KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die PANDION AG steht nach einem Verlust von rund 69 Millionen Euro im Jahr 2025 unter Insolvenzbedingungen. Ein Liquiditätsengpass stoppte im August die Zinszahlung für die Unternehmensanleihe 2021/2028. Das Amtsgericht Köln hat daraufhin ein Verfahren in Eigenverwaltung gestartet und Prof. Dr. Torsten Martini als vorläufigen Sachwalter eingesetzt. Parallel soll nun ein M&A-Prozess klären, ob Investoren die Gruppe ganz übernehmen oder Teile sichern können.

Bei PANDION kommt derzeit vieles zusammen: Kapitalmarktstress, operative Handlungszwänge und ein rechtlich eng getakteter Sanierungsrahmen. Nachdem die PANDION AG bereits mit Insolvenzanträgen und Liquiditätsproblemen Schlagzeilen gemacht hatte, verschärfte sich die Lage im Verlauf des Jahres 2025 so deutlich, dass das Unternehmen für das Geschäftsjahr ein vorläufiges Ergebnis vor Ertragsteuern von rund minus 69 Millionen Euro ausweisen musste. Solche Größenordnungen sind im Geschäftsmodell meist nicht durch „Kostenoptimierung allein“ zu nivellieren, weil gleichzeitig die Refinanzierung und die Zahlungsfähigkeit unter Druck geraten. Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Zäsur: Nicht nur die Bilanzkennzahlen, sondern die Fähigkeit zur fristgerechten Bedienung von Verpflichtungen wird zum Trigger für weitere Schritte.
Den unmittelbaren Startpunkt lieferte Anfang August ein unerwarteter Liquiditätsengpass. Im Kern ging es nicht um einen „kleinen“ Cashflow-Riss, sondern um einen zurückgezogenen Finanzierungsbaustein: Ein Finanzierungspartner zog einen ursprünglich eingeplanten Teil der Finanzierung entgegen früheren Erwartungen zurück. Dadurch konnte die fällige Zinszahlung für die Unternehmensanleihe 2021/2028 zum 5. August nicht geleistet werden. Dass die Anleihegläubiger erst im November zuvor einer Verlängerung der Laufzeit bis August 2028 sowie einer Erhöhung des Zinssatzes auf 8 Prozent zugestimmt hatten, macht die Diskrepanz besonders deutlich. Wer einem geänderten Zins- und Laufzeitprofil zustimmt, rechnet typischerweise auch mit einer Stabilisierung der Zahlungsströme; wenn diese dann ausbleiben, fällt der nächste Dominoeffekt meist schneller als in der klassischen Planungslogik möglich aus.
Aus der ausgesetzten Zinszahlung entstand eine Kette prozeduraler Schritte, die schließlich rund einen Monat später im Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung mündete. Das Vorgehen ist in der Praxis für Unternehmen oft dann attraktiv, wenn die operative Führung trotz Insolvenzrahmen fortgeführt werden soll und der Gesetzeszweck die Sanierung durch die vorhandene Managementstruktur unterstützen kann. Entsprechend hat das zuständige Amtsgericht Köln das Verfahren in Eigenverwaltung eingeleitet, um der Unternehmensführung den nötigen Handlungsspielraum für die Sanierung zu belassen. Für das operative Tagesgeschäft bedeutet das: Der Fokus verschiebt sich weg von reiner Fortführung auf strukturierte Maßnahmenpakete, die in kurzer Zeit Belege liefern müssen, dass Käufer- oder Investorenoptionen realistisch sind.
Damit der M&A-Prozess nicht im Nebel von Absichtserklärungen stecken bleibt, wurde Prof. Dr. Torsten Martini von der Kanzlei Görg zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Seine Aufgabe zielt vor allem darauf ab, den Prozess zu überwachen und die Gläubigerinteressen zu wahren, während die Suche nach Investoren bereits Fahrt aufnimmt. Inhaltlich geht es laut Darstellung nicht nur um die Teile der Gruppe, für die bereits ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet wurde, sondern ausdrücklich auch um bislang nicht insolvente Bereiche. Genau diese Abgrenzung ist kaufmännisch entscheidend: Ein Käufer bewertet zumeist nicht das „Gesamtbild“ als Erzählung, sondern die einzelnen Vermögenswerte, Verträge und Risiken je Gesellschaft. Entsprechend sollen die beauftragten Berater potenzielle Investoren identifizieren, die entweder Kapital in die Struktur einbringen oder konkrete Geschäftsbereiche übernehmen möchten.
Der Markt reagiert darauf weiterhin mit Skepsis, was sich auch in der Kursentwicklung zeigt. In den vergangenen 30 Tagen verzeichnete die Aktie einen Rückgang von 14 Prozent, gestern schloss das Papier bei einem Kurs von 4,95 Euro. Parallel wird die Situation offenbar auch technisch sehr stark gespiegelt: Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt bei 23,3 und damit im deutlich überverkauften Bereich. Solche Konstellationen bedeuten nicht automatisch eine Trendwende, aber sie signalisieren, dass Anleger die Wahrscheinlichkeit für negative Szenarien derzeit höher gewichten als mögliche Erholungen. Für das weitere Vorgehen heißt das: Die kommenden Wochen werden weniger über „Hoffnung“ entscheiden als über konkrete Resonanz von Investoren, also über ob und wie schnell sich Verhandlungen aus der abstrakten M&A-Suche in belastbare Angebote übersetzen lassen.
Technisch betrachtet ist der M&A-Ansatz in dieser Lage weniger ein „Verkaufsprogramm“ als ein Risiko- und Wertmanagement in mehreren Ebenen. Erstens muss in der Eigenverwaltung die Informationslage so strukturiert werden, dass Interessenten Due Diligence tatsächlich durchführen können, ohne dass der Prozess an fehlenden Unterlagen oder unklaren Abhängigkeiten scheitert. Zweitens hängt die Bewertung davon ab, ob die künftige Liquidität über den Übergang hinaus stabilisiert werden kann – gerade weil die Aussetzung der Zinszahlung im August ein Warnsignal gesetzt hat. Drittens ist die Gläubigerlogik ein anderes als die von strategischen Käufern: Investoren wollen Planbarkeit, Gläubiger wollen Schutz ihrer Ansprüche und ein realistisches Ergebnis. Genau deshalb wird in solchen Prozessen oft gleichzeitig nach strategischen Partnern und Finanzinvestoren gesucht, um unterschiedliche Hebel zu bedienen.
Für die Praxis in Unternehmen und in den Finanzierungsteams steckt in der PANDION-Situation eine wichtige Lehre: Liquiditätsrisiken wirken oft kurzfristiger als Ergebnis- und Planungsgrößen es vermuten lassen. Die Verluste von rund 69 Millionen Euro sind zwar zentral, aber der Auslöser lag im Finanzierungsbaustein und damit in der Frage, ob vereinbarte Refinanzierungsannahmen tatsächlich eintreten. Wer als Projektgesellschaft oder Mittelstandsgruppe mit Projektfinanzierung arbeitet, sollte deshalb deutlich stärker auf „Funding-Contingencies“ achten – also Szenarien für das Zurückziehen von Bausteinen und klare Kommunikationswege zu Kapitalgebern. Ob der M&A-Prozess bei PANDION eine Stabilisierung auslösen kann, hängt in den kommenden Wochen maßgeblich davon ab, wie stark die Nachfrage nach der Gesamtgruppe oder nach einzelnen Einheiten wirklich ist und ob daraus ein tragfähiger Sanierungs- und Übernahmeplan wird.
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