LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Untersuchung im Auftrag von ImmoScout24 zeigt, dass viele Mieter und Eigentümer in Deutschland vor allem pragmatische Wohnmerkmale suchen. Der Balkon oder die Terrasse liegt mit 36 Prozent vorn, gefolgt von Garten und Stellplatz/Garage mit jeweils 32 Prozent. Besonders auffällig ist die Diskrepanz bei Energie und Kosten: Wer hohe Energiekosten spürt, steigt bei Energieeffizienz und günstigen Nebenkosten auf 36 Prozent statt 28 Prozent im Gesamtschnitt. Gleichzeitig werden Lage und Ruhe als die am stärksten geschätzten Faktoren genannt.

Wer in Deutschland ein Zuhause sucht, bekommt von der Realität schnell den Abgleich serviert: Luxusdetails sind zwar sichtbar, aber sie entscheiden den Alltag selten. Genau in diese Richtung weisen die Ergebnisse einer Untersuchung von Appinio im Auftrag von ImmoScout24. Statt auf opulente Ausstattungen zu setzen, nennen die Befragten vor allem funktionale und wirtschaftliche Kriterien, bei denen sich der Nutzen im täglichen Leben unmittelbar zeigt – etwa draußen an der frischen Luft oder in Form von kalkulierbaren Nebenkosten.
Technisch betrachtet ist das ein klassisches Muster aus der Konsumentenökonomie: Wenn Budgets unter Druck geraten, gewinnen Merkmale mit direkter Kostentransparenz und sofort spürbarem Komfort. Im Datensatz spiegelt sich das daran wider, dass ein Balkon oder eine Terrasse mit 36 Prozent an der Spitze der Wunschliste steht. Ein Garten sowie ein Parkplatz oder eine Garage folgen mit jeweils 32 Prozent. Energieeffizienz beziehungsweise günstige Nebenkosten werden von 28 Prozent genannt, während 22 Prozent eine Badewanne bevorzugen. Darüber hinaus tauchen praktische Nebenräume als Alltagsvorteile auf: Eine gute Aussicht sowie ein Keller oder Abstellraum werden von jeweils rund 21 Prozent als wichtig eingeordnet.
Daneben wirkt der Kontrast zu dem, was viele Vermarktungsbroschüren gern als Premium platzieren würden. So erreichen Ausstattungen wie eine Dachterrasse, Smart-Home-Technologien oder eine E-Ladestation jeweils nur 10 Prozent, ein begehbarer Kleiderschrank kommt auf 8 Prozent, und eine Sauna liegt bei 7 Prozent. Die Botschaft ist damit nicht: Komfort zählt nicht, sondern dass Komfort für die Mehrheit offenbar zuerst aus dem Zusammenspiel von Alltagstauglichkeit und finanzieller Planbarkeit entsteht. Auch das passt zur Aussage von Dr. Gesa Crockford (Geschäftsführung von ImmoScout24), wonach für die Mehrheit nicht Luxus im Vordergrund steht, sondern Aspekte, die Wohnkomfort und Wirtschaftlichkeit verbessern.
Wichtig ist außerdem, dass die Studie nicht nur Wunschbilder zeichnet, sondern auch den Zustand der aktuellen Wohnsituation abfragt. Demnach verfügen 37 Prozent der Befragten bereits über einen Balkon oder eine Terrasse, und 32 Prozent schätzen ihren Garten. Parkmöglichkeiten werden von 21 Prozent als Pluspunkt genannt, die Aussicht von 19 Prozent. Besonders klar ist die subjektive Bewertung der Gesamtzufriedenheit: Insgesamt geben 63 Prozent an, mit ihrer aktuellen Wohnsituation zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Eigentümer liegen dabei mit 80 Prozent signifikant höher als Mieter, deren Wert bei 52 Prozent liegt. Diese Trennlinie ist weniger ein Bauchgefühl als ein Indikator für unterschiedliche Risikostrukturen, etwa bei Mietanpassungen oder laufenden Instandhaltungsthemen.
Der stärkste Spannungsbogen zwischen Wunsch und Wirklichkeit entsteht bei Energie und Wohnkosten. Wenn Befragte hohe Energiekosten als Problem wahrnehmen, steigt der Wunsch nach Energieeffizienz bzw. günstigen Nebenkosten auf 36 Prozent – gegenüber 28 Prozent im Gesamtdurchschnitt. Damit wird aus einer abstrakten Nachhaltigkeitsformel ein sehr konkreter Haushaltsfaktor. Zusätzlich liefert das ImmoScout24 WohnBarometer für das zweite Quartal 2026 einen weiteren Kontext: In unsanierten Bestandswohnungen sollen die Nebenkosten um 3,8 Prozent auf 3,28 Euro pro Quadratmeter innerhalb eines Jahres gestiegen sein. Gleichzeitig verlief die Entwicklung der Kaltmieten im gleichen Zeitraum mit einem Plus von 2,7 Prozent langsamer. Für viele Haushalte bedeutet das praktisch, dass die monatliche Gesamtsumme nicht im gleichen Takt wie die Miete mitwächst, sondern der Kostenblock über Energiekosten stärker variiert – und genau dort setzen die Befragten ihren Fokus.
Aus Marktsicht ist das relevant, weil sich daraus Erwartungsverschiebungen in der Angebotsbewertung ableiten lassen. Wenn Energieeffizienz und niedrige Nebenkosten zur Priorität werden, dann rückt die Frage nach der technischen Ausgestaltung stärker in den Vordergrund: Dämmstandard, Heizungsart, Regelungstechnik und die Qualität der Gebäudehülle werden damit nicht nur Investitionsthemen für Eigentümer, sondern Bewertungsmaßstäbe für Kauf- und Mietentscheidungen. Gleichzeitig erklären die vergleichsweise niedrigen Werte für Smart-Home-Features, dass Automatisierung allein offenbar nicht genügt, um sich gegen etablierte Komforttreiber wie Balkon, Ruhe und Lage durchzusetzen. Im Segment der modernen Wohntechnik wird sich der Nutzen also stärker daran messen müssen, ob er den Energieverbrauch reduziert oder die Betriebskosten spürbar senkt.
Für Unternehmen, die Wohnimmobilien digital vermarkten oder Käufer- und Mietinteressenten begleiten, entsteht daraus ein klarer Handlungsimpuls: Nutzer wollen weniger eine Feature-Liste, sondern eine belastbare Alltagswirkung. Das zeigt sich auch an den meistgeschätzten Faktoren der Studie: Lage (45 Prozent) und Ruhe (40 Prozent) werden am stärksten bewertet. Wer diese Top-Treiber mit kostennahen Versprechen verknüpft – etwa über nachvollziehbare Energiekennwerte oder über Aussagen zur Nebenkostenentwicklung – dürfte die Informationslücke zwischen Traumhaus und Bestand verkleinern. Damit verschiebt sich die Diskussion von „Luxus vs. Standard“ hin zu „Kostenkontrolle vs. Bequemlichkeit“, und genau dieser Pragmatismus wird vermutlich auch in künftigen Such- und Filterlogiken eine dominante Rolle spielen.
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