ALASKA / LONDON (IT BOLTWISE) – Französische Rafale-Kampfjets starten zu einer 40-tägigen Weltmission, die Arktis, Tropen und Wüste verbindet. Die Flugroute umfasst 40.000 Kilometer, fünfmaliges Auftanken in der Luft und neun Stopps mit Partnern aus mehreren Kontinenten. Frankreich will damit die Interoperabilität im Ernstfall üben und zugleich die Bedeutung von Bündnissen für Freiheit der Navigation unterstreichen. Die Übung Pegase 26 endet im Nahen Osten und soll im Umfeld von wachsenden Spannungen und neuen Flugkorridoren politisch wie operativ ein Signal setzen.

Frankreich legt beim militärischen Flugbetrieb gerade Tempo und Reichweite zusammen: Mit der Übung Pegase 26 schicken die französischen Streitkräfte vier Rafale-Kampfjets für 40 Tage auf eine globale Route. Ausgangspunkt ist die Basis Istres im Süden Frankreichs; von dort aus geht es über mehrere Klima- und Luftraumzonen bis in den Nahen Osten und schließlich nach Ägypten. Der Auftrag wird dabei nicht als reines Schaulaufen geplant, sondern als operativer Test der Zusammenarbeit mit strategischen Partnern, darunter Japan, Südkorea, Indonesien und Indien. Für die beteiligten Besatzungen zählt vor allem, wie gut sich Flugprofile, Kommunikation und Einsatzabläufe über große Distanzen hinweg abstimmen lassen.
Technisch beschreibt die Mission eine konkrete Kette logistischer Voraussetzungen: Die Jets legen insgesamt 40.000 Kilometer zurück und durchqueren drei Kontinente, ohne dass es an der Seite der Luftbetankung „nur“ eine einzelne Option gäbe. Laut den Angaben aus dem Umfeld der Übung werden drei Luftbetankungsflugzeuge eingesetzt, dazu kommen zwei Transportflugzeuge. Während der Verlegung wird mehrfach in der Luft nachgetankt; auf dem Abschnitt von Istres nach Alaska nennt die Berichterstattung fünf Betankungen während des Fluges, um ohne Zwischenlandung die Distanz abzudecken. Die Übung wird von einem Hauptquartier nahe Lyon koordiniert und umfasst rund 300 Mitarbeitende, die unterschiedliche Rollen in Planung, Flugvorbereitung und Unterstützung übernehmen.
Ein besonderer Fokus liegt in der Anfangsphase auf dem „High North“-Abschnitt. Die Rafale fliegen zunächst in Richtung Alaska und passieren dabei auch Grönland, wo ein Airbus A400M stationiert ist, der laut Beschreibung sogar auf Eis landen kann. Für die Luftstreitkräfte sind solche Bedingungen mehr als Geografie: Temperaturunterschiede verändern Treibstoffkonsummuster, Auftrieb und Flugfenster, und gerade im arktischen Luftraum wächst die Bedeutung flexibler Routenplanung. General Julien Sabèné hebt in diesem Zusammenhang hervor, dass der Nordkurs bewusst gewählt wird, weil es zusätzliche Optionen für den Fall geben muss, dass Einsätze in Richtung Indo-Pazifik ausweichen müssen. Damit wird die Frage „Welche Route ist verfügbar?“ zu einer operativen Übungsgröße, nicht nur zu einer strategischen Annahme.
Der politische Unterton entsteht aus der zeitlichen Lage und dem Sicherheitsumfeld. In der Berichterstattung wird Donald Trump mit wiederholten Drohungen in Verbindung gebracht, die darauf zielen, Kontrolle über Grönland zu übernehmen; das soll die Stabilität innerhalb der NATO belasten und Vertrauen zwischen Verbündeten beschädigen. Grönland gilt dabei als selbstverwalteter Teil des NATO-Mitglieds Dänemark. Gerade weil NATO-Mitglieder auf Verteidigung ausgelegt sind, will Frankreich mit Pegase 26 den praktischen Gegenbeweis antreten: Nicht nur Worte zu Bündniszusammenarbeit, sondern die Fähigkeit, Systeme und Prozesse gemeinsam zu nutzen. Alice Rufo, stellvertretende Verteidigungsministerin, formuliert den Kern dieser Perspektive ohne auszuweichen: „Wir fliegen zusammen, wir landen zusammen, wir arbeiten zusammen“, und Interoperabilität müsse im Vorfeld vorbereitet werden, damit sie im Bedrohungsfall unmittelbar abrufbar ist.
Ein weiterer Strang verbindet die Übung mit dem strategischen Anspruch auf Abschreckung und Reichweite, ohne Pegase 26 als nukleare Übung auszuweisen. Die Jets tragen keine realen Waffen; es heißt, sie führen nur Attrappen konventioneller Bewaffnung mit, um Gewicht und Aerodynamik für realistische Manöver zu simulieren. Gleichzeitig werden Piloten aus der Französischen Strategischen Luftstreitmacht eingebunden, die einen Teil des nuklearen Abschreckungssystems betreibt. Die Übung dient also weniger der Demonstration eines bestimmten Waffentyps, sondern der „operativen Fahrfähigkeit“ über Konfliktzonen hinweg: Frankreich zeigt, dass es Kampfflugzeuge schnell zwischen möglichen Einsatzräumen wie Arktis, Pazifik und Nahost verlegen kann, während es den Betrieb aus eigenen Basen aufrechterhält. In der Logik spielt auch hinein, dass viele US-Luftbetanker im Kontext des Konflikts um den Iran gebunden sein sollen, wodurch französische Eigenständigkeit in der Einsatzunterstützung an Bedeutung gewinnt.
Damit schlägt Pegase 26 auch eine Brücke zur Frage nach internationaler Ordnung und zu Regeln für die Freiheit der Navigation. Die Flugroute führt dafür durch den Persischen Golf über Katar und endet in Ägypten; laut Darstellung ist die Auswahl der Regionen zugleich symbolisch, weil Prinzipien wie internationale Rechtssicherheit und Navigation in der Praxis zunehmend herausgefordert werden. Rufo ordnet das als Argument für „Netzwerkfähigkeit“ ein: Souveränität lasse sich effektiv nur innerhalb von Partnerschaften ausüben, und die ungewöhnlich hohe Zahl an Partnern in dieser Mission sei dafür ein sichtbarer Beleg. In der Gesamtschau zeigt die Übung damit, wie sich Sicherheitsplanung in einem Umfeld verändert, in dem große Mächte Multilateralismus zunehmend in Frage stellen und Teilkooperationen unter Druck geraten können.
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