GAYLORD NATIONAL RESORT AND CONVENTION CENTER / LONDON (IT BOLTWISE) – Bei der AFA-Konferenz 2026 haben Führungskräfte der U.S. Space Force eine Verdopplung innerhalb der nächsten fünf Jahre als Zielrahmen beschrieben. Der Ausbau soll vor allem in das U.S. Space Force Combat Forces Command fließen, damit mehr Einsatzmannschaften, resilientere Orbital-Fähigkeiten und glaubwürdige Abschreckung entstehen. Im Mittelpunkt stehen dabei „space control“-Fähigkeiten, die sowohl offensive als auch defensive Operationen abdecken. Parallel wird der Aufbau von Infrastruktur, Test- und Trainingsumgebungen sowie skalierte Logistik als Voraussetzung für global verteilte Einsätze hervorgehoben.

Die U.S. Space Force stellt die Weichen für stark beschleunigtes Wachstum – und zwar nicht als Selbstzweck, sondern als Antwort auf ein sich verschärfendes Bedrohungsumfeld im Weltraum. In einer offenen Panel-Diskussion auf der 2026 AFA Air, Space and Cyber Conference wurde betont, die Organisation müsse in den kommenden fünf Jahren ihre Größe verdoppeln. Der dabei genannte strategische Hebel ist zugleich sehr konkret: Das Combat Forces Command soll überproportional wachsen, um die Einsatzfähigkeit zum Schutz der Joint Force gegen Angriffe aus dem Weltraum heraus zu erhöhen. Für Führungskräfte bedeutet das vor allem eine Planungsaufgabe entlang einer ganzen Kette – von Personal und Ausbildung über die Betriebsfähigkeit einzelner Einsatzknoten bis hin zu belastbaren Operationskonzepten gegen gegnerische Gegenmaßnahmen.
Damit rückt ein technischer Kern in den Vordergrund: Space Superiority wird als gemeinsame Priorität beschrieben, die sich letztlich über Space Control, Kampf- bzw. Combat Power sowie das dafür nötige Training und die Gefechtsübung glaubwürdig machen lässt. Space Control ist dabei mehr als ein Schlagwort; es meint die Fähigkeit, im relevanten Weltraum-Luftraum den Handlungsspielraum von Bündnissen zu sichern und gegnerische Counter-Space-Assets zu adressieren. Interessant ist, dass die Diskussion den Fokus nicht nur auf die Bereitstellung unterstützender Effekte legt, sondern auf die Bereitschaft, Angriffe auszuhalten und direkte Wirkungen zu entfalten. Genau an dieser Stelle wird der Ausbau politisch und operativ verknüpft: Ein größerer Personal- und Fähigkeitsumfang soll ermöglichen, dass operative Einheiten rund um die Uhr einsatzbereit bleiben und taktische Überlegenheit im Weltraum technisch und prozessual absichern.
Finanziell wurde im Panel ein Budgetrahmen genannt, der für das Wachstum die „Ressourcen“ bereitstellen soll: Für das FY27 ist von 71,1 Milliarden US-Dollar die Rede. In der Logik der Argumentation ist das kein reines Beschaffungsbudget, sondern eine Mischform aus Kapazitätserweiterung, Resilienzsteigerung und dem Aufbau von Abschreckung gegenüber „pacing adversaries“. Konkret wurde herausgestellt, dass zwei Drittel des Wachstums in Richtung Combat Forces Command fließen sollen. So soll das Kommando mehr Combat Crews und mehr Force Elements für die jeweiligen Space-Force-Kommandanten bereitstellen. Zusätzlich zu bekannten Fähigkeitsspektren soll dabei offenbar auch neue Capability entstehen; entscheidend ist, dass sich diese Erweiterung nicht nur in Form zusätzlicher Einheiten zeigt, sondern in der Fähigkeit, Missionen unter Stress, bei Störungen oder unter aktiver Gegenwirkung des Gegners durchzuführen.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Fähigkeit, fortgeschrittene offensive und defensive Space-Control-Fähigkeiten schnell aufzubauen und operativ zu operationalisieren. Damit ist auch eine organisatorische Frage verbunden: Skalieren lässt sich Combat Readiness nur dann nachhaltig, wenn genügend Personal über aktive Dienststellen und zivile Spezialistinnen und Spezialisten hinweg verfügbar ist. Das Panel machte außerdem deutlich, dass der Betrieb nicht an geografischen Grenzen scheitern darf, weil Einsätze verteilt und global geplant sind. Genau dafür braucht es ein funktionierendes Unterstützungs-Ökosystem aus Installationen, Infrastruktur, Sustainment und Logistik – und zwar so, dass die Knotenpunkte auch unter cyber- oder kinetischen Angriffen überlebensfähig bleiben. Assistant Deputy Chief Kathryn Kolbe stellte in diesem Zusammenhang Initiativen vor, die in Richtung disperser und vernetzter Einrichtungen zielen, damit Survivability nicht nur auf dem Papier existiert, sondern in der Betriebsrealität durchkonzipiert ist.
