LONDON (IT BOLTWISE) – Ein neuer Bericht des US-Verteidigungsinspektors beziffert Schäden durch iranische Angriffe im Rahmen der „Operation Epic Fury“. Laut den Angaben wurden hunderte Gebäude und Anlagen auf US-Stützpunkten in mehreren Staaten beeinträchtigt, während für Diplomatieobjekte ein Kostentotal von rund 184 Millionen US-Dollar genannt wird. Die Veröffentlichung zeigt außerdem, warum die Gesamtkosten wegen fehlender Mittelbindung deutlich schwerer zu berechnen sind. Parallel rückt die Finanzierung der Lufttransport-Einsätze in den Fokus, da verzögerte Zahlungen drohen.

Für die „Operation Epic Fury“ liegen damit erstmals detailliertere Zahlen auf Arbeitsebene vor: Laut einem Bericht des U.S. Department of Defense Office of the Inspector General (IG) meldeten Ermittlerinnen und Ermittler der Behörde Informationen aus Gesprächen mit dem U.S. Central Command (CENTCOM). Der IG stützt sich demnach auf Aussagen, wonach iranische Angriffe und in diesem Kontext ausgelöste Schäden und Zerstörungen an Hunderten von Gebäuden und Strukturen auf US-Basen in Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Irak, Oman und Jordanien auftraten. Interessant ist dabei weniger die geografische Breite als die Tatsache, dass der Bericht zwischen militärischen und diplomatischen Schäden unterscheidet und für letztere konkretere Kostendaten liefert.
Während der IG-Bericht zu den beschädigten militärischen Einrichtungen keine fein granulierten Angaben macht, wird die Schadensdimension bei den diplomatischen Liegenschaften deutlich greifbarer. Der U.S. State Department habe den Untersuchenden gegenüber erklärt, dass US-diplomatische Einrichtungen in vier Ländern physische Schäden durch iranische Angriffe erlitten hätten; der geschätzte Gesamtkostenrahmen liege bei etwa 184 Millionen US-Dollar. Für den Irak werden dabei mehr als 600 Angriffe auf US-diplomatische Standorte erwähnt, während zugleich Kuwait City und die Botschaft in Riad ebenfalls getroffen wurden. Damit entsteht ein Bild, in dem sich die Verwundbarkeit von Infrastrukturen nicht nur auf Gefechtsfelder beschränkt, sondern auch diplomatische Knotenpunkte betrifft.
Ökonomisch wird es besonders komplex, sobald man versucht, den Aufwand der Operation vollständig abzubilden. Der Bericht nennt für „Operation Epic Fury“ Kosten von 33,4 Milliarden US-Dollar (Stand: 29. Juni) auf Basis von Pentagon-Schätzungen. Diese Summe umfasst 22,3 Milliarden US-Dollar für verbrauchte Munition, 3,7 Milliarden US-Dollar für Ausrüstungsverluste sowie 7,4 Milliarden US-Dollar an Kosten außerhalb der normalen CENTCOM-Betriebsausgaben. Gleichzeitig betont der IG, dass diese Schätzungen die Kosten für die Reparatur der Infrastruktur nicht enthalten. Begründet wird die Lücke damit, dass das Verteidigungsministerium nicht festgelegt habe, wie sich seine zukünftige Präsenz in der Region entwickeln wird, wie genau Stützpunkte gebaut werden sollen und in welchem Umfang Verbündete und Partner sich an den Baukosten beteiligen.
Diese Berechnungslogik hängt wiederum eng an einem politischen und haushalterischen Detail: Da der Kongress keine Mittel für den Krieg in Iran bewilligte, wurden die Ausgaben aus regulären Haushaltspositionen umgeschichtet. Der IG hält fest, dass Geld für „normale“ Budgets wie Mittel für Training und Wartung in Anspruch genommen wurde. Genau das macht die Ermittlung der Gesamtlast schwieriger: Wie aus dem Bericht hervorgeht, sei ohne eine zweckgebundene Mittelzuweisung für die Operation „Epic Fury“ die vollständige „Cost“-Bewertung deutlich schwerer. Für Führungskräfte in Beschaffungs- und Planungsabteilungen ist das vor allem deshalb relevant, weil es nicht nur um Buchungen geht, sondern um die Frage, wann und wie notwendige Folgeinvestitionen in Lagerhaltung, Instandhaltung und Bauoptionen in die nächste Planungsrunde einfließen können.
Auch die Logistikseite zeigt, wie schnell ein Operationstempo Budgets verzehrt. Der IG verweist auf die Rolle des U.S. Transportation Command (USTRANSCOM), das für die Mission mehr als 1.500 Einsätze geflogen habe. In Spitzenzeiten habe der Lufttransport direkt in den CENTCOM-Zuständigkeitsbereich täglich auf 30 bis 40 Missionen angezogen; zusätzlich seien weitere 20 bis 30 tägliche Flugbewegungen in Richtung des USEUCOM-Zuständigkeitsbereichs gegangen, um dort sogenannte Transload-Operationen zu unterstützen. Der Bericht beziffert diese Verpflichtungen bis zum 30. Juni auf knapp 2,4 Milliarden US-Dollar. Zwar seien viele dieser Verpflichtungen bislang von den Militärdiensten erstattet worden, doch USTRANSCOM erwarte laut IG künftig verzögerte Zahlungen, falls die Mittel der Dienste aufgebraucht sind und es keine Nachtragsbewilligung gibt.
Schließlich wird der materielle Schaden auch auf der Luftkomponenten-Ebene quantifiziert. Der Bericht bestätigt, dass Dutzende bemannte und unbemannte Flugzeuge zerstört oder beschädigt wurden, gestützt auf Daten aus einem Bericht des Congressional Research Service, der im Mai veröffentlicht und von CENTCOM bis zum 24. August „geprüft“ worden sei. Beim zerstörten Bestand nennt der IG vier F-15E, je eine A-10 sowie mehrere Hubschrauber des Typs AH-6 und AH-64, dazu einen MH-60, außerdem eine MQ-4C-Drohne und bis zu 30 MQ-9 Reaper. Ergänzend listet der Bericht bis zum 27. August 18 tote US-Militärangehörige; zudem wird auf eine gemeldete Zahl von 417 Verwundeten (Stand: 30. Juni) verwiesen, die laut später veröffentlichten Angaben in späten August-Tagschritten auf 774 gestiegen sein soll. Die verlinkte Veröffentlichung macht damit klar, dass sich Lagebewertungen zeitlich verschieben können, was wiederum die Planung von Ersatz, Instandsetzung und Ausbildungsnachschub beeinflusst.
Für Technologie- und Einsatzplaner ergibt sich aus den Zahlen vor allem eine praktische Konsequenz: Bei Operationen mit hoher Infrastrukturbeteiligung und mehreren betroffenen Staaten entscheidet nicht allein die Kampfkraft, sondern auch die Fähigkeit, Rechnungspositionen, Reparaturpfade und Bauoptionen frühzeitig so zu erfassen, dass die Kosten nicht erst „nachträglich“ anhand von Annahmen rekonstruierbar werden. Genau diese Lücke beschreibt der IG, indem er betont, dass Bau- und Reparaturkosten nicht in die Schätzsumme eingerechnet wurden, weil die künftige Präsenz noch offen ist. In einem solchen Umfeld gewinnt integrierte Planung (Finanzen, Wartung, Logistik, Bau) gegenüber isolierten Teilbudgets an Gewicht, weil schon Verzögerungen in Erstattungen oder Nachbewilligungen den operativen Takt indirekt bremsen können.
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