LONDON (IT BOLTWISE) – Strategy hat Bitcoin zwischen Ende Juni und Mitte August in vier Tranchen zu einem gewichteten Durchschnittspreis von rund 62.200 US-Dollar verkauft und danach wieder zu deutlich höheren Preisen zurückgekauft. Laut CEO Phong Le handelt es sich dabei nicht um eine Kurswette, sondern um Bilanz- und Finanzierungsentscheidungen, um die Nettoverschuldung von rund 7 Milliarden auf null zu senken. Der Rückkauf wurde in der Woche bis zum 31. August mit 370 Millionen US-Dollar finanziert, wobei dafür unter anderem MSTR-Aktien mit Aufschlag verkauft wurden. Im Kern steht für Anleger die Frage, ob die mNAV-Prämie als „Schwungrad“ für zukünftige Kapitalbeschaffung wieder anspringt.

Strategy-CEO verteidigt Bitcoin-Rückkauf teurer: Bilanz statt Kurswette
Strategy-CEO verteidigt Bitcoin-Rückkauf teurer: Bilanz statt Kurswette (Foto: IT BOLTWISE)
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Der scheinbare Widerspruch ist schnell erzählt: Strategy verkauft Bitcoin zu einem Preis nahe der 60.000-US-Dollar-Marke und kauft ihn wenige Wochen später wieder teurer zurück. Genau dieses Muster – Verkauf zu rund 62.200 US-Dollar im gewichteten Durchschnitt, anschließend Rückerwerb zu 80.318 Dollar pro Coin – hat die Diskussion um die Stabilität des Geschäftsmodells angefacht. CEO Phong Le stellt dazu eine andere Logik in den Vordergrund: Es gehe nicht darum, kurzfristige Kursbewegungen zu handeln, sondern auf Bilanzveränderungen und Finanzierungskosten zu reagieren. Damit wird aus dem „Never-Sell“-Narrativ ein aktives Bilanzmanagement, das Entscheidungen über das Timing von Verkäufen und Rückkäufen an Kennzahlen knüpft statt am aktuellen Bitcoin-Kurs abzuleiten.

Technisch betrachtet lässt sich die Abfolge der Trades wie ein Steuerungsproblem der Kapitalstruktur lesen. Laut den Angaben im Bestandsbuch trennte sich Strategy zwischen Ende Juni und Mitte August in vier Tranchen von insgesamt 6.916 Bitcoin. Der gewichtete Durchschnittspreis lag dabei bei rund 62.200 US-Dollar. Schon in der Woche bis zum 31. August kaufte das Unternehmen anschließend 4.603 Bitcoin für 370 Millionen US-Dollar, also zu einem durchschnittlichen Preis von 80.318 Dollar. Finanziert wurde der Rückkauf unter anderem durch den Verkauf von MSTR-Aktien. Dass der Abfluss und Rückfluss so eng getaktet ist, wirkt daher weniger wie eine singuläre Spekulation, sondern eher wie die Umsetzung eines Plans, der erst dann „verkaufsfähig“ wird, wenn Finanzierungslinien, Kostenstruktur und Bilanzkennzahlen zusammenspielen.

Der CEO verknüpft diese Maßnahmen offen mit dem Zweck, Dividenden und Rückzahlungslogiken zu bedienen. „Damals war es der richtige Trade“, so die Argumentation im Interview, um STRC-Dividenden zu finanzieren; „jetzt ist es der richtige Trade“, MSTR mit einem Aufschlag zu verkaufen, um Bitcoin zu kaufen. Entscheidend ist die Aussage, dass Strategy nicht in jeder Phase denselben Satz an Regeln befolgt, sondern den Zeitpunkt danach wählt, ob ein Verkauf im Gesamtsystem zu günstigeren Finanzierungsbedingungen führt. Le verweist zudem auf den Effekt einer stärkeren Bilanz: In den zwei Monaten ohne Bitcoin-Nachkäufe habe Strategy die Nettoverschuldung von rund 7 Milliarden auf null reduziert. Sinkende Kosten für die Ausgabe neuer MSTR-Aktien hätten danach wieder Spielraum geschaffen, um Erlöse erneut in Bitcoin-Käufe zu übertragen. Für die Praxis bedeutet das: Selbst wenn ein Trade auf den ersten Blick „teuer zurückkauft“, kann er im Modell als Mittel funktionieren, um günstiger Kapital bereitzustellen und dadurch langfristig mehr Bitcoin zu akkumulieren.

