BRANDENBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Programm „Schatzsuche – Basis“ setzt in Kitas auf eine ressourcenorientierte Veränderung der Wahrnehmung im Kita-Alltag. Im Mittelpunkt steht, Stärken und Schutzfaktoren von Kindern sichtbar zu machen, statt Defizite zu betonen. Seit 2016 wird die Umsetzung in Brandenburg koordiniert und kombiniert das Vorgehen mit einer sechstägigen Weiterbildung im Tandem. Vorgesehen sind dabei zwei Teilnehmende pro Einrichtung, damit das Wissen intern besser in den Alltag gelangt.

Wenn Kitas über Prävention sprechen, geht es längst nicht mehr nur um Hygieneroutinen oder Organisation von Abläufen. Die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf das, was Kinder in ihren frühen Entwicklungsphasen emotional und sozial stabil hält: Selbstwirksamkeit, Beziehungen und ein inneres Gleichgewicht, das Belastungen abfedern kann. Genau an dieser Stelle setzt das Programm „Schatzsuche – Basis“ an. Es zielt darauf ab, die seelische und soziale Gesundheit von Kindern zu stärken – und bezieht ausdrücklich auch Familien sowie pädagogische Fachkräfte mit ein. Statt auf Krisenmanagement zu warten, wird Resilienz so zu einem dauerhaften Bestandteil des Alltags gemacht.
Der operative Kern der Initiative liegt dabei in einer gezielten Veränderung der Wahrnehmung: Im Alltag sollen Fachkräfte und Bezugspersonen lernen, stärker auf Ressourcen zu schauen. Das Programm folgt einem klaren Prinzip – nicht die Defizite rücken in den Mittelpunkt, sondern Stärken und Schutzfaktoren. Pädagogisch betrachtet bedeutet das, dass Beobachtungen, Gespräche und pädagogische Entscheidungen anders gerahmt werden: Wer hilft Kindern dabei, Herausforderungen zu bewältigen? Welche Signale zeigen, dass Beziehungen tragen? Welche Routinen unterstützen psychische Stabilität bereits bevor sich Probleme verdichten? Durch diese Perspektive sollen Kinder ebenso profitieren wie die Familien und die Fachkräfte selbst.
Damit diese Veränderung nicht bei guten Absichten stehen bleibt, ist das soziale Gefüge als Ganzes Teil des Konzepts. Das ist mehr als ein „Multiplikatoren“-Gedanke, denn die Umgebung wirkt auf Kinder über mehrere Kanäle: im Familienalltag, in der pädagogischen Interaktion, in gemeinsamen Aktivitäten und in dem, was Kinder in wiederkehrenden Situationen als verlässlich erleben. Die Umsetzung setzt daher auf die gemeinsame Arbeit an der Wahrnehmung im Kita-Alltag. In der Folge entsteht ein unterstützendes Umfeld, das die soziale Integration und die psychische Stabilität besonders in frühen Entwicklungsphasen begünstigen soll. Für Träger und Leitungen ist das zudem relevant, weil Prävention hier nicht als Einzelprojekt einer einzelnen Fachkraft verstanden wird, sondern als Teamaufgabe mit Bezug zu Strukturen.
Organisatorisch zeigt sich das Programm in Brandenburg besonders etabliert: Seit 2016 wird die Umsetzung im Land durch den Verein Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. koordiniert. Eine solche langfristige Koordinationsstruktur ist im Kita-Bereich nicht selbstverständlich, weil personelle Fluktuation, wechselnde Teams und wechselnde Rahmenbedingungen häufig kontinuierliche Begleitung erschweren. Der Ansatz, die Durchführung über Jahre hinweg zu begleiten, unterstützt dabei die Qualität und sorgt für einen wiederkehrenden Transfer in die Einrichtungen. Gleichzeitig adressiert die Initiative einen Bedarf, der in vielen Regionen sichtbar ist: immer mehr Kitas suchen nach einem strukturierten Weg, seelische Gesundheit präventiv zu fördern – also nicht erst dann zu reagieren, wenn eine Krise bereits eingetreten ist.
Entscheidend für die Praxisfähigkeit ist die Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte. „Schatzsuche – Basis“ sieht dafür insgesamt sechs Tage Qualifizierung vor. Ein besonderes Merkmal ist das Tandem-Prinzip: Pro teilnehmender Einrichtung werden zwei Personen entsendet, die die Fortbildung gemeinsam absolvieren. Diese Konstruktion wirkt wie ein interner Qualitätsanker. Wenn Wissen nicht nur auf einer einzelnen Schulter ruht, lassen sich Inhalte leichter im Team diskutieren, in bestehende Arbeitsroutinen einweben und in unterschiedlichen Situationen konsistent anwenden. Genau das adressiert ein typisches Umsetzungsproblem: Fachkräfte wissen oft, dass ressourcenorientiertes Denken Kindern hilft, aber der Schritt von der Idee zu konkreten Handlungsformen im vollen Kita-Alltag fällt schwer. Durch das Tandem-Design wird die Übertragung in die Praxis wahrscheinlicher, weil Kolleginnen und Kollegen denselben Prozess durchlaufen.
Auch die Rahmenbedingungen der Teilnahme sind entsprechend klar definiert. Die Teilnahmegebühr liegt bei 200 Euro pro Person, und das Schulungsangebot ist auf Kontinuität ausgelegt: Jährlich werden zwei Durchgänge der Weiterbildung angeboten. Für Einrichtungen bedeutet das planbare Qualifizierung, insbesondere wenn Teams regelmäßig durch neue Mitarbeitende ergänzt werden müssen. Gerade im Zusammenspiel aus wiederkehrenden Zyklen und Tandem-Entsendung lässt sich ein nachhaltiger Aufbau von Kompetenzen erwarten: neues Personal kann schrittweise ins Programm einsteigen, während erfahrene Teammitglieder den Ansatz weitertragen. Zusätzlich wird durch den Tandem-Ansatz vermieden, dass die Umsetzung zur „Privatkompetenz“ einzelner Personen wird, die später vielleicht nicht mehr im Team sind.
Für Trägerorganisationen entsteht daraus ein relativ direkter Weg, Prävention in den Regelbetrieb zu verankern. Hinter „Schatzsuche – Basis“ steht als Trägerorganisation die HAG-Kontor gGmbH, während bundesweite Programminhalte und regionale Koordinierungsstellen zusammenwirken. Diese Aufteilung ist in der Praxis häufig der Grund, warum Konzepte überhaupt skalieren: zentral wird ein methodischer Rahmen bereitgestellt, regional wird die Umsetzung an lokale Bedingungen angepasst und begleitet. Unabhängig davon, ob man auf Teamkultur, pädagogische Planung oder Elternkommunikation schaut: Wenn Wahrnehmung, Sprache und Interaktionsmuster gemeinsam trainiert werden, entsteht ein gleichmäßigerer Qualitätsstandard. Das ist für Entscheider in Kitas relevant, weil es nicht nur um einzelne Veranstaltungen geht, sondern um eine Veränderung, die im Alltag messbar werden soll – in Form von stabileren Beziehungen, besserer sozialer Integration und einer präventiven Haltung, die früh greift.
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