Technisch und organisatorisch hängt das unmittelbar an Übung, Validierung und an der Qualität der Trainingsumgebung. Chief Master Sergeant John Bentivegna beschrieb, wie physische und virtuelle Test- und Trainingsranges erweitert werden, um hochauflösende mission rehearsal zu ermöglichen – also realistische Übungssettings, die Tactical Validation unterstützen. Für die Praxis bedeutet das: Wenn Operators im Combat Forces Command auf Peer-Niveau agieren sollen, reicht klassische Ausbildung allein nicht. Dann wird es wichtig, die „Reps and Sets“ so zu gestalten, dass Taktiken, Techniken und Verfahren (TTPs) unter realitätsnahen Annahmen überprüfbar werden. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit betont, Integration mit dem Joint Force-Kontext, mit Combatant Commands sowie mit Verbündeten und Partnern kontinuierlich einzuüben – denn im Ernstfall entscheidet nicht nur die Fähigkeit des einzelnen Systems, sondern die Koordination über Ebenen und Organisationen hinweg.
Am Ende bündelt das Panel die Investitionen in eine Frage, die für Unternehmen und Technologieanbieter gleichermaßen relevant ist: Welche Rolle spielt „human capital“ in einer Fähigkeit, die stark von Informationsverarbeitung, Simulation, Betriebsdisziplin und Schnittstellenkompetenz lebt? Maj. Gen. James E. Smith verknüpfte den Ausbau mit gezielten technischen Rekrutierungs-Pipelines, operativem Training und umfassenden Family-Support-Systemen. Das klingt zunächst wie HR-Terminologie, wirkt aber im Kontext von hochintegrierten Operationsprozessen wie eine technische Randbedingung: Ohne stabilen Zustrom an qualifiziertem Personal werden Infrastruktur, Trainingsumgebungen und operative Konzepte ihre Wirkung nicht entfalten können. Gerade bei einer Verdopplung innerhalb von fünf Jahren wird die Engpassanalyse entscheidend – und der Engpass entsteht häufig nicht erst beim Material, sondern bei der Zeit, die bis zur Einsatzreife benötigt wird.
Der politische Rahmen der Debatte ist damit zugleich ein operativer Maßstab: Es geht nicht nur darum, „zu wachsen“, sondern um die Schaffung einer Kraft, die abschreckt und gewinnt. Die Diskussion stellte explizit heraus, dass das Ziel zwar im Wachstum liegt, aber das übergeordnete Ziel die Sicherung nationaler Interessen im und um den Weltraum herum ist. Daraus folgt als Konsequenz für die nächsten Jahre eine klare Prioritätensetzung innerhalb der Space-Force-Architektur: Wer Space Control als Grundlage der Abschreckung ernst nimmt, muss Ressourcen entlang des gesamten Lebenszyklus von Fähigkeiten planen – von Personal und Testbereichen über verteilte Infrastruktur bis zur operativen Taktik. Genau in diesem Spannungsfeld entscheidet sich, ob mehr Größe in kurzfristig messbare Einsatzfähigkeit übersetzt wird oder ob das Wachstum an Integrations- und Betriebsfragen hängen bleibt.
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