LONDON (IT BOLTWISE) – Der CEO von Strategy erklärt, dass Banken die Bitcoin-Bestände des Unternehmens nicht als „wirklich“ nutzbares Kredit-Sicherungsmittel akzeptieren wollten. Im Kern hätten die Kreditgeber vor allem sehen wollen, dass Strategy Bitcoin im Notfall veräußern kann, um Liquidität zu schaffen. Der Manager ordnet die „Never sell“-Botschaft dabei als Marketingelement statt als verbindliche, von der Unternehmensführung abgesegnete Policy ein. Außerdem kritisiert er die verbreitete Erwartung, Investoren müssten Bitcoin bis ins Detail verstehen oder ausschließlich per Self-Custody verwahren.

Strategy-CEO erklärt: Banken verlangten Verkaufsbereitschaft bei Bitcoin-Kreditbesicherung
Strategy-CEO erklärt: Banken verlangten Verkaufsbereitschaft bei Bitcoin-Kreditbesicherung (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskussion um Bitcoin als Sicherheitenwert rückt erneut in den Fokus, weil Strategy-Chef Phong Le laut eigenen Aussagen den Druck durch Kreditgeber konkreter beschreibt als zuvor: Banken hätten das Unternehmen nicht einfach deshalb Kredite vergeben wollen, weil es große Bitcoin-Bestände hält, sondern weil die Glaubwürdigkeit der Liquidierbarkeit entscheidend sei. Le bringt das mit einem anschaulichen Bild aus dem Hypothekenalltag auf den Punkt: Wenn ein Kreditinstitut prüfen soll, wie „viel“ ein Sicherungsobjekt real wert ist, zählt aus Sicht der Bank weniger die abstrakte Behauptung, sondern ob das Unternehmen im Ernstfall die Mittel tatsächlich mobilisieren kann. Genau diese Mobilisierbarkeit, so das Argument, hätten die Banken bei der Bitcoin-Besicherung nur dann als gegeben angesehen, wenn die Gesellschaft im Zweifel auch verkaufen würde.

Damit hängt eine zweite, für Anleger wie Kreditgeber gleichermaßen relevante Frage zusammen: Welche Aussagen gelten im Unternehmen verbindlich – und welche eher als Kommunikation nach außen? Le stellt klar, dass die vielzitierte „never sell“-Position bei Strategy nicht als formal ausformulierte, in der Governance verankerte Unternehmenspolitik verstanden werden dürfe. Er beschreibt sie vielmehr als Marketingbotschaft, die jedoch nicht als Vorstandsbeschluss oder als „board-governed decision“ in dem Sinne fixiert gewesen sei, dass es „nichts Schriftliches“ gebe, was eine dauerhafte Veräußerungsverweigerung verbindlich festlegt. Aus dieser Differenz zwischen öffentlichem Narrativ und interner Entscheidungslogik ergibt sich ein praktischer Effekt: Für Kreditverhandlungen ist die entscheidende Variable nicht nur, wie das Unternehmen heute handelt, sondern wie es im Worst Case handeln könnte.

Technisch und finanzlogisch berührt die Aussage eine klassische Mechanik aus dem Kreditgeschäft: Wer einen Kredit gegen ein knappes, volatiles Gut wie Bitcoin besichert, muss dem Risikomanagement ein belastbares Bild über Liquidität, Haircuts und mögliche Erlöswege liefern. Le sagt sinngemäß, dass Kreditinvestoren Cash zunächst höher bewerten als Kryptowährungsrisiken; Bitcoin werde insbesondere dann eher akzeptiert, wenn ein Unternehmen signalisiert, dass es die Position bei Bedarf reduzieren kann. Dabei geht es nicht nur um die Frage „ob“ verkauft wird, sondern um den Nachweis „dass man es tun kann“, also um die Erwartungen, die ein Bankensystem bei der Bewertung von Sicherheiten anlegt. Le vergleicht das mit der Bewertung weiterer Vermögenswerte im Kreditprozess: Ein Hausbesitz kann zwar der erste Eindruck sein, aber die Bank will verstehen, was im Zweifel als unmittelbare Liquidität verfügbar wäre.

