FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Scale-Segment kommt nach dem Vierjahreshoch schnell wieder ins Rutschen: Der Scale All Share steht nur noch bei 1.484 Punkten, nach zuvor 1.756 Punkten Anfang Juni. In rund 70 Prozent der Werte zeigt sich auf Dreimonatssicht Gegenwind, während Nynomic und Deutsche Rohstoff als Ausnahmen zulegen. Treiber sind neben dem allgemeinen Zins- und Energieumfeld vor allem Auftragslage, Margenentwicklung und Branchen-Trends wie der Ausbau von KI-Rechenzentren. Gleichzeitig belasten schwächere Auftragseingänge und Liquiditätssorgen mehrere Titel im Index.

Die Erholung im Scale-Segment wirkt derzeit weniger wie ein stabiler Aufwärtstrend, sondern eher wie ein kurzer Schub, der sich schnell wieder abkühlt. Nach dem Vierjahreshoch bei 1.756 Punkten Anfang Juni notiert der Scale All Share am Dienstagmorgen bei 1.484 Punkten. Entsprechend verteilt sich die Bewegung im Index ungleich: Lediglich rund 30 Prozent der Scale-Werte können auf Dreimonatssicht zulegen, etwa 70 Prozent rutschen ab. Besonders auffällig ist dabei der Kontrast zwischen dem breiten Abwärtsdruck und einzelnen Titeln, die trotz insgesamt schwächerer Marktstimmung ihren Kurs Richtung Norden drehen.
Der Grundmix für die Schwäche bleibt laut dem Bericht vielschichtig und lässt sich wie ein typisches Krisensignal aus mehreren Komponenten lesen. Auf der Makroebene machen Investoren Sorgen rund um Zinsen und Energiepreise fest. Daneben wirken unternehmensnahe Faktoren: So werden rückläufige Auftragseingänge bei Pfisterer als Belastung genannt. Für andere Unternehmen steht weniger die operative Entwicklung im Fokus als vielmehr Zweifel an Organisation und Liquidität, wie es bei The Platform Group beschrieben wird. Dass sich diese Muster zugleich über verschiedene Branchen hinweg zeigen, erklärt auch, warum selbst der Umstand, dass der Scale All Share seit Jahresanfang immer noch etwa 8 Prozent im Plus liegt, den kurzfristigen Gegenwind nicht kompensiert.
Auch im Marktvergleich wird die Lage greifbar. DAX und SDAX kommen laut Bericht nur auf knapp 4 beziehungsweise 5 Prozent seit Jahresanfang, während der MDAX faktisch stagniert. Damit wird klar: Wer im Moment gezielt Nebenwerte sucht, findet zwar selektive Chancen, aber eben keine breite Erholung. Für den Tech-nahen Teil des Index ist der Blick auf Nynomic besonders interessant, weil hier mehrere interne und externe Treiber zusammenlaufen. Der deutsche Anbieter optischer Messtechnik mit Schwerpunkt auf Clean Tech, Green Tech und Life Science hat seit Januar den Kurs von 10 Euro auf aktuell 23 Euro mehr als verdoppelt. Die Hochs aus 2021 von über 54 Euro wirken zwar noch wie eine entfernte Erinnerung, doch für viele Marktteilnehmer ist entscheidend, dass die Bewertung und die Story wieder Anschluss finden.
Analystische Unterstützung kommt dabei aus der Perspektive, dass die Aktie im Verhältnis zu den operativen Signalen noch Raum bietet. Das Analysehaus Montega verweist insbesondere auf eine hohe Umsatzvisibilität durch das starke Auftragsbuch sowie auf eine sichtbare Margenverbesserung; daraus leitet das Haus ein Aufwärtspotenzial ab und nennt ein Kursziel von 30 Euro. Auch NuWays bleibt optimistisch und sieht 28 Euro als Ziel. Technisch und strategisch lässt sich diese These anschlussfähig erklären: Nynomic profitiert nicht nur von Projektgeschäft und Lieferkettenstabilität, sondern auch von strukturellen Trends wie dem Ausbau von KI-Rechenzentren und der weltweiten Halbleiternachfrage. Genau solche Themen sorgen in Nebenwerten häufig für eine stärkere Preissetzungsmacht und eine besser planbare Auslastung, weil Investitionsbudgets in bestimmten Segmenten länger „durchlaufen“ als es bei schwankender Gesamtkonjunktur der Fall wäre.