Diese Interpretation lässt sich als Bruch mit einem früheren Dogma einordnen, das über Jahre das Narrativ prägte, niemals verkaufen zu wollen. Schon im Mai habe Strategy die Haltung aufgeweicht: Statt nie zu verkaufen, verpflichtete sich das Unternehmen im Kern darauf, unter dem Strich weiterhin Netto-Käufer von Bitcoin zu bleiben. Der CEO nennt dabei konkrete Auslöser für einen Verkauf: Eine Option könne relevant werden, wenn der Aktienkurs unter das Einfache des Nettoinventarwerts der Bitcoin-Bestände fällt und gleichzeitig kein frisches Kapital über Eigen- oder Fremdkapital beschafft werden kann. Dahinter steckt ein klassisches Prinzip aus dem Corporate-Finance-Baukasten: Wenn Marktpreise für die Aktie und die Bewertung der Bestände auseinanderlaufen, kann das „Schwungrad“ aus Kapitalemission und anschließender Bitcoin-Aufstockung aus dem Takt geraten. Dann wird der Verkauf selbst bei fallendem Kurs nicht automatisch zum Fehler – er kann vielmehr verhindern, dass das Unternehmen zu ungünstigen Konditionen Kapital bereitstellt oder am Ende sogar Zwangsmaßnahmen riskieren muss.

Damit rückt eine Kennzahl in den Fokus, die in dem Zusammenhang mehrfach auftaucht: die mNAV-Prämie. Sie setzt den Marktwert von Strategy ins Verhältnis zum Wert der gehaltenen Bitcoin. Fünf Jahre lang habe diese Mechanik funktioniert, weil Wertpapiere ausgegeben wurden, Bitcoin gekauft wurde und die Aktie mit einer deutlichen Prämie zum Bitcoin-Bestand daraufhin nach oben reagierte – zeitweise bis zum 3,89-Fachen. Im Sommer 2026 habe sich dieses Muster jedoch verändert: Bei Betrachtung der Stammaktie fiel die mNAV zeitweise auf rund 0,7, die Aktie notierte damit zeitweise unter dem Wert der eigenen Bitcoin-Bestände. Mit Vorzugsaktien und Wandelanleihen lag die Kennzahl etwas höher bei rund 1,05. Solche Abweichungen sind mehr als ein Bewertungsdetail: Wenn die Aktie nicht mehr als effizientes „Finanzierungsvehikel“ dient, müssen sich die Regeln verschieben – und genau dort entstehen die scheinbaren Paradoxien aus Verkauf und Rückkauf zu unterschiedlichen Preisen.

Auch die Größenordnung der Bestände und die daraus folgenden Effekte erklären, warum die Debatte für Anleger nicht nur theoretisch ist. Strategy hält nach eigenen SEC-Angaben rund 847.363 Bitcoin, gekauft zu einem Durchschnittspreis von etwa 75.650 Dollar je Coin; die gesamten Einstandskosten werden mit rund 64 Milliarden US-Dollar beziffert. Bei Bitcoin-Kursen unter 60.000 US-Dollar bedeutete das zeitweise einen Buchverlust von rund 12,5 Milliarden Dollar auf den gesamten Bestand. Das erklärt die emotionale Schärfe der Diskussion um die Trade-Entscheidungen, zeigt aber zugleich, warum Bilanzsteuerung in solchen Modellen so eng mit Kapitalmarktbewertungen verbunden ist. Verschärfend kommt hinzu, dass ein potenzieller Eingriff in die Indexlandschaft nach den Berichten über Überlegungen eines Indexanbieters die Risikowahrnehmung erhöhen kann: Wenn indexnachbildende Fonds Aktien verkaufen müssten, wäre der Spielraum für freiwillige Finanzierung kleiner, und die Frage nach der mNAV-Refinanzierungsfähigkeit rückt noch stärker in den Vordergrund.

Für den weiteren Verlauf bleibt für Anleger zentral, ob das Schwungrad wieder anspringt – also ob die mNAV-Prämie sich erholt und damit die Abfolge „günstige Kapitalbeschaffung, anschließende Bitcoin-Zukäufe“ erneut effizient funktioniert. Am 8. September kündigte Strategy außerdem erweiterte Kapitalrückführungs- und Rückkaufermächtigungen an, nachdem zwischen dem 31. August und dem 7. September weder Aktien verkauft noch zurückgekauft wurden. Unabhängig davon steht die Aktie selbst unter Druck: Sie notiert binnen zwölf Monaten mehr als 50 Prozent im Minus, während Bitcoin im gleichen Zeitraum um rund 28 Prozent nachgab. Dass viele Analysten die MSTR-Aktie dennoch als Kauf einschätzen und ein Analyst sogar eine Vervielfachung für möglich hält, unterstreicht die Uneinigkeit über den Pfad der mNAV-Prämie. Entscheidend wird damit weniger die einzelne Kauf- oder Verkaufstransaktion sein, sondern die dauerhafte Interaktion zwischen Aktienbewertung, Kapitalzugang und dem Tempo, mit dem Strategy netto Bitcoin aufbauen kann.


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