Dass Strategy solche Fragen offenbar neu strukturiert hat, verweist Le auch auf bereits umgesetzte Maßnahmen: Das Unternehmen habe einen digitalen Kredit- und Kapitalrahmen eingeführt, der unter anderem mehr Cash, den Rückkauf von bevorzugten Wertpapieren und – falls nötig – Verkäufe von Bitcoin vorsieht, um sowohl die Stamm- als auch die Vorzugsaktien zu stützen. In derselben Logik ordnet er auch die konkrete Bilanzbewegung ein: Strategy habe in diesem Jahr 7.000 BTC verkauft, gleichzeitig aber netto rund 170.000 BTC zugekauft, wodurch sich der Gesamtbestand um etwa 25% erhöht habe. Ergänzend nennt Le, dass Strategy bereits während des Bärenmarkts 2022 Bitcoin veräußert habe – ein Hinweis darauf, dass „Verkauf“ nicht als Tabu behandelt wurde, sondern als Instrument im Kapitalmanagement. Solche Muster sind für Kreditgeber oft relevanter als einzelne Schlagworte, weil sie zeigen, wie die Organisation in Stressphasen Entscheidungen trifft.

Auch die Debatte um die „Self-Custody“-Erzählung und die vermeintliche Notwendigkeit vollständigen Bitcoin-Verständnisses greift Le explizit an. Er bezeichnet die Erwartung, Investoren müssten zwingend „alles“ über die Funktionsweise von Bitcoin wissen, als arrogant und setzt dem ein demokratischeres Verständnis entgegen: Man müsse nicht jede technische Detailfrage beherrschen, um ein Vermögensinstrument zu halten. Gleichzeitig kritisiert er die Auffassung, Bitcoin müsse ausschließlich über Self-Custody verwahrt werden, und nennt diese Position „elitistisch“ – nicht im Sinne einer technischen Unterscheidung, sondern als kulturelles Narrativ. Für Unternehmen, die Bitcoin in Treasury-Strategien einbinden, ist diese Haltung ebenfalls praktisch: Je nachdem, wie Verwahrung, Liquiditätszugang und Verkaufskanäle organisiert sind, ändern sich die Bewertungsannahmen von Partnern und potenziellen Kreditgebern.

Parallel zur inhaltlichen Diskussion bleibt der Marktbezug präsent: Zuletzt lag der Bitcoin-Preis laut Quelle bei 77.451 USD, mit einem Tagesminus von über 1%. Strategy selbst hatte am betreffenden Handelstag ein Kursplus von knapp 2%. Gleichzeitig deutet die in der Quelle erwähnte Retail-Stimmung auf eine weitere Verschiebung im Erwartungsbild hin: Die Stimmung habe sich im Umfeld der Aktie und beim Bitcoin-Kontext von „bearish“ in „extremely bearish“ bewegt, während das begleitende Diskussionsvolumen als „low“ beschrieben wird. Solche Stimmungsindikatoren sind natürlich kein Fundament in dem Sinne wie Cashflow oder Bilanzrelationen, aber sie zeigen, wie stark das Marktgefühl mit Narrativen rund um „Halten“ versus „Verkaufen“ verknüpft ist. Wenn eine bisherige Kommunikationslinie („never sell“) im Nachhinein als nicht formal verbindlich eingeordnet wird, kann das bei Retail-Anlegern Zweifel auslösen – selbst dann, wenn das operative Verhalten im Kern unverändert wirkt.

Für Entscheider in Unternehmen mit eigener Krypto-Strategie liegt der eigentliche Wert der Aussagen weniger im Token selbst, sondern in der Verhandlungslogik mit Dritten. Kreditgeber und Finanzierungspartner arbeiten mit Risikomodellen, in denen Sicherheiten häufig als Kombination aus Marktwert, Liquidierbarkeit und Verfügbarkeit beschrieben werden. Le liefert dafür eine klare Übersetzung: Bitcoin wird als „brauchbares“ Sicherheiteninstrument vor allem dann gesehen, wenn das Unternehmen nachweisen kann, dass es die Position bei Bedarf in Liquidität überführen kann – und wenn interne Policy und externe Kommunikation konsistent genug sind, um dieses Szenario glaubwürdig zu machen. Genau hier entsteht ein operativer Handlungsraum: Wer heute ein „Never sell“-Narrativ pflegt, aber intern jederzeit Verkäufe akzeptiert, sollte die Governance-Story, die Kapitalrahmenbedingungen und die Kommunikationslinie so ausrichten, dass sie in Kreditverhandlungen nicht als Widerspruch auftauchen. Umgekehrt zeigt die Entwicklung, dass Selbst das stärkste „Halten“-Narrativ in der Praxis an Finanzierungsrealitäten stößt – sobald Banken Sicherheiten bewerten und nicht nur Überzeugungen hören.


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