Noch ein anderes Muster zeigt sich bei Deutsche Rohstoff, das im Scale-Segment deutlich zu den Top-Performern zählt. Seit Jahresanfang steigt der Kurs von 49 auf 92 Euro, gestützt durch den hohen Ölpreis und entsprechende Geschäftszahlen. Im ersten Halbjahr wird ein EBITDA von 205 Millionen Euro genannt, nach 70,5 Millionen Euro im Vorjahr. First Berlin empfiehlt den Kauf und geht sogar bis zu 125 Euro als Kursziel (zuvor 115 Euro). MWB Research stuft ebenfalls auf „Buy“ und setzt das Kursziel auf 128 Euro. Hinter der Erwartung stehen laut Bericht unter anderem höhere Ölpreisprognosen für die kommenden drei Jahre. In Summe zeigt sich: Während bei Tech-Titeln vor allem Auftragsqualität, Margenhebel und die Nähe zu Infrastrukturzyklen zählen, spielt bei Rohstoff- und Förderwerten der Commodity-Zyklus die Hauptrolle – allerdings mit deutlich anderer Risikoarchitektur, weil die Bewertung stark an Preisniveaus hängt.
Dass das Scale-Universum insgesamt gleichzeitig Chancen und Risiken bündelt, wird auch an den Umsatzspitzen und den geschwächten Rüstungs- und Industriewerten sichtbar. Im August führt Pfisterer mit 64 Millionen Euro vor 2G Energy (36 Millionen Euro), Deutsche Rohstoff (25 Millionen Euro), Innoscripta und Steyr Motors (jeweils 15 Millionen Euro). Seit Jahresanfang dominiert 2G Energy, danach folgen Deutsche Rohstoff und Mensch und Maschine. Gleichzeitig schwächeln Rüstungstitel beziehungsweise Unternehmen aus angrenzenden Segmenten: SMAG Mobile Antenna Masts (aktueller Kurs 23,60 Euro nach Ausgabepreis 46 Euro) sowie der im März an die Börse gekommene U-Boot-Bauer Gabler Group (aktuell 42 Euro nach Ausgabepreis 44 Euro) liegen unter den Einstiegspreisen. Beim österreichischen Motorenbauer Steyr Motors fällt der Blick besonders auf die Dynamik nach einem einmaligen Stimmungsimpuls: Nach dem Platzen einer Übernahmespekulation durch den US-Drohnenkonzern Red Cat stieg der Kurs zunächst kurzeitig auf 41 Euro, fiel danach aber wieder zurück. NuWays ordnet die Annäherung als Bestätigung des strategischen Werts ein und hält an der Kaufempfehlung fest, wobei nun 49 statt 53 Euro als Kursziel genannt werden – weiterhin deutlich über dem aktuellen Kurs.
Unterm Strich deutet der Bericht auf einen Markt hin, der sich selektiv neu sortiert: Während einzelne Gewinner wie Nynomic und Deutsche Rohstoff von klaren Trend- und Ergebnisargumenten getragen werden, drücken bei anderen die Kombination aus schwächerer operativer Dynamik, Liquiditätsfragen oder dem ausbleibenden Re-rating. Gleichzeitig bleibt die Kapitalmarktdynamik im Small-Cap-Bereich aktiv, denn der Wechsel ins Scale-Segment ist durch das „Gesetz zur Förderung privater Investitionen und des Finanzstandorts“, kurz Standortfördergesetz, offenbar erleichtert worden. Bereits gewechselt sind unter anderem Cenit, ecotel communication, FCR Immobilien, PEH Wertpapier AG, H+R KGAA, Gateway Real Estate, FamiCord und A.S. Création Tapeten; genau heute wird zudem die FRIWO AG genannt. Angekündigt haben den Wechsel außerdem Müller Die lila Logistik, die Schweizer Electronic AG und die InTiCa Systems SE. Für Anleger und operative Teams bedeutet das: Das Segment bleibt in Bewegung, aber die Gewinner benötigen zunehmend belastbare Begründungen entlang von Auftragslage, Margen und Finanzierungsfähigkeit, statt nur Story oder Timing.
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