Cost basis und 49,7 Milliarden US-Dollar Carrying Value per 30. Juni. Zudem zahlte Strategy im Q2 400,7 Millionen US-Dollar an Vorzugsdividenden, während das S&P B- Credit Rating weiterhin klar im spekulativen Bereich verortet bleibt. Strive ist zwar kleiner und trägt laut den Angaben keine Schulden, muss aber wegen des höheren Coupons mehr zahlen, um die Bitcoin-Käufe zu finanzieren: Die 13,00% annualisierte SATA-Verzinsung wirken deshalb wie ein Dauerbetrieb, der die Entscheidung über „weiter kaufen“ eng mit der Frage verbindet, ob SATA in der Nähe von Par bleibt und damit weitere Emissionsmöglichkeiten bietet.
Auch die Kursentwicklung der Aktien zeigt, dass die Kapitalentscheidungen nicht einfach den Bitcoin-Preis nachzeichnen. Strive lag über die letzten Zeitfenster in mehreren Messpunkten deutlich vorn: +116,82% über einen Monat und +183,76% über sechs Monate. Strategy dagegen verlor in derselben Sechs-Monats-Spanne etwa -6,74% und lag im Jahr bis dato bei -13,21%. Das lässt sich nicht nur mit dem Kryptomarkt erklären, denn Bitcoin gewann im gleichen 30-Tage-Zeitraum zwar 21,88%, blieb aber über zwölf Monate um -29,48% im Minus. Der Abstand zwischen Bitcoin und den beiden Aktien macht deutlich, dass die Finanzierung über Vorzugsaktien, die Rückkaufprogramme und die Dividendenlogik selbst dann hineinspielen, wenn die Unternehmen wirtschaftlich stark an Bitcoin gekoppelt sind.
Für Investoren und Entscheider ist die eigentliche Aussage deshalb weniger „wer kauft mehr BTC“, sondern „welcher Finanzierungskanal ist gerade aktiv“. Strive hat demnach einen Mechanismus, der weiterhin Kapital in das Vorzugssegment lenkt, um Bitcoinkäufe fortsetzen zu können, während Strategy in der laufenden Phase eher cash einsetzt, um STRC unter Parität zurückzukaufen und dadurch zukünftige Dividendenauszahlungen zu senken. Das führt zu einem praktischen Unterschied im Timing: Strive muss SATA mit 13% Coupon weiter „durchziehen“, Strategy muss dagegen abwägen, wann Bitcoin-Käufe wieder an Priorität gewinnen, und STRC muss wieder näher an seine 100-Dollar-Par-Werte laufen. Wenn SATA weiterhin Strive bei der Kapitalaufnahme hilft, während STRC unter 100 US-Dollar bleibt, könnte sich die Kaufaktivität über Wochen hinweg weiter auseinanderentwickeln – nicht weil beide Unternehmen denselben Finanzierungsbaustein gewählt haben, sondern weil die Marktpreise für genau diesen Baustein gerade unterschiedlich „übersetzt“ werden.
Unterm Strich zeigt der Vergleich Strive vs. Strategy, wie stark die Detailmechanik von Vorzugsaktien in Bitcoin-Unternehmen wirkt: Das Instrument ist bei beiden ähnlich, die Kurslage der jeweiligen Vorzugsaktien bestimmt jedoch, ob Emissionen als sinnvoll erscheinen oder Rückkäufe die bessere Kapitalverwendung sind. Für Unternehmen mit Bitcoin-Treasury bedeutet das, dass die Roadmap nicht nur von der Marktmeinung zu Bitcoin abhängt, sondern auch von der Frage, wie stark Dividendenverpflichtungen die Kapitalallokation formen. Und für Aktionäre bleibt die nächste entscheidende Beobachtung, ob Strive dauerhaft nahe am SATA-Parniveau Kapital nachschieben kann und ob Strategy STRC bis in den von Phong Le genannten Bereich zurückführen und dadurch die Verpflichtungen nachhaltig senken kann.
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