NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Trotz weiterhin hoher US-Inflation konnten die US-Börsen am Freitag spürbar zulegen. Zur Kursstütze trugen vor allem zurückkommende Ölpreise bei. Gleichzeitig verfestigte sich die Erwartung, dass die Fed in der kommenden Woche den Leitzins anhebt. An der Tech-Front schwankten Softwaretitel, während KI-Hardware besonders stark nach oben sprang.

Die Erholung an der Wall Street kam am Freitag nicht aus dem Bauch heraus, sondern aus einer Kombination aus Makrodaten und Energiepreisen. Zwar blieb die US-Inflation im August unverändert hoch und lag laut Angaben im Jahresvergleich bei 3,4 Prozent. Genau diese Persistenz lieferte den Marktteilnehmern den bekannten Grundton: Viele rechneten damit, dass die US-Notenbank Fed in der kommenden Woche den Leitzins anhebt. Gleichzeitig sorgten aber fallende Ölpreise für einen spürbaren Entlastungseffekt, der die ohnehin nervöse Börsenwoche am Ende doch noch in Richtung Grün drehte.
Am stärksten sichtbar wurde die Gegenbewegung in den großen Indizes: Der marktbreite S&P 500 stieg um 0,86 Prozent auf 7.656,98 Punkte. Der technologielastige NASDAQ 100 gewann 0,91 Prozent auf 29.368,44 Punkte und damit überproportional gegenüber vielen defensiveren Segmenten. Der Dow Jones Industrial unterbrach dagegen seine vorherige Serie von zuletzt vier Verlusttagen und legte um 0,98 Prozent auf 52.573,29 Punkte zu. Für das Wochenbild bleibt dennoch eine Bremse: Der S&P 500 wie auch der Dow Jones notierten insgesamt weiterhin mit einem Wochenminus, während der Dow am Vortag sogar knapp unter 52.000 Punkten gelegen hatte und damit nahe am niedrigsten Stand seit Ende Juli war.
Damit war das Makro-„Warum“ zwar geklärt, das „Wie“ lief jedoch über einzelne Sektoren. Im Softwarebereich zeigten sich am Freitag zwei gegensätzliche Reaktionsmuster. Adobe geriet zunächst unter Druck, weil der Umsatzausblick enttäuschte, konnte anschließend aber doch noch um 1,4 Prozent ins Plus drehen. Oracle hingegen startete nach einem ersten Kursimpuls von bis zu acht Prozent deutlich fester, drehte jedoch später um 1,7 Prozent ins Minus. Der Hintergrund: Oracle profitierte zwar weiterhin von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur, aber die zwischenzeitliche Erholung der Aktie bis Anfang der Woche erhöhte offensichtlich die Nervosität der Anleger – eine Mischung aus Gewinnmitnahmen und Skepsis gegenüber der Nachhaltigkeit der jüngsten Bewegung.
Wichtige Indexwirkung kam vor allem aus dem Hardware- und Serversegment. Besonders im KI-Bereich legten die Titel stark zu: HP Inc (HP), HP Enterprise (Hewlett Packard Enterprise) und Dell (Dell Technologies) schossen laut Kursentwicklung jeweils in Größenordnungen von bis zu 12 Prozent nach oben. Marktteilnehmer verwiesen in dem Zusammenhang auf positive Signale aus der Investorengesprächswelt: Beim Dell-Management habe die Tonalität auf einer Investorenkonferenz vom Mittwoch positiv auf den Server-Absatz eingezahlt. Zusätzlich hob ein Analyst von RBC Dell in der Bewertung hervor und nannte dabei die Nachfrage nach KI-Infrastruktur als zentrales Argument. Daneben setzten auch große Tech-Namen wie Alphabet, Amazon und Apple ihre Aufwärtsbewegung relativ deutlich fort und kamen auf Gewinne von bis zu zwei Prozent.
Auch abseits der Mega-Caps spielte die Story „Erwartungsmanagement“ eine Rolle. Bei Kroger belasteten zunächst gesenkte Umsatzprognosen im Zuge der Quartalszahlen den Kursverlauf; der Titel startete schwach. Doch nach einer Annäherung an ein bisheriges Zwei-Jahres-Tief drehten Anleger offenbar relativ schnell in den Modus „zu teuer war gestern“: Der Kurs stieg schließlich um 2,7 Prozent. Gleichzeitig blieb das Thema M& A ein Katalysator für Schlagzeilen. Die Aktien von ACV Auctions sprangen um 44 Prozent, nachdem ein Angebot aus der Fahrzeugauktionsbranche den Takt vorgab; Copart, der Wettbewerber, blieb zwar zunächst freundlich, fiel danach aber um 2,6 Prozent zurück.
Für die nächste Phase dürfte entscheidend sein, ob sich der von den Ölpreisen ausgelöste Entlastungseffekt durchhält und wie die Märkte die Inflationshartnäckigkeit einpreisen. Solange die Teuerung bei 3,4 Prozent im Jahresvergleich bleibt und damit über dem Zwei-Prozent-Ziel liegt, wirkt das Zinsregime wie ein struktureller Taktgeber. Gleichzeitig zeigt die Kursverteilung vom Freitag, dass Investoren – trotz Makrorisiken – im KI-nahen Infrastruktur-Stack selektiv Risiko aufnehmen. Für Unternehmen und Anleger bedeutet das: Wer entlang der Server- und Hardware-Lieferkette investiert oder dort Beschaffungszyklen plant, bekommt derzeit Rückenwind, muss aber mit einem Markt rechnen, der schon auf kleine Konjunktur- oder Erwartungsänderungen schnell reagiert.
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