DOHA / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Museum of Islamic Art in Doha steht auf einer künstlichen Insel vor der Corniche und wirkt wie ein geometrischer Solitär im Wasser. Der Entwurf von I. M. Pei entstand über ein langes Planungsfenster und öffnete am 1. Dezember 2008 für das Publikum. Im Inneren spannt sich ein mehrgeschossiges Atrium, das Galerien ringförmig miteinander verbindet und die Sammlung über rund 1.300 Jahre zugänglich macht. Besonders prägnant ist die Mischung aus reduziertem Kubus-System und islamisch inspirierten Ornament- und Motivbezügen.

Wer Doha nur als Skyline an der Küste wahrnimmt, übersieht leicht das zweite Bild der Stadt: das Museum of Islamic Art, das sich wie ein klar gezeichnetes Volumen aus der Uferlinie löst. Die Bauidee setzt bewusst auf Distanz zur geschäftigen Innenstadt, weil der Hauptkörper auf einer eigens angelegten Insel vor der Südkurve der Doha Bay positioniert ist und über einen niedrigen Damm mit der Corniche verbunden wird. So entsteht ein eigener Horizont über dem Arabischen Golf, während die Insellage den Architekturklang von „Stadt“ und „Meer“ unmittelbar gegeneinanderstellt.
Entworfen wurde das Museum vom chinesisch-amerikanischen Architekten I. M. Pei. In der Außensilhouette übersetzt der Entwurf geometrische Formen, wie sie in der islamischen Architektur häufig auftreten, in eine reduzierte, fast abstrakte Komposition aus rechtwinkligen Körpern. Der Hauptbau wächst in übereinander gestaffelten Kuben aus cremefarbenem Kalkstein zu einer turmartigen Figur zusammen und steht über einem breiten Sockel, der sich zur Stadt und zum Wasser öffnet. Zentral ist ein hoher Turm mit Kuppel, dessen Oberlicht Tageslicht in den Innenraum führt und zugleich die vertikale Gliederung nach innen fortsetzt.
Die Planung selbst begann Ende der 1990er Jahre, als die zuständige Kulturverwaltung in Katar das Projekt anstieß, um in Doha eine zentrale Institution für islamische Kunst zu schaffen. Pei wurde in den frühen 2000er Jahren mit Entwurf und Ausarbeitung betraut, bevor der Bau zwischen 2003 und 2008 entstand und schließlich am 1. Dezember 2008 eröffnet wurde. Städtebaulich markiert das Museum zudem ein Ende der „geschwungenen“ Corniche: Aus der linearen Uferpromenade wird an dieser Stelle ein offener Raum zur Bucht hin, was den Übergang zwischen Altstadtnähe und stärkerem Business-Distrikt begleitet.
Im Inneren organisiert sich die Ausstellung um ein hohes, mehrgeschossiges Atrium. Galerien liegen ringförmig um den zentralen Raum und werden über Treppen sowie Brücken miteinander verbunden, sodass Besucherwege nicht nur von Raum zu Raum führen, sondern auch Perspektiven zwischen den Ebenen eröffnen. Die Innenarchitektur und Museografie stammen von Wilmotte & Associés, die bereits mit Pei beim Louvre in Paris zusammengearbeitet hatten. Als Material- und Atmosphärenträger nennt die Anlage ein zurückhaltendes Zusammenspiel aus Stein, Metall und Holz, während Ornament, Schriftbänder und Muster an historische Bauformen erinnern, ohne den klaren Grundriss zu überladen.
Die Sammlung umfasst Werke aus einem Zeitraum von etwa 1.300 Jahren. Sie erstreckt sich über Regionen von Spanien und Nordafrika über den Nahen Osten bis nach Südasien und deckt damit unterschiedliche kulturelle Zentren ab, in denen islamische Kunsttraditionen entstanden und weiterentwickelt wurden. Gezeigt werden unter anderem Handschriften, Keramik, Metallarbeiten, Glas, Textilien sowie Holzobjekte, die thematische Schwerpunkte wie religiöse Schriftkultur, höfische Repräsentation oder ornamentale Dekore im Alltag sichtbar machen. Neben den Dauergalerien gibt es Flächen für Wechselausstellungen, die Epochen, Regionen oder einzelne Künstler in den Mittelpunkt rücken und dadurch die Sammlung weiter differenzieren.
Für den Besuch stellt vor allem die Lage an der Corniche die praktische Rahmung: Das Museum ist über die Uferstraße Al Corniche sowie innere Stadtstraßen erreichbar. Der Zugang führt über den flachen Damm und anschließend über Treppen und Rampen in das erhöhte Sockelgeschoss, das die Ausstellungsräume erschließt. In der Umgebung liegen die Doha Bay, der traditionelle Hafen für Dhau-Boote und weitere kulturelle Einrichtungen, wodurch sich der Besuch gut mit einem Spaziergang entlang der Promenade verbinden lässt; außerdem ist Arabisch die Amtssprache und als Währung wird in Katar-Riyal bezahlt. Für deutsche Reisende empfiehlt der Text, die Einreisebestimmungen nach Staatsangehörigkeit zu prüfen und dafür die Länderinformationen des Auswärtigen Amts zu konsultieren